Der Ver­sor­gungs­aus­gleich im Schei­dungs­ver­bung – und die zuläs­si­gen Rechts­mit­tel

Ent­schei­det das Amts­ge­richt im Schei­dungs­ver­bund über eine Fami­li­en­sa­che der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit (hier: Ver­sor­gungs­aus­gleich) und ver­wirft das Beschwer­de­ge­richt die dage­gen gerich­te­te Beschwer­de wegen Ver­säu­mung der Beschwer­de­frist als unzu­läs­sig, fin­det gegen den Ver­wer­fungs­be­schluss kei­ne zulas­sungs­freie Rechts­be­schwer­de statt.

Der Ver­sor­gungs­aus­gleich im Schei­dungs­ver­bung – und die zuläs­si­gen Rechts­mit­tel

Die Rechts­be­schwer­de ist nicht statt­haft. Die Statt­haf­tig­keit der Rechts­be­schwer­de ergibt sich nicht aus § 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG i.V.m. §§ 522 Abs. 1 Satz 4, 574 Abs. 1 Nr. 1 ZPO.

Die sich aus § 117 FamFG erge­ben­den Modi­fi­ka­tio­nen und Ergän­zun­gen des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens nach den §§ 58 ff. FamFG gel­ten nur für Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen, nicht aber für – wie hier – Fami­li­en­sa­chen der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit. Dar­an ändert der Umstand nichts, dass im vor­lie­gen­den Fall über den Ver­sor­gungs­aus­gleich im Schei­dungs­ver­bund (§ 137 FamFG) ent­schie­den wor­den ist. Die Schei­dungs­sa­che und die ein­zel­nen Fol­ge­sa­chen blei­ben auch im Fall der gemein­sa­men Ver­hand­lung und Ent­schei­dung im Ver­bund in ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht eigen­stän­dig 1. Für Fami­li­en­sa­chen der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, die als Fol­ge­sa­chen Teil einer Ver­bund­ent­schei­dung sein kön­nen (Ver­sor­gungs­aus­gleichs­sa­chen, Ehe­woh­nungs- und Haus­halts­sa­chen und die in § 137 Abs. 3 FamFG genann­ten Kind­schafts­sa­chen), gel­ten im Beschwer­de­ver­fah­ren des­halb allein die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten der §§ 58 ff. FamFG – gege­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit den Spe­zi­al­vor­schrif­ten für die­se Ver­fah­ren in den ent­spre­chen­den Abschnit­ten im zwei­ten Buch des FamFG – ohne die aus­schließ­lich für die Anfech­tung des Schei­dungs­aus­spru­ches und die Streit­fol­ge­sa­chen maß­geb­li­chen Ver­wei­sun­gen des § 117 FamFG auf Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung 2.

Die Zuläs­sig­keits­prü­fung rich­tet sich im vor­lie­gen­den Fall somit nicht nach § 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG i.V.m. § 522 Abs. 1 Satz 1 ZPO, son­dern nach § 68 Abs. 2 Satz 1 FamFG. Hat das Beschwer­de­ge­richt im Anschluss an die­se Prü­fung eine Beschwer­de in einer Fami­li­en­sa­che der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit nach § 68 Abs. 2 Satz 2 FamFG als unzu­läs­sig ver­wor­fen, beur­teilt sich die Statt­haf­tig­keit der Rechts­be­schwer­de gegen die Ver­wer­fungs­ent­schei­dung allein nach § 70 Abs. 1 FamFG, so dass die Rechts­be­schwer­de nur für den Fall der Zulas­sung gege­ben ist 3. Dies gilt auch dann, wenn dem Beschwer­de­füh­rer eine Wie­der­ein­set­zung in den vor­he­ri­gen Stand gegen die Ver­säu­mung der Beschwer­de­frist nach (hier rich­tig:) §§ 17 ff. FamFG ver­sagt wor­den ist 4.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Rechts­be­schwer­de nicht zuge­las­sen. Eine von dem Beschwer­de­ge­richt erteil­te – unzu­tref­fen­de – Rechts­mit­tel­be­leh­rung stellt kei­ne Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de dar 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Novem­ber 2013 – XII ZB 414/​13

  1. vgl. Keidel/​Weber FamFG 17. Aufl. § 137 Rn. 3[]
  2. klar­stel­lend Prütting/​Helms/​Feskorn FamFG 3. Aufl. § 117 Rn. 9[]
  3. vgl. auch BGH, Beschluss vom 24.07.2013 – XII ZB 40/​13, Fam­RZ 2013, 1569 Rn. 4[]
  4. vgl. Münch­Komm-FamFG/Ans­gar Fischer 2. Aufl. § 70 Rn. 38[]
  5. BGH, Beschluss vom 20.07.2011 – XII ZB 445/​10, Fam­RZ 2011, 1728 Rn. 16[]

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