Der Ver­sor­gungs­aus­gleich im Schei­dungs­ver­bund – und die ver­säum­te Beschwer­de­frist

Ent­schei­det das Amts­ge­richt im Schei­dungs­ver­bund über eine Fami­li­en­sa­che der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit (hier: Ver­sor­gungs­aus­gleich) und ver­wirft das Beschwer­de­ge­richt die dage­gen gerich­te­te Beschwer­de wegen Ver­säu­mung der Beschwer­de­frist als unzu­läs­sig, fin­det gegen den Ver­wer­fungs­be­schluss kei­ne zulas­sungs­freie Rechts­be­schwer­de statt1.

Der Ver­sor­gungs­aus­gleich im Schei­dungs­ver­bund – und die ver­säum­te Beschwer­de­frist

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits aus­ge­führt hat, gel­ten die sich aus § 117 FamFG erge­ben­den Modi­fi­ka­tio­nen und Ergän­zun­gen des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens nach den §§ 58 ff. FamFG nur für Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen, nicht aber für Fami­li­en­sa­chen der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit. Dar­an ändert der Umstand nichts, dass im vor­lie­gen­den Fall über den Ver­sor­gungs­aus­gleich im Schei­dungs­ver­bund (§ 137 FamFG) ent­schie­den wor­den ist. Die Schei­dungs­sa­che und die ein­zel­nen Fol­ge­sa­chen blei­ben auch im Fall der gemein­sa­men Ver­hand­lung und Ent­schei­dung im Ver­bund in ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht eigen­stän­dig. Für Fami­li­en­sa­chen der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, die wie hier der Ver­sor­gungs­aus­gleich als Fol­ge­sa­chen Teil einer Ver­bund­ent­schei­dung sein kön­nen, gel­ten im Beschwer­de­ver­fah­ren des­halb allein die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten der §§ 58 ff. FamFG – gege­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit den Spe­zi­al­vor­schrif­ten für die­se Ver­fah­ren in den ent­spre­chen­den Abschnit­ten im zwei­ten Buch des Geset­zes über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit – ohne die aus­schließ­lich für die Anfech­tung des Schei­dungs­aus­spruchs und die Streit­fol­ge­sa­chen maß­geb­li­chen Ver­wei­sun­gen des § 117 FamFG auf Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung2.

Die Prü­fung der Zuläs­sig­keit der Erst­be­schwer­de rich­tet sich im vor­lie­gen­den Fall somit nicht nach § 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG iVm § 522 Abs. 1 Satz 1 ZPO, son­dern wie das Beschwer­de­ge­richt zutref­fend erkannt hat nach § 68 Abs. 2 Satz 1 FamFG. Hat das Beschwer­de­ge­richt im Anschluss an die­se Prü­fung eine Beschwer­de in einer Fami­li­en­sa­che der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit nach § 68 Abs. 2 Satz 2 FamFG als unzu­läs­sig ver­wor­fen, beur­teilt sich die Statt­haf­tig­keit der Rechts­be­schwer­de gegen die Ver­wer­fungs­ent­schei­dung allein nach § 70 Abs. 1 FamFG, so dass die Rechts­be­schwer­de nur für den Fall der Zulas­sung gege­ben ist. Dies gilt auch dann, wenn dem Beschwer­de­füh­rer wie hier eine Wie­der­ein­set­zung in den vor­he­ri­gen Stand gegen die Ver­säu­mung der Beschwer­de­frist nach §§ 17 ff. FamFG ver­sagt wor­den ist3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. August 2018 – XII ZB 37/​18

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 13.11.2013 XII ZB 414/​13 Fam­RZ 2014, 109 []
  2. BGH, Beschlüs­se vom 13.11.2013 XII ZB 414/​13 Fam­RZ 2014, 109 Rn. 4; und vom 27.11.2013 XII ZB 464/​13 4 f. []
  3. BGH, Beschlüs­se vom 13.11.2013 XII ZB 414/​13 Fam­RZ 2014, 109 Rn. 5; und vom 27.11.2013 XII ZB 464/​13 3 []