Die im Aus­land geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe

Eine im Aus­land (hier: Süd­afri­ka) geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe unter­liegt kol­li­si­ons­recht­lich den für die ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft gel­ten­den Regeln.

Die im Aus­land geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe

Die von den Part­ne­rin­nen in Süd­afri­ka geschlos­se­ne civil uni­on (type mar­ria­ge) ist als ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft im Sin­ne von Art. 17 b EGBGB zu qua­li­fi­zie­ren.

Das Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt [1] hat die süd­afri­ka­ni­sche civil uni­on (type mar­ria­ge) nach süd­afri­ka­ni­schem Recht als Ehe ange­se­hen [2], was als zum Aus­lands­recht getrof­fe­ne Fest­stel­lung für das Rechts­be­schwer­de­ge­richt grund­sätz­lich bin­dend ist [3]. Des­sen unge­ach­tet hat sich das Beschwer­de­ge­richt an einer kol­li­si­ons­recht­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on der gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe als ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft nicht gehin­dert gese­hen. Dem stimmt der Bun­des­ge­richts­hof zu:

Wie eine nach Aus­lands­recht geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe im deut­schen Kol­li­si­ons­recht ein­zu­ord­nen ist, ist umstrit­ten. Nach einer in der Lite­ra­tur ver­tre­te­nen Auf­fas­sung ist die­se auch als Ehe im kol­li­si­ons­recht­li­chen Sin­ne zu betrach­ten, auf die Art. 13 EGBGB (unmit­tel­ba­re oder ent­spre­chen­de) Anwen­dung fin­de [4].

Dem­ge­gen­über wird eine im Aus­land geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe von der instanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung wie auch von der über­wie­gen­den Auf­fas­sung in der Lite­ra­tur als Lebens­part­ner­schaft im Sin­ne von Art. 17 b EGBGB qua­li­fi­ziert [5].

Die im Aus­land geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe ist mit der letzt­ge­nann­ten Auf­fas­sung als ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft zu qua­li­fi­zie­ren. Eine Gleich­set­zung der im Aus­land geschlos­se­nen gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe mit der Ehe im Sin­ne von Art. 13 EGBGB lie­fe sowohl der Sys­te­ma­tik als auch dem Sinn und Zweck der im deut­schen Kol­li­si­ons­recht getrof­fe­nen Rege­lung zuwi­der. Das zeigt sich beim für die Ehe nach deut­schem Ver­ständ­nis kon­sti­tu­ti­ven Merk­mal der Ver­schie­den­ge­schlecht­lich­keit [6]. Wür­de die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe nach Art. 13 EGBGB behan­delt, so wür­de das ent­ge­gen dem Norm­zweck des Art. 17 b EGBGB dazu füh­ren, dass die im Aus­land geschlos­se­ne Ehe in Deutsch­land von vorn­her­ein weder als Ehe noch als ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft Wir­kung ent­fal­ten könn­te. Da nach Art. 13 Abs. 1 EGBGB die Vor­aus­set­zun­gen der Ehe­schlie­ßung für jeden Ver­lob­ten dem Recht des Staa­tes unter­lie­gen, dem er ange­hört, wäre die im Aus­land zuläs­si­ger­wei­se unter Betei­li­gung eines oder einer Deut­schen geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe wegen der nach deut­schem Recht vor­aus­ge­setz­ten Ver­schie­den­ge­schlecht­lich­keit der Ehe­gat­ten stets unwirk­sam [7] und könn­te auch nicht (ersatz­wei­se) als ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft behan­delt wer­den.

Dass die­se Fol­ge nicht der Absicht des Gesetz­ge­bers ent­sprä­che, zeigt die in Art. 17 b EGBGB getrof­fe­ne Rege­lung. Art. 17 b EGBGB ist (sei­ner­zeit als Art. 17 a EGBGB) mit dem Lebens­part­ner­schafts­ge­setz durch das Gesetz zur Been­di­gung der Dis­kri­mi­nie­rung gleich­ge­schlecht­li­cher Gemein­schaf­ten vom 16.02.2001 [8] ein­ge­führt wor­den. Die Vor­schrift soll die Aner­ken­nung von im Aus­land geschlos­se­nen gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaf­ten gewähr­leis­ten und die­se ins­be­son­de­re durch die Anknüp­fung an das Regis­trie­rungs­sta­tut kol­li­si­ons­recht­lich absi­chern [9]. Dem­entspre­chend soll­te die Rege­lung alle aus­län­di­schen Arten recht­lich ver­fes­tig­ter gleich­ge­schlecht­li­cher Part­ner­schaf­ten einem wei­ten Begriff der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaf­ten unter­fal­len las­sen, wenn mit der Gleich­ge­schlecht­lich­keit der Part­ner und der Rechts­förm­lich­keit der Sta­tus­be­grün­dung die bei­den Grund­vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind [10].

Um zu ver­hin­dern, dass die im Aus­land geschlos­se­ne Part­ner­schaft im deut­schen Recht wei­ter­ge­hen­de Wir­kun­gen als die ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft nach der deut­schen Geset­zes­la­ge ent­fal­tet, hat der Gesetz­ge­ber die soge­nann­te Kap­pungs­gren­ze in Art. 17 b Abs. 4 EGBGB ein­ge­führt [11]. Die Rege­lung belegt, dass nach Aus­lands­recht wei­ter­ge­hen­de Wir­kun­gen der Part­ner­schaft einer Qua­li­fi­ka­ti­on als ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft im Sin­ne von Art. 17 b EGBGB nicht ent­ge­gen­ste­hen. Die ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft umfasst damit auch eine im Aus­land geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe. Bereits an der Ent­wick­lung der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft im deut­schen Recht zeigt sich zudem, dass die begriff­li­che Tren­nung der Lebens­part­ner­schaft von der Ehe eine weit­ge­hen­de inhalt­li­che Gleich­stel­lung bei­der Rechts­in­sti­tu­te nicht aus­schließt [12] und es daher auch nicht aus­schlag­ge­bend sein kann, wenn das beru­fe­ne Aus­lands­recht die recht­li­che Ver­bin­dung gleich­ge­schlecht­li­cher Lebens­part­ner als Ehe bezeich­net.

Auf­grund der gebo­te­nen funk­tio­na­len Betrach­tung [13] und wegen des sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hangs von Art. 13 EGBGB und Art. 17 b EGBGB ist fer­ner dar­auf Rück­sicht zu neh­men, dass eine im Aus­land geschlos­se­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe nicht nur hin­sicht­lich ihrer Wir­kun­gen, son­dern auch bezüg­lich der mate­ri­el­len Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zun­gen der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft als ihrem im deut­schen Recht gere­gel­ten Äqui­va­lent ent­spricht. Art. 17 b EGBGB ist somit im Fall der im Aus­land geschlos­se­nen gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe lex spe­cia­lis gegen­über Art. 13 EGBGB.

Zutref­fend ist dem­entspre­chend die von den Part­ne­rin­nen geschlos­se­ne civil uni­on im deut­schen Lebens­part­ner­schafts­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wor­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. April 2016 – XII ZB 15/​15

  1. KG, Beschluss vom 02.12.2014 – 1 W 562/​13, FamRZ 2015, 943[]
  2. eben­so Staudinger/​Mankowski BGB [2010] Art. 17 b Rn. 22 mwN; Scher­pe FPR 2010, 211, 212; Bueb in Rieck Aus­län­di­sches Fami­li­en­recht [Stand: Novem­ber 2015] Süd­afri­ka Die Ehe Ein­lei­tung; aA Coes­ter-Walt­jen IPRax 2016, 132, 134[]
  3. vgl. BGHZ 198, 14 = NJW 2013, 3656 Rn. 15 ff. mwN[]
  4. so Palandt/​Thorn BGB 75. Aufl. Art. 13 EGBGB Rn. 3; Röthel IPRax 2002, 496, 498 mwN; Gebauer/​Staudinger IPRax 2002, 275, 277; Kis­s­ner StAZ 2010, 119[]
  5. so bereits KG FamRZ 2011, 1525, 1526; OLG Zwei­brü­cken FamRZ 2011, 1526; OLG Mün­chen FamRZ 2011, 1526, 1527; vgl. auch BFH IPRax 2006, 287; VG Ber­lin StAZ 2010, 372, 373; Hen­rich FamRZ 2002, 137, 138; Bruns StAZ 2010, 187, 188; Staudinger/​Mankowski BGB [2010] Art. 17 b EGBGB Rn. 24; Münch­Komm-BGB/­Coes­ter 6. Aufl. Art. 17 b EGBGB Rn. 137 ff. mwN; Erman/​Hohloch BGB 14. Aufl. Art. 17 b Rn. 6; Hepting/​Dutta Fami­lie und Per­so­nen­stand 2. Aufl. Rn. III841 mwN; offen gelas­sen von OLG Köln FamRZ 2011, 563[]
  6. vgl. BVerfG FamRZ 1993, 1419; FamRZ 2008, 1593 Rn. 45; OLG Köln FamRZ 2011, 563; Staudinger/​Mankowski BGB [2010] Art. 17 b Rn. 24[]
  7. so kon­se­quent Röthel IPRax 2002, 496, 498[]
  8. BGBl. I S. 266[]
  9. vgl. BT-Drs. 14/​3751 S. 60; Wag­ner IPRax 2001, 281, 288 ff.; Staudinger/​Mankowski BGB [2010] Art. 17 b EGBGB Rn. 1[]
  10. vgl. Hen­rich FamRZ 2002, 137; Staudinger/​Mankowski BGB [2010] Art. 17 b EGBGB Rn. 26; Wag­ner IPRax 2001, 281, 288; juris­PK-BGB/­Gärt­ner/­Du­den [Stand: 7.12 2015] Art. 17 b Rn. 6, 13 mwN[]
  11. vgl. Staudinger/​Mankowski BGB [2010] Art. 17 b EGBGB Rn. 84; Bruns StAZ 2010, 187, 188[]
  12. vgl. BVerfG FamRZ 2013, 1103 Rn. 90 f.; Bömel­burg NJW 2012, 2753[]
  13. vgl. etwa Münch-KommBGB/­Coes­ter 6. Aufl. Art. 17 b EGBGB Rn. 10 mwN; Bruns StAZ 2010, 187, 188[]