Die ehe­ma­li­ge Ehe­woh­nung – und die Bemes­sung der Nut­zungs­ent­schä­di­gung

§ 1361b Abs. 3 Satz 2 BGB ist für den Zeit­raum des Getrennt­le­bens lex spe­cia­lis gegen­über den all­ge­mei­nen Gemein­schafts­re­ge­lun­gen der §§ 741 ff. BGB.

Die ehe­ma­li­ge Ehe­woh­nung – und die Bemes­sung der Nut­zungs­ent­schä­di­gung

Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob das bestehen­de Nut­zungs­recht ding­li­cher oder schuld­recht­li­cher Natur ist, und ob es bei­den Ehe­gat­ten gemein­sam zusteht oder nur einem von ihnen allein oder gemein­sam mit einem Drit­ten; denn die Nut­zungs­ent­schä­di­gung soll dem wei­chen­den Ehe­gat­ten eine Kom­pen­sa­ti­on für den Ver­lust des Woh­nungs­be­sit­zes und die damit ein­her­ge­hen­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le ermög­li­chen, und zugleich einen Aus­gleich dafür schaf­fen, dass nur noch der in der Woh­nung ver­blei­ben­de Ehe­gat­te deren wirt­schaft­li­che und tat­säch­li­che Nut­zun­gen zieht, die nach der ursprüng­li­chen Lebens­pla­nung bei­den Ehe­leu­ten gemein­sam zuste­hen soll­ten 1.

Die Nut­zungs­ent­schä­di­gung bemisst sich grund­sätz­lich nach der Höhe des hal­ben Miet­werts des frag­li­chen Objek­tes 2, der gege­be­nen­falls im Wege einer Schät­zung nach §§ 30 Abs. 1, 113 Abs. 1 FamFG, 287 Abs. 2 ZPO ermit­telt wer­den kann 3. Von dem Miet­wert nicht in Abzug zu brin­gen sind Kos­ten, die als ver­brauchs­ab­hän­gi­ge oder auch ver­brauchs­un­ab­hän­gi­ge Neben­kos­ten auf einen Mie­ter umge­legt wer­den könn­ten 4. Dem Ansatz des vol­len objek­ti­ven Miet­wer­tes steht es wei­ter­hin in der Regel nicht ent­ge­gen, dass die Ehe­woh­nung neben dem dar­in leben­den Ehe­gat­ten auch noch von den gemein­sa­men, Unter­halt bezie­hen­den Kin­dern genutzt wird, weil im Kin­des­un­ter­halt ein Anteil für die Wohn­kos­ten der Kin­der ent­hal­ten ist, der dem betreu­en­den Ehe­gat­ten zufließt 5; eine Nut­zungs­ent­schä­di­gung kann dage­gen wegen der Not­wen­dig­keit einer Ein­be­zie­hung der sons­ti­gen Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen den Mit­glie­dern der frü­he­ren Fami­lie umge­kehrt unbil­lig sein, wenn der aus­ge­zo­ge­ne Ehe­part­ner kei­nen oder nicht den vol­len Kin­des­un­ter­halt zahlt 6.

Der objek­ti­ve Miet­wert der Ehe­woh­nung ist aus­ge­hend von dem ent­spre­chen­den durch­schnitt­li­chen Qua­drat­me­ter­preis gemäß dem Markt­miet­spie­gel, der jeden­falls im Rah­men der ins­ge­samt zu tref­fen­den Bil­lig­keits­ent­schei­dung eine aus­rei­chen­de Schät­zungs­grund­la­ge dar­stellt, zu schät­zen.

Die­ser Miet­wert ver­min­dert sich nicht um die von der in der Woh­nungs ver­blie­be­nen Ehe­frau getra­ge­ne monat­li­che Betriebs­kos­ten­zah­lung, die auch für einen Mie­ter anfie­le; eben­so wenig redu­ziert er sich wegen der Mit­nut­zung der Woh­nung durch die gemein­sa­men Kin­der.

Von einem Ent­schä­di­gungs­an­spruch in Höhe des hälf­ti­gen Miet­wer­tes ist aller­dings noch die Dif­fe­renz zwi­schen den von dem aus der gemein­sa­men Ehe­woh­nung aus­ge­zo­ge­nen Ehe­mann für die dort ver­blie­be­ne Ehe­frau geleis­te­ten Unter­halts­be­trä­gen und dem Zahl­be­trag des Min­dest­un­ter­hal­tes abzu­zie­hen. Dar­auf, ob der Ehe­mann über­haupt in die­ser Höhe leis­tungs­fä­hig wäre, kommt es dabei nicht an; denn der Min­dest­un­ter­halt bil­det das Exis­tenz­mi­ni­mum der Kin­der, und die Ehe­frau hat man­gels aus­rei­chen­der Zah­lun­gen des Ehe­man­ness zwangs­läu­fig ergän­zen­de Auf­wen­dun­gen zu erbrin­gen.

Nach­dem die Tren­nungs­zeit mit dem Tag vor Ein­tritt der Rechts­kraft der Schei­dung endet 7, ist für die­sen Monat dem­ge­mäß eine tages­an­tei­li­ge Berech­nung vor­zu­neh­men.

Ober­lan­des­ge­richt Ros­tock, Beschluss vom 6. Sep­tem­ber 2016 – 10 UF 206/​15

  1. vgl. BGH Fam­RZ 2014, 460; sie­he auch Simon, Die Nut­zungs­ver­gü­tung nach § 1361 Abs. 3 BGB, NZFam 2014, 438[]
  2. vgl. Bam­ber­ger/Roth-Gehr­lein, Beck­OK BGB, Stand: 01.02.2016, § 745 Rn. 10 m. w. N.[]
  3. vgl. OLG Hamm Fam­RZ 2011, 481; OLG Bran­den­burg FÜR 2002, 145[]
  4. vgl. Her­ber­ger/M­ar­ti­ne­k/­Rüß­man­n/­Weth-Faber, juris­PK BGB, 7. Aufl., 2014, § 1361b Rn. 59[]
  5. vgl. OLG Bre­men Fam­RZ 2010, 1980[]
  6. vgl. OLG Olden­burg, Beschluss vom 23.08.1989, Az.: 11 WF 113/​89[]
  7. vgl. zum Tren­nungs­un­ter­halt Wend­l/Do­se-Bömel­burg, Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis, 9. Aufl., 2015, § 4 Rn. 82 m. w. N.[]