Die Betreu­er­ver­gü­tung für den nicht umsatz­steu­er­pflich­ti­gen Berufs­be­treu­er

Ein Berufs­be­treu­er, der gemäß § 19 Abs. 1 UStG nicht umsatz­steu­er­pflich­tig ist, hat Anspruch auf den vol­len Stun­den­satz des § 4 Abs. 1 VBVG. Eine Kür­zung in Höhe der Umsatz­steu­er fin­det nicht statt.

Die Betreu­er­ver­gü­tung für den nicht umsatz­steu­er­pflich­ti­gen Berufs­be­treu­er

Bei der Berech­nung der Ver­gü­tung für einen nicht umsatz­steu­er­pflich­ti­gen Betreu­er ist die Umsatz­steu­er nicht aus den Stun­den­sät­zen des § 4 Abs. 1 VBVG her­aus zu rech­nen 1. Die­se Aus­le­gung folgt aus dem Wort­laut und dem Zweck von § 4 VBVG.

Nach § 4 Abs. 1 Satz 1 VBVG beträgt der Stun­den­satz des Berufs­be­treu­ers 27 €. Er erhöht sich gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG, wenn der Betreu­er über beson­de­re für die Betreu­ung nutz­ba­re Kennt­nis­se ver­fügt, die er durch eine bestimm­te Art der Aus­bil­dung erwor­ben hat. Mit die­sen Stun­den­sät­zen sind gemäß § 4 Abs. 2 Satz 1 VBVG auch die anläss­lich der Betreu­ung ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen sowie anfal­len­de Umsatz­steu­er mit abge­gol­ten.

Unter Berück­sich­ti­gung des mit der Ein­füh­rung der Pau­schal­ver­gü­tung für Berufs­be­treu­er ver­folg­ten Ziels, das Abrech­nungs­sys­tem zu ver­ein­fa­chen, ist § 4 Abs. 2 VBVG dahin zu ver­ste­hen, dass unab­hän­gig davon, ob und in wel­cher Höhe Auf­wen­dun­gen ent­stan­den sind oder Umsatz­steu­er ange­fal­len ist, stets der in § 4 Abs. 1 VBVG fest­ge­leg­te Stun­den­satz zu erstat­ten ist. Das ergibt sich für die Umsatz­steu­er dar­über hin­aus aus der Geset­zes­be­grün­dung des § 4 VBVG, wonach die Stun­den­sät­ze neben dem Ver­gü­tungs­an­spruch auch den Anspruch auf Erstat­tung der Umsatz­steu­er abgel­ten sol­len, "wenn eine sol­che erho­ben wird" 2. Dar­aus folgt, dass auch dann, wenn kei­ne Umsatz­steu­er anfällt, der vol­le Stun­den­satz des § 4 Abs. 1 VBVG zu ver­gü­ten ist.

Den dadurch ein­tre­ten­den Vor­teil für Berufs­be­treu­er, die kei­ne oder wie Betreu­ungs­ver­ei­ne nur eine gerin­ge­re Umsatz­steu­er zah­len, hat der Gesetz­ge­ber nicht nur gebil­ligt, son­dern für Betreu­ungs­ver­ei­ne sogar aus­drück­lich als geziel­te För­de­rung bezeich­net 2.

Die Ein­be­zie­hung der Umsatz­steu­er in die fes­ten Stun­den­sät­ze des § 4 Abs. 1 VBVG ver­stößt auch nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG.

Aus der unter­schied­lich hohen Umsatz­steu­er­pflicht ver­schie­de­ner Betreu­er­grup­pen folgt kei­ne unzu­läs­si­ge Ungleich­be­hand­lung, da die sich dar­aus erge­ben­de unter­schied­li­che Ver­gü­tung nicht auf § 4 VBVG, der gera­de einen ein­heit­li­chen Stun­den­satz fest­legt, zurück­zu­füh­ren ist, son­dern allein auf die Rege­lun­gen des Umsatz­steu­er­ge­set­zes 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. März 2013 – XII ZB 207/​12

  1. vgl. OLG Mün­chen Fam­RZ 2006, 1152; OLG Stutt­gart FGPrax 2007, 131; LG Fran­ken­thal Fam­RZ 2006, 1482; LG Mön­chen­glad­bach Fam­RZ 2006, 1229; Deinert/​Lütgens Die Ver­gü­tung des Betreu­ers 6. Aufl. Rn. 1858; Knit­tel Betreu­ungs­recht Stand 1.09.2012 § 4 VBVG Rn. 60; Jurgeleit/​Maier Betreu­ungs­recht 2. Aufl. § 4 VBVG Rn. 42; Münch­Komm-BGB/Frösch­le 6. Aufl. § 4 VBVG Rn. 30; aA AG Lud­wigs­ha­fen Fam­RZ 2006, 361; Zim­mer­mann Fam­RZ 2006, 1802, 1808[]
  2. BT-Drucks. 15/​4874 S. 31[][]
  3. BVerfG Fam­RZ 2009, 1123; OLG Mün­chen Fam­RZ 2006, 1152, 1153[]