Der Vor­mund­schafts­ver­ein als Ergän­zungs­pfle­ger – und sei­ne Vergütung

Auf den als Ergän­zungs­pfle­ger in einer Kind­schafts­sa­che bestell­ten Mit­ar­bei­ter eines Vor­mund­schafts­ver­eins sind die zuguns­ten des Betreu­ungs­ver­eins bestehen­den Ver­gü­tungs­vor­schrif­ten der § 1897 Abs. 2 Satz 1 BGB, § 7 VBVG ent­spre­chend mit der Maß­ga­be anzu­wen­den, dass sich die Höhe des Anspruchs nach § 3 VBVG richtet.

Der Vor­mund­schafts­ver­ein als Ergän­zungs­pfle­ger – und sei­ne Vergütung

Der Anspruch des Vor­mund­schafts­ver­eins auf Ver­gü­tung der Tätig­keit sei­ner Mit­ar­bei­te­rin Frau X. als Ergän­zungs­pfle­ge­rin ergibt sich dem Grun­de nach aus § 1915 Abs. 1 Satz 1, § 1836 Abs. 1 BGB in Ver­bin­dung mit § 7 Abs. 1 Satz 1, § 1 Abs. 2, § 3 VBVG, § 1897 Abs. 2 Satz 1 BGB ana­log. Er rich­tet sich gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1, § 1 Abs. 2 Satz 2 VBVG gegen die Staats­kas­se, da der Jugend­li­che unstrei­tig mit­tel­los im Sin­ne des § 1836d BGB ist.

§ 1915 Abs. 1 Satz 1 BGB ver­weist für den Anspruch eines Ergän­zungs­pfle­gers auf Ver­gü­tung und Auf­wen­dungs­er­satz auf die für die Vor­mund­schaft gel­ten­den Rege­lun­gen. Ist zum Vor­mund der Mit­ar­bei­ter eines Vor­mund­schafts­ver­eins im Sin­ne von § 1791a BGB, § 54 SGB VIII bestellt und ist die­ser Mit­ar­bei­ter im Ver­ein aus­schließ­lich oder teil­wei­se als Vor­mund tätig, sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die zuguns­ten eines Betreu­ungs­ver­eins bestehen­den Ver­gü­tungs­vor­schrif­ten der § 1897 Abs. 2 Satz 1 BGB, § 7 VBVG ent­spre­chend auf den Vor­mund­schafts­ver­ein mit der Maß­ga­be anzu­wen­den, dass sich die Höhe des Anspruchs nach § 3 VBVG rich­tet [1]. Das gilt nach § 1915 Abs. 1 Satz 1 BGB ent­spre­chend für einen Mit­ar­bei­ter des Ver­eins, wel­cher zum Ergän­zungs­pfle­ger bestellt ist [2].

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine ent­spre­chen­de Anwen­dung die­ser Rege­lun­gen auf den Anspruch des Vor­mund­schafts­ver­eins lagen in dem hier ent­chie­de­nen Fall vor: Frau X. ist Mit­ar­bei­te­rin des Ver­eins, bei dem es sich um einen Betreu­ungs- und Vor­mund­schafts­ver­ein im Sin­ne des § 54 SGB VIII han­delt. Sie war für den abge­rech­ne­ten Zeit­raum wirk­sam zur Ergän­zungs­pfle­ge­rin bestellt. Es gab zwar nach­fol­gend zur Anord­nung der Ergän­zungs­pfleg­schaft im sor­ge­recht­li­chen Haupt­sa­che­ver­fah­ren mit Beschluss des Amts­ge­richt kei­nen (noch­ma­li­gen) förm­li­chen Bestel­lungs­akt. Hier­für fehl­te es ins­be­son­de­re an den auch bei der Bestel­lung eines Ver­eins­er­gän­zungs­pfle­gers ein­zu­hal­ten­den [3] Förm­lich­kei­ten nach § 1789 BGB, die eine per­sön­li­che Ver­pflich­tung durch das Gericht in Anwe­sen­heit des Bestell­ten vor­se­hen [4]. Aller­dings bestand die bereits 2012 auf der Grund­la­ge des im einst­wei­li­gen Anord­nungs­ver­fah­ren ergan­ge­nen Beschlus­ses des Fami­li­en­ge­richts form­ge­recht erfolg­te Bestel­lung von Frau X. zur Ergän­zungs­pfle­ge­rin für das Kind fort. Ins­be­son­de­re war die Ergän­zungs­pfleg­schaft nicht gemäß § 1882 BGB wegen Weg­falls ihrer gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen been­det. Mit der die einst­wei­li­ge Anord­nung ablö­sen­den Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che war den Kindes­el­tern wei­ter­hin die elter­li­che Sor­ge im Teil­be­reich Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht ent­zo­gen und eine Ergän­zungs­pfleg­schaft für die­sen Teil­be­reich angeordnet.

Der Anspruch der Ergän­zungs­pfle­ge­rin ‑als Mit­ar­bei­te­rin eines Vor­mund­schafts­ver­eins- auf Auf­wen­dungs­er­satz (hier: Tele­fon, Fax- und Kopier­kos­ten) rich­tet sich nach § 1835 Abs. 1 Satz 1 Hs. 1 BGB. Zwar ist durch die von § 7 Abs. 1 Satz 1 VBVG in Bezug genom­me­ne Rege­lung des § 4 Abs. 2 Satz 1 VBVG aus­drück­lich bestimmt, dass die Stun­den­sät­ze der Ver­gü­tung anläss­lich der Betreu­ung ent­stan­de­ne Auf­wen­dun­gen abde­cken. Es han­delt sich inso­weit um eine Inklu­siv­ver­gü­tung [5]. Wenn nach der zitier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aller­dings bei der Bestel­lung des Mit­ar­bei­ters eines Betreu­ungs- oder Vor­mund­schafts­ver­eins zum Vor­mund nicht die spe­zi­ell für den Betreu­er gel­ten­den Ver­gü­tungs­vor­schrif­ten der §§ 4 ff. VBVG her­an­zu­zie­hen sind, son­dern die Ver­gü­tungs­re­ge­lung für den Vor­mund [6], muss das auch für die Rege­lun­gen zum Auf­wen­dungs­er­satz gel­ten. Anders als der Betreu­er erhält der Vor­mund sei­ne Auf­wen­dun­gen nach dem Maß­stab des § 1835 BGB in vol­ler Höhe erstat­tet [7].

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 4. August 2020 – 15 WF 51/​19

Der Vormundschaftsverein als Ergänzungspfleger - und seine Vergütung
  1. BGH, Beschluss vom 25.05.2011 – XII ZB 625/​10, NJW 2011, 2727 Rn. 22 ff. und 36[]
  2. BGH, Beschluss vom 13.03.2013 – XII ZB 398/​12, FamRZ 2013, 946 Rn. 11; vgl. auch Münch­Komm-BGB/­Frösch­le, 8. Aufl., § 1835 Rn. 57[]
  3. vgl. Münch­Komm-BGB/­Spick­hoff, 8. Aufl., § 1789 Rn. 7[]
  4. BGH, Beschluss vom 15.01.2020 – XII ZB 627/​17, Rn. 7[]
  5. vgl. Jurgeleit/​Maier, Betreu­ungs­recht, 4. Aufl., § 1835 BGB Rn. 33[]
  6. BGH, Beschluss vom 25.05.2011 – XII ZB 625/​10, NJW 2011, 2727 Rn. 26 und 36[]
  7. Jurgeleit/​Maier, aaO § 3 VBVG Rn. 1[]