Die Aus­kunfts­pflicht im Zuge­winn­aus­gleichs­ver­fah­ren – Streit­wert und Beschwer

Mit dem Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands bei einer Aus­kunfts­ver­pflich­tung in einer Zuge­winn­aus­gleichs­sa­che [1] hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befassen:

Die Aus­kunfts­pflicht im Zuge­winn­aus­gleichs­ver­fah­ren – Streit­wert und Beschwer

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in der Vor­in­stanz zur Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung aus­ge­führt, die Beschwer­de sei unzu­läs­sig, weil der nach § 61 Abs. 1 FamFG erfor­der­li­che Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands von mehr als 600 € nicht erreicht sei [2]. Bei einem Rechts­mit­tel gegen die Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung bemes­se sich die Beschwer des Rechts­mit­tel­füh­rers nach sei­nem Inter­es­se, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sei dabei auf den für die Ertei­lung der Aus­kunft not­wen­di­gen Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, wobei zur Bewer­tung des Zeit­auf­wands auf die Stun­den­sät­ze zurück­zu­grei­fen sei, die der Aus­kunfts­pflich­ti­ge als Zeu­ge im Zivil­pro­zess nach § 20 JVEG erhal­ten wür­de, wenn er mit der Ertei­lung der Aus­kunft weder eine berufs­ty­pi­sche Leis­tung erbrin­ge noch einen Ver­dienst­aus­fall erlei­de. Im vor­lie­gen­den Fall betra­ge der Zeit­auf­wand höchs­tens 20 Stun­den, was bei einem Stun­den­satz von 3, 50 € zu einem Wert von 70 € füh­re. Die Beschwer des Antrag­stel­lers erhö­he sich jedoch um sei­ne Auf­wen­dun­gen zur Abwehr einer unge­recht­fer­tig­ten Zwangs­voll­stre­ckung in Höhe von 240 €, weil die vom Amts­ge­richt titu­lier­te Ver­pflich­tung zur Beleg­vor­la­ge nicht voll­stre­ckungs­fä­hig sei. Ein wert­er­hö­hen­des Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se sei hin­ge­gen nicht dar­ge­legt. Schließ­lich füh­re auch der Zwi­schen­fest­stel­lungs­an­trag der Antrags­geg­ne­rin zu kei­ner wei­te­ren Beschwer, denn das Amts­ge­richt habe die­sen nicht beschieden.

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Dies steht im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bundesgerichtshofs.

Zutref­fend ist das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a. M. davon aus­ge­gan­gen, dass sich die Beschwer eines zur Aus­kunft ver­pflich­te­ten Betei­lig­ten grund­sätz­lich nach sei­nem Inter­es­se rich­tet, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen [3]. Zur Bewer­tung des erfor­der­li­chen Auf­wands an Zeit und Kos­ten für die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs grund­sätz­lich auf die Stun­den­sät­ze zurück­zu­grei­fen, die der Aus­kunfts­pflich­ti­ge als Zeu­ge in einem Zivil­pro­zess erhal­ten wür­de, wenn er mit der Ertei­lung der Aus­kunft weder eine berufs­ty­pi­sche Leis­tung erbringt noch einen Ver­dienst­aus­fall erlei­det [4].

Auch hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a. M. den auf ein Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se gerich­te­ten Vor­trag des Antrag­stel­lers im Beschwer­de­ver­fah­ren zu Recht als unschlüs­sig ange­se­hen. Ein sol­ches kann zwar im Ein­zel­fall für die Bemes­sung der Beschwer erheb­lich sein. Inso­weit muss der Rechts­mit­tel­füh­rer aber sein beson­de­res Inter­es­se, bestimm­te Tat­sa­chen geheim zu hal­ten, und den durch die Aus­kunfts­er­tei­lung dro­hen­den Nach­teil sub­stan­ti­iert dar­le­gen und erfor­der­li­chen­falls glaub­haft machen. Dazu gehört auch, dass gera­de in der Per­son des Aus­kunft Begeh­ren­den die Gefahr begrün­det sein muss, die­ser wer­de von den ihm gegen­über offen­bar­ten Tat­sa­chen über das Ver­fah­ren hin­aus in einer Wei­se Gebrauch machen, wel­che die schüt­zens­wer­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen des zur Aus­kunft Ver­pflich­te­ten gefähr­den könn­te. Allein die Beru­fung auf all­ge­mei­ne Belan­ge der Geheim­hal­tung und des Ver­trau­lich­keits­schut­zes ist nicht aus­rei­chend [5]. Nach die­sem Maß­stab fehlt es dem Vor­trag des Antrag­stel­lers im Beschwer­de­ver­fah­ren, wonach die Antrags­geg­ne­rin mit Kennt­nis der von ihr begehr­ten Ver­mö­gens­aus­künf­te sei­ne wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen zu gefähr­den ver­su­chen wür­de, an hin­rei­chend kon­kre­ten Anhalts­punk­ten für einen dem Antrag­stel­ler dro­hen­den Nach­teil. Auch mit ihrem wei­te­ren Vor­brin­gen begrün­det die Rechts­be­schwer­de kein beson­de­res Inter­es­se an der Geheimhaltung.

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Die vom Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a. M. berück­sich­tig­ten Kos­ten für die Abwehr einer unge­recht­fer­tig­ten Zwangs­voll­stre­ckung [6] sind für den Bun­des­ge­richts­hof von Rechts wegen auch nicht zu beanstanden.

Ohne Erfolg blieb vor dem Bun­des­ge­richts­hof auch die Rüge, das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a. M. habe bei der Bemes­sung der Beschwer außer Acht gelas­sen, dass das Amts­ge­richt nicht nur über den Aus­kunfts­an­trag, son­dern auch über den Zwi­schen­fest­stel­lungs­an­trag der Antrags­geg­ne­rin ent­schie­den habe. Viel­mehr erweist sich die vom Bun­des­ge­richts­hof unein­ge­schränkt zu über­prü­fen­de Aus­le­gung des OLG Frank­furt, wonach das Amts­ge­richt kei­ne sol­che Ent­schei­dung getrof­fen hat, als rich­tig. Wie die Rechts­be­schwer­de ein­räumt, weist die Beschluss­for­mel neben der Ver­pflich­tung des Antrag­stel­lers zur Aus­kunft nach ihrem Wort­laut kei­ner­lei fest­stel­len­den Inhalt auf. Auch unter ergän­zen­der Her­an­zie­hung von Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­grün­den des Beschlus­ses [7] ergibt sich hier nichts ande­res. Zwar hat das Amts­ge­richt im Rah­men einer inzi­den­ten Prü­fung eine Rechts­wahl im Ehe­ver­trag zuguns­ten des nie­der­län­di­schen Rechts als nicht wirk­sam ange­se­hen und auf die­ser Grund­la­ge einen Aus­kunfts­an­spruch aus § 1379 BGB bejaht. Zugleich hat es aber aus­ge­führt, eine Zwi­schen­fest­stel­lung über die­se Fra­ge sei „vor­lie­gend nicht angezeigt“.

Es begrün­det eben­falls kei­ne zusätz­li­che Beschwer, dass sich der Antrag­stel­ler mit sei­ner Beschwer­de nicht nur gegen sei­ne Ver­pflich­tung zur Aus­kunft, son­dern auch gegen die Begrün­dung des Amts­ge­richts gewen­det hat, wonach kei­ne wirk­sa­me Rechts­wahl zustan­de gekom­men ist. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist für die Bewer­tung des Beschwer­de­ge­gen­stands nur auf den unmit­tel­ba­ren Gegen­stand der Ent­schei­dung abzu­stel­len. Das dane­ben auch bestehen­de Ziel des zur Aus­kunft Ver­pflich­te­ten, den Haupt­an­spruch zu ver­hin­dern, geht dage­gen über das Ziel des Rechts­mit­tels hin­aus und ist daher bei der Wert­fest­set­zung nicht zu berück­sich­ti­gen [8]. Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a. M. hat hier­nach zu Recht kei­ne geson­der­te Beschwer im Hin­blick auf die Aus­füh­run­gen des Amts­ge­richts über die Wirk­sam­keit der Rechts­wahl angenommen.

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Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2020 – XII ZB 26/​20

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 08.07.2020 – XII ZB 334/​19 , FamRZ 2020, 1572[]
  2. OLG Frank­furt am Main, Beschluss vom 30.12.2019 – 3 UF 213/​19[]
  3. st. Rspr., vgl. etwa BGH, Beschluss vom 08.07.2020 – XII ZB 334/​19 , FamRZ 2020, 1572 Rn. 7 mwN; BGHZ GSZ 128, 85 = FamRZ 1995, 349, 350 f.[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 08.07.2020 – XII ZB 334/​19 , FamRZ 2020, 1572 Rn. 9 mwN[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 12.09.2018 – XII ZB 588/​17 , FamRZ 2018, 1934 Rn. 13 mwN[]
  6. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 08.07.2020 – XII ZB 334/​19 , FamRZ 2020, 1572 Rn. 11 mwN[]
  7. vgl. BGHZ 159, 66 = GRUR 2004, 755 mwN sowie BGH, Beschluss vom 11.07.2001 – XII ZR 270/​99 , FamRZ 2002, 1706, 1707 mwN[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 13.02.2019 – XII ZB 499/​18 , FamRZ 2019, 818 Rn. 10 mwN; BGHZ GSZ 128, 85 = FamRZ 1995, 349, 350 f.[]

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