Die abge­lehn­te Aus­set­zung eines fami­li­en­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens

Der Anfech­tung nach § 21 Abs. 2 FamFG unter­lie­gen sowohl Beschlüs­se, die eine Aus­set­zung des Ver­fah­rens anord­nen als auch sol­che Beschlüs­se, mit denen die von einem Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ange­reg­te oder bean­trag­te Aus­set­zung abge­lehnt wird.

Die abge­lehn­te Aus­set­zung eines fami­li­en­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens

Ob auch der Beschluss, mit dem ein Antrag zur Aus­set­zung abge­lehnt wird, nach § 21 Abs. 2 FamFG der Anfech­tung unter­liegt, kann dem Wort­laut der Vor­schrift nicht zwei­fels­frei ent­nom­men wer­den. § 21 Abs. 1 FamFG ver­hält sich aus­schließ­lich zur posi­ti­ven Aus­set­zungs­ent­schei­dung, wor­aus abge­lei­tet wer­den könn­te, dass auch die im fol­gen­den Absatz der Vor­schrift eröff­ne­te Anfech­tungs­mög­lich­keit nur gegen­über einer posi­ti­ven Aus­set­zungs­ent­schei­dung gel­ten soll. Gleich­wohl hält die über­wie­gen­de Auf­fas­sung in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur auch die Anfech­tung nega­ti­ver Aus­set­zungs­ent­schei­dun­gen nach § 21 Abs. 2 FamFG für mög­lich 1.

Der Bun­des­ge­richts­hof tritt der herr­schen­den Auf­fas­sung bei. Eine Beschrän­kung der Anfecht­bar­keit von Beschlüs­sen auf posi­ti­ve Aus­set­zungs­ent­schei­dun­gen hät­te zur (sys­tem­wid­ri­gen) Fol­ge, dass in Fami­li­en­sa­chen der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit einer­seits und in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen ande­rer­seits unter­schied­li­che Anfech­tungs­mög­lich­kei­ten gegen­über Aus­set­zungs­ent­schei­dun­gen der Gerich­te bestün­den, weil der in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen über die Ver­wei­sung in § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG anwend­ba­re § 252 ZPO aus­drück­lich auch die Anfech­tung von nega­ti­ven Aus­set­zungs­ent­schei­dun­gen ermög­licht. Zudem ent­spricht die Erstre­ckung des Anwen­dungs­be­reichs von § 21 Abs. 2 FamFG auf sol­che Ent­schei­dun­gen, mit denen die von einem Betei­lig­ten bean­trag­te Ver­fah­rens­aus­set­zung abge­lehnt wor­den ist, den erkenn­ba­ren Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers, der mit der Vor­schrift des § 21 Abs. 2 FamFG die zum alten Recht der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit all­ge­mein ver­tre­te­ne Auf­fas­sung zur Anfecht­bar­keit der Aus­set­zungs­ent­schei­dung auf­grei­fen woll­te 2. Unter der Gel­tung des alten Ver­fah­rens­rechts ent­sprach es indes­sen all­ge­mei­ner Ansicht, dass sowohl posi­ti­ve als auch nega­ti­ve Aus­set­zungs­ent­schei­dun­gen mit der Beschwer­de ange­grif­fen wer­den konn­ten 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Okto­ber 2012 – XII ZB 444/​11

  1. OLG Nürn­berg Fam­RZ 2010, 1462 f.; Keidel/​Sternal FamFG 17. Aufl. § 21 Rn. 32; Musielak/​Borth FamFG 3. Aufl. § 21 Rn. 5; Prütting/​AhnRoth FamFG 2. Aufl. § 21 Rn. 12; Bumiller/​Harders FamFG 10. Aufl. § 21 Rn. 5; a.A. Bur­schel in Beck­OK FamFG [Stand: 1.05.2012] § 21 Rn. 17[]
  2. vgl. BT-Drucks. 16/​6308, S. 184[]
  3. vgl. die in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs aus­drück­lich zitier­te Lite­ra­tur­mei­nung bei Keidel/​Kuntze/​WinklerKahl FGG 15. Aufl. § 19 Rn. 13[]