Der zurück­ge­wie­se­ne Arrest­an­trag in einer Fami­li­en­streit­sa­che

Gegen einen Beschluss, in dem ohne vor­he­ri­ge münd­li­che Ver­hand­lung ein Arrest­an­trag in einer Fami­li­en­streit­sa­che zurück­ge­wie­sen wird, ist die sofor­ti­ge Beschwer­de nach den ZPO-Vor­schrif­ten statt­haft.

Der zurück­ge­wie­se­ne Arrest­an­trag in einer Fami­li­en­streit­sa­che

Das Rechts­mit­tel der Antrag­stel­le­rin ist als sofor­ti­ge Beschwer­de gemäß § 119 Abs. 2 S. 2 FamFG i.V.m. § 567 Abs. 1 Nr. 2 ZPO statt­haft und auch im Übri­gen zuläs­sig. Ob gegen einen Beschluss, in dem ohne vor­he­ri­ge münd­li­che Ver­hand­lung ein Arrest­an­trag in einer Fami­li­en­streit­sa­che zurück­ge­wie­sen wird, die sofor­ti­ge Beschwer­de oder die Beschwer­de nach § 58 FamFG statt­haft ist, ist strei­tig.

Nach Auf­fas­sung der Ober­lan­des­ge­rich­te Mün­chen 1 und Karls­ru­he 2 ist die Beschwer­de nach § 58 FamFG gege­ben 3. Die­se Auf­fas­sung wird im Wesent­li­chen damit begrün­det, dass § 119 Abs. 2 S. 2 FamFG ledig­lich auf die Anwen­dung der Arrest­vor­schrif­ten §§ 916 bis 934 ZPO und §§ 943 bis 945 ZPO ver­wei­se, nicht aber auf die ZPO-Beschwer­de­re­ge­lung.

Die Gegen­an­sicht ent­nimmt dem Ver­weis auf die Arrest­vor­schrif­ten auch die Inbe­zug­nah­me der zivil­pro­zes­sua­len Rechts­mit­tel­vor­schrif­ten 4.

Das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg schließt sich der zuletzt genann­ten Rechts­an­sicht an. Der Gesetz­ge­ber woll­te mit dem FamFG die Fami­li­en­streit­sa­chen wei­ter­ge­hend den Ver­fah­rens­vor­schrif­ten der ZPO unter­stel­len als die übri­gen nicht­strei­ti­gen Fami­li­en­sa­chen 5. Das FamFG ord­net in § 119 Abs. 2 S. 2 die Gel­tung der zivil­pro­zes­sua­len Arrest­vor­schrif­ten für Fami­li­en­streit­sa­chen an. Es ist dabei nicht ersicht­lich, dass der Rechts­schutz im Arrest­ver­fah­ren abwei­chend von der zivil­pro­zes­sua­len Kon­zep­ti­on aus­ge­stal­tet wer­den soll­te 6. Wäre die Beschwer­de nach dem FamFG für den Antrag­stel­ler statt­haft, des­sen Antrag im schrift­li­chen Ver­fah­ren zurück­ge­wie­sen wur­de, könn­te das zu einem Hin und Her zwi­schen den ein­zel­nen Ver­fah­rens­ord­nun­gen füh­ren, näm­lich dann, wenn auf die Beschwer­de (nach dem FamFG) der bean­trag­te Arrest erlas­sen wird und der Schuld­ner dage­gen (nach dem Ver­fah­rens­recht der ZPO) Wider­spruch ein­legt.

Dar­über hin­aus ent­spricht die sofor­ti­ge Beschwer­de mit einer zwei­wö­chi­gen Beschwer­de­frist auch eher dem Eil­cha­rak­ter des Arrest­ver­fah­rens als die Beschwer­de nach § 58 FamFG, für die die Monats­frist gilt.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 22. Febru­ar 2012 – 13 UF 28/​12

  1. OLG Mün­chen, Fam­RZ 2011, 746[]
  2. OLG Karls­ru­he, Fam­RZ 2011, 234[]
  3. eben­so Keidel/​Weber, FamFG, 2. Aufl., § 119 Rn. 15. Musielak/​Borth, FamFG, 2. Aufl., § 119 Rn. 11[]
  4. Prütting/​Helms, FamFG, § 119 Rn.09. Schwon­berg in Schul­te-Bun­er­t/W­ein­rich, FamFG, 3. Aufl., §119 Rn.19. Dose, Einst­wei­li­ger Rechts­schutz in Fami­li­en­sa­chen, 3. Aufl., Rn. 440[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 28.09.2011 – XII ZB 2/​11, Fam­RZ 2011, 1933 ff., Rn.20 zur Anfech­tung iso­lier­ter Kos­ten­ent­schei­dun­gen in Ehe und Fami­li­en­streit­sa­chen[]
  6. so auch Schwon­berg in Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich, a.a.O.[]