Der Ver­zicht auf den Zuge­winn­aus­gleich

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs erweist sich der Zuge­winn­aus­gleich schon im Hin­blick auf sei­ne nach­ran­gi­ge Bedeu­tung im Sys­tem der Schei­dungs­fol­gen einer ehe­ver­trag­li­chen Dis­po­si­ti­on am wei­tes­ten zugäng­lich 1.

Der Ver­zicht auf den Zuge­winn­aus­gleich

Ob trotz der grund­sätz­li­chen Kern­be­reichs­fer­ne des Zuge­winn­aus­gleichs im Ein­zel­fall Anlass zu einer ver­stärk­ten Inhalts­kon­trol­le besteht, wenn der Ehe­ver­trag zu einem Ver­zicht auf bereits begrün­de­te Rechts­po­si­tio­nen führt, also ins­be­son­de­re dann, wenn der haus­halts­füh­ren­de Ehe­gat­te nach lang­jäh­ri­ger Ehe auf den Zuge­winn auch für die Ver­gan­gen­heit ver­zich­tet 2, bedarf im vor­lie­gen­den Fall kei­ner nähe­ren Erör­te­rung. Denn der Ver­zicht auf den Zuge­winn­aus­gleich ist, wor­auf das Beschwer­de­ge­richt zu Recht hin­ge­wie­sen hat, nicht kom­pen­sa­ti­ons­los erfolgt, son­dern gegen Über­nah­me der Ver­pflich­tung, die nach dem unwi­der­leg­ten Vor­brin­gen des Antrag­stel­lers bei Ver­trags­schluss mit noch 70.000 € valu­tie­ren­den Ver­bind­lich­kei­ten auf der von der Antrags­geg­ne­rin aus­ge­wähl­ten Woh­nung zu til­gen.

Tref­fen Ehe­leu­te im Übri­gen unter dem Ein­druck einer Ehe­kri­se oder im Rah­men einer Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba­rung umfas­sen­de Rege­lun­gen über ihre ver­mö­gens­recht­li­chen Ver­hält­nis­se und schlie­ßen sie in die­sem Zusam­men­hang wech­sel­sei­ti­ge güter­recht­li­che Ansprü­che aus, ver­fol­gen sie damit regel­mä­ßig den legi­ti­men Zweck, ihre Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung zu beschleu­ni­gen und zu ver­ein­fa­chen und gege­be­nen­falls auch von den Unwäg­bar­kei­ten des Stich­tags­prin­zips im Zuge­winn­aus­gleich unab­hän­gig zu machen. Anhalts­punk­te dafür, dass der Ver­zicht auf den Zuge­winn­aus­gleich für die Antrags­geg­ne­rin im vor­lie­gen­den Fall mit gra­vie­ren­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len ver­bun­den gewe­sen wäre, erge­ben sich nicht, und zwar auch des­halb nicht, weil bei Ver­trags­schluss noch nicht vor­her­seh­bar war, zu wel­chem Zeit­punkt und unter wel­chen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen der Güter­stand enden wür­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Janu­ar 2014 – XII ZB 303/​13

  1. grund­le­gend BGH, Urteil BGHZ 158, 81, 95, 98 f. = Fam­RZ 2004, 601, 605, 608; vgl. zuletzt BGH, Urteil vom 21.11.2012 XII ZR 48/​11 Fam­RZ 2013, 269 Rn. 17[]
  2. vgl. Beck­OK BGB/​J. May­er [Stand: 1.11.2013] § 1408 Rn. 29; Münch Ehe­be­zo­ge­ne Rechts­ge­schäf­te 3. Aufl. Rn. 802[]