Der Zeit­sol­dat im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Bei der Fest­stel­lung der Art­gleich­heit der Ver­sor­gungs­an­rech­te im Rah­men von § 18 Abs. 1 VersAus­glG ist auch bei Lan­des- und Kom­mu­nal­be­am­ten, Zeit­sol­da­ten und Wider­rufs­be­am­ten auf das zu belas­ten­de Anrecht und nicht auf das Anrecht abzu­stel­len, das durch exter­ne Tei­lung nach § 16 Abs. 1 und 2 VersAus­glG in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung begrün­det wer­den wür­de.

Der Zeit­sol­dat im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Ein Ehe­gat­te, der am Ende der Ehe­zeit in einem Dienst­ver­hält­nis als Sol­dat auf Zeit steht, erwirbt eine alter­na­tiv aus­ge­stal­te­te Ver­sor­gungs­aus­sicht ent­we­der auf Nach­ver­si­che­rung in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung oder auf Dienst­zeit­an­rech­nung in einem Beam­ten­ver­hält­nis oder ver­gleich­ba­ren öffent­lich-recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis 1. Die­ses bei dem Dienst­herrn des Zeit­sol­da­ten bestehen­de Anrecht ist im Wege der exter­nen Tei­lung durch Begrün­dung von Anrech­ten in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus­zu­glei­chen (§ 16 Abs. 2 VersAus­glG) und mit dem Wert des Anspruchs auf Nach­ver­si­che­rung in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu bewer­ten (§ 44 Abs. 4 VersAus­glG).

Für die Fest­stel­lung der Art­gleich­heit der Anrech­te im Rah­men des § 18 Abs. 1 VersAus­glG ist aller­dings nicht auf das nach § 16 Abs. 2 VersAus­glG in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu begrün­den­de 2, son­dern auf das zu belas­ten­de Anrecht abzu­stel­len. Die gegen­tei­li­ge Ansicht lässt sich weder mit dem Wort­laut des § 18 Abs. 1 VersAus­glG noch mit der Sys­te­ma­tik des Geset­zes in Ein­klang brin­gen.

Nach § 18 Abs. 1 VersAus­glG soll das Fami­li­en­ge­richt "bei­der­sei­ti­ge Anrech­te glei­cher Art nicht aus­glei­chen", sofern die Dif­fe­renz ihrer Aus­gleichs­wer­te gering ist. Dies deu­tet schon begriff­lich dar­auf hin, dass die­je­ni­gen von den Ehe­gat­ten tat­säch­lich erwor­be­nen Anrech­te mit­ein­an­der zu ver­glei­chen sind, zu deren Las­ten der Wert­aus­gleich durch­ge­führt wer­den wür­de, wenn das Fami­li­en­ge­richt von der Mög­lich­keit des § 18 Abs. 1 VersAus­glG kei­nen Gebrauch macht. Es kommt hin­zu, dass sich § 16 Abs. 2 VersAus­glG, der den Aus­gleich der Ver­sor­gung eines Sol­da­ten auf Zeit durch Begrün­dung von Anwart­schaf­ten in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung anord­net, dazu ver­hält, wie der Wert­aus­gleich durch­zu­füh­ren ist. Die nach § 18 Abs. 1 VersAus­glG zu beur­tei­len­de Fra­ge, ob es aus bestimm­ten Bil­lig­keits­grün­den über­haupt zu einem Wert­aus­gleich durch Tei­lung des Anrechts kommt, ist der Fra­ge nach den Tei­lungs­mo­da­li­tä­ten auch sys­te­ma­tisch vor­ge­la­gert. Über­trägt man im Übri­gen den vom Beschwer­de­ge­richt ent­wi­ckel­ten Rechts­ge­dan­ken fol­ge­rich­tig auf ande­re Kon­stel­la­tio­nen der exter­nen Tei­lung, wür­de dies in den Fäl­len des § 15 Abs. 1 VersAus­glG zu dem unhalt­ba­ren Ergeb­nis füh­ren, dass die Bil­lig­keits­ent­schei­dung nach § 18 Abs. 1 VersAus­glG von der Wahl der Ziel­ver­sor­gung durch die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son abhän­gen könn­te.

Das von der Ehe­frau erwor­be­ne Anrecht in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und das von dem Ehe­mann erwor­be­ne, alter­na­tiv aus­ge­stal­te­te Ver­sor­gungs­an­recht als Sol­dat auf Zeit sind nicht gleich­ar­tig im Sin­ne von § 18 Abs. 1 VersAus­glG. Da die Ver­sor­gungs­aus­sicht des Ehe­man­nes mög­li­cher­wei­se in einer Dienst­zeit­an­rech­nung in einem Dienst­ver­hält­nis als Berufs­sol­dat oder in einem ande­ren öffent­lich­recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis mün­den wird, käme eine Anwen­dung von § 18 Abs. 1 VersAus­glG nur in Betracht, wenn auch ein Ver­sor­gungs­an­recht nach beam­ten­recht­li­chen Grund­sät­zen mit den gesetz­li­chen Ren­ten­an­rech­ten der Ehe­frau art­gleich wäre. Dies ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof inzwi­schen ent­schie­den hat, nicht der Fall, weil sich Anrech­te der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und Anrech­te der Beam­ten­ver­sor­gung sowohl in der Struk­tur und Finan­zie­rung als auch im Leis­tungs­spek­trum und in der Wert­ent­wick­lung wesent­lich von­ein­an­der unter­schei­den 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Janu­ar 2014 – XII ZB 366/​13

  1. BGH, Beschluss vom 02.10.2002 – XII ZB 76/​98 , Fam­RZ 2003, 29, 30 mwN[]
  2. so aber AG Hameln Fam­RZ 2012, 132 [Ls][]
  3. BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 211/​13, Fam­RZ 2013, 1636 Rn. 12 ff.[]