Die irr­tüm­lich beim Amts­ge­richt ein­ge­reich­te Beschwer­de­be­grün­dung

Hat der Beschwer­de­füh­rer die Begrün­dung sei­nes Rechts­mit­tels in einer Fami­li­en­streit­sa­che irr­tüm­lich beim Amts­ge­richt ein­ge­reicht, ist die­ses ledig­lich gehal­ten, die Begrün­dungs­schrift im ordent­li­chen Geschäfts­gang an das Rechts­mit­tel­ge­richt wei­ter­zu­lei­ten.

Die irr­tüm­lich beim Amts­ge­richt ein­ge­reich­te Beschwer­de­be­grün­dung

Auch wenn sich die Ver­fah­rens­ak­te noch beim Amts­ge­richt befin­det, muss die­ses nicht prü­fen, ob die Wei­ter­lei­tung beson­ders eil­be­dürf­tig ist. Es ist auch nicht gehal­ten, den Rechts­mit­tel­füh­rer tele­fo­nisch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er das Rechts­mit­tel beim fal­schen Gericht ein­ge­legt hat 1.

Das Ver­fah­rens­grund­recht auf wir­kungs­vol­len Rechts­schutz (Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. dem Rechts­staats­prin­zip) ver­bie­tet es den Gerich­ten, den Betei­lig­ten den Zugang zu einer in der Ver­fah­rens­ord­nung ein­ge­räum­ten Instanz in unzu­mut­ba­rer, aus Sach­grün­den nicht zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se zu erschwe­ren 2.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist das Aus­gangs­ge­richt nicht ver­pflich­tet, den Frist­ab­lauf zu prü­fen und den Schrift­satz sodann als beson­ders eilig oder sogar per Fax wei­ter­zu­lei­ten. Es besteht auch kei­ne Ver­pflich­tung des Amts­ge­richts, den Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten des Beschwer­de­füh­rers tele­fo­nisch über sei­nen Feh­ler zu infor­mie­ren 3. Wenn die Akte nach Wei­ter­lei­tung im ordent­li­chen Geschäfts­gang ver­fris­tet beim Beschwer­de­ge­richt ein­geht, liegt dies im Risi­ko­be­reich des Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, des­sen Rechts­an­walt den Schrift­satz an das fal­sche Gericht adres­siert hat 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Janu­ar 2017 – XII ZB 504/​15

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 27.07.2016 – XII ZB 203/​15 , Fam­RZ 2016, 1762[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – XII ZB 317/​14 , Fam­RZ 2015, 838 Rn. 5 mwN.[]
  3. BGH, Beschluss vom 27.07.2016 – XII ZB 203/​15 , Fam­RZ 2016, 1762 Rn. 13 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 27.07.2016 – XII ZB 203/​15 , Fam­RZ 2016, 1762 Rn. 14 mwN[]