Die Aus­kunfts­er­tei­lung über meh­re­re hun­dert Grund­stü­cke

Wie ist der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands bei der Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung zu bemes­sen, wenn die Aus­kunfts­pflicht die Erstel­lung einer Bestands­lis­te über meh­re­re hun­dert Grund­stü­cke erfor­dert?

Die Aus­kunfts­er­tei­lung über meh­re­re hun­dert Grund­stü­cke

Die­se Fra­ge stell­te sich dem Bun­des­ge­richts­hof in einem Ver­fah­ren um Kin­des­un­ter­halt, bei dem der unter­halts­pflich­ti­ge Vater nach eige­ner Dar­stel­lung Eigen­tü­mer von etwa 500 auf das gesam­te Land Bran­den­burg ver­teil­ten Split­ter­grund­stü­cken ist, vor allem in Form von Wald­flä­chen, die bis­lang nicht zusam­men­hän­gend erfasst sei­en, weil es für einen der­ar­ti­gen Auf­wand bis­her kei­nen Bedarf gege­ben habe.

Im Aus­gangs­punkt stellt der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf ab, dass für die Bemes­sung des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stan­des bei der Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunfts­er­tei­lung das Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers maß­ge­bend ist, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Abge­se­hen von dem Fall eines beson­de­ren Geheim­hal­tungs­in­ter­es­ses ist auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert [1].

In der Vor­in­stanz hat das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt [2] die Dar­stel­lung des Kinds­va­ters mit der Begrün­dung zurück­ge­wie­sen, es sei ohne nähe­re Erläu­te­rung nicht vor­stell­bar, dass er kei­nen Über­blick über den Bestand sei­ner Grund­stü­cke habe. Damit hat das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt aller­dings das Vor­brin­gen des Antrags­geg­ners unter Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs über­gan­gen. Denn eine Rechts­pflicht, ein Ver­zeich­nis über den eige­nen Grund­be­sitz stän­dig vor­rä­tig zu hal­ten, besteht nicht. Das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt zeigt auch nicht auf, aus wel­cher Ver­an­las­sung her­aus der Antrags­geg­ner über eine der­ar­ti­ge Auf­stel­lung ver­fü­gen müs­se.

Selbst wenn, wie das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt in Betracht zieht, meh­re­re Teil­auf­stel­lun­gen vor­lä­gen, die „ledig­lich zusam­men­ge­führt“ wer­den müss­ten, steht damit nicht fest, dass sämt­li­che Grund­stü­cke durch die gemut­maß­ten „Teil­auf­stel­lun­gen“ voll­stän­dig zum aktu­el­len Stand erfasst wer­den. Es müss­te daher dem Antrags­geg­ner zuge­stan­den wer­den, die aus den Teil­auf­stel­lun­gen gene­rier­te Gesamt­lis­te auf ihre Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit zu über­prü­fen. Denn die Aus­kunft, zu der er durch den Aus­gangs­be­schluss ver­pflich­tet wur­de, ist mit der erfor­der­li­chen Sorg­falt zu ertei­len.

Die Über­prü­fung der Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der aus mög­li­chen Teil­auf­stel­lun­gen gene­rier­ten Lis­te bedürf­te ihrer­seits eines ange­mes­se­nen Zeit­auf­wands. Die­sen hat der Antrags­geg­ner mit wenigs­tens zehn Minu­ten je Grund­stück ange­ge­ben, wenn er die Daten aus den vor­han­de­nen Grund­stücks­kauf­ver­trä­gen und beglei­ten­den Doku­men­ten ermit­telt, die­se auf spä­te­re Ver­än­de­run­gen wie etwa Grund­stücks­ver­ei­ni­gun­gen oder zuschrei­bun­gen über­prüft und dar­aus unter Berück­sich­ti­gung einer unter­stellt bereits vor­han­de­nen Teil­auf­stel­lung eine Tabel­le neu erstellt. Dass der ange­ge­be­ne Auf­wand von zehn Minu­ten je Grund­stück zu hoch ange­setzt sei, ist nicht ersicht­lich. Bei 500 Grund­stü­cken sum­mier­te sich der Gesamt­auf­wand auf über 83 Stun­den. Unter Zugrun­de­le­gung eines dem Ein­kom­men des Antrags­geg­ner ent­spre­chen­den Stun­den­sat­zes von 15 € sum­mier­te sich der Eigen­auf­wand auf weit über 600 €.

Gleich­wohl ver­moch­te der Bun­des­ge­richts­hof hier­über – und damit über die Zuläs­sig­keit der Beschwer­de – nicht abschlie­ßend zu ent­schei­den, da noch wei­te­re Fest­stel­lun­gen über den not­wen­di­gen Auf­wand zur Erstel­lung der Grund­stücks­lis­te erfor­der­lich sind.

Ins­be­son­de­re wird die vom Antrags­geg­ner behaup­te­te Not­wen­dig­keit, die Daten auf­wän­dig aus den vor­han­de­nen Grund­stücks­kauf­ver­trä­gen und beglei­ten­den Doku­men­ten zu ermit­teln, in tatrich­ter­li­cher Ver­ant­wor­tung noch dar­auf hin zu über­prü­fen sein, ob ihm nicht anstel­le einer auf­wän­di­gen Lis­ten­er­stel­lung aus eige­nen Unter­la­gen die Mög­lich­keit offen­steht, mit einem 600 € unter­schrei­ten­den Auf­wand eine Auf­lis­tung der in sei­nem Eigen­tum ste­hen­den Grund­stü­cke aus dem Amt­li­chen Lie­gen­schafts­ka­tas­ter­in­for­ma­ti­ons­sys­tem (ALKIS) der Lan­des­ver­mes­sung und Geo­ba­sis­in­for­ma­ti­on Bran­den­burg zu erlan­gen und die­se der von ihm geschul­de­ten Aus­kunft zugrun­de zu legen.

Der Hin­zu­zie­hung eines Steu­er­be­ra­ters bedarf es zur Erfül­lung der Aus­kunft aller­dings nicht. Die Kos­ten der Zuzie­hung einer sach­kun­di­gen Hilfs­per­son kön­nen bei der Bemes­sung des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stan­des näm­lich nur berück­sich­tigt wer­den, wenn sie zwangs­läu­fig ent­ste­hen, weil der Aus­kunfts­pflich­ti­ge zu einer sach­ge­rech­ten Aus­kunfts­er­tei­lung nicht in der Lage ist [3]. Davon ist im vor­lie­gen­den Fall schon des­halb nicht aus­zu­ge­hen, weil dem Antrags­geg­ner ledig­lich auf­ge­ge­ben wur­de, ein spe­zi­fi­zier­tes Ver­mö­gens­ver­zeich­nis vor­zu­le­gen. Soweit das Ver­mö­gen Gesell­schafts­be­tei­li­gun­gen umfasst, ver­langt das Ver­mö­gens­ver­zeich­nis nur deren Auf­nah­me als sol­che unter Bei­fü­gung der vor­han­de­nen Jah­res­ab­schlüs­se [4].

Über eine nach­träg­li­che Zulas­sung der Beschwer­de muss das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt dage­gen nicht ent­schei­den. Zwar hat nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs das Rechts­mit­tel­ge­richt bevor es das Rechts­mit­tel man­gels aus­rei­chen­der Beschwer ver­wer­fen darf eine Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beru­fung bzw. Beschwer­de nach­zu­ho­len, wenn das erst­in­stanz­li­che Gericht kei­ne Ver­an­las­sung gese­hen hat, die­se zuzu­las­sen, weil es von einer Beschwer der unter­le­ge­nen Par­tei aus­ge­gan­gen ist, die 600 € über­steigt [5]. Im vor­lie­gen­den Fall bestehen jedoch kei­ne aus­rei­chen­den Anhalts­punk­te dafür, dass das Amts­ge­richt von der Zuläs­sig­keit einer Beschwer­de gegen sei­ne Ent­schei­dung aus­ge­gan­gen ist [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Mai 2014 – XII ZB 487/​13

  1. BGH, Beschluss vom 22.01.2014 XII ZB 278/​13 FamRZ 2014, 644 Rn. 6 mwN[]
  2. OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 05.08.2013 – 13 UF 90/​13[]
  3. BGH, Beschluss vom 26.10.2005 XII ZB 25/​05 FamRZ 2006, 33, 34 und BGH, Urteil vom 11.07.2001 XII ZR 14/​00 FamRZ 2002, 666, 667[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 23.05.2012 XII ZB 594/​11 8[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 23.03.2011 XII ZB 436/​10 FamRZ 2011, 882 Rn. 14 mwN; und vom 28.03.2012 – XII ZB 323/​11 FamRZ 2012, 961 Rn. 6[]
  6. vgl. auch BGH, Beschluss vom 09.04.2014 – XII ZB 565/​13[]