Die geschei­ter­te Lebens­ge­mein­schaft – und der Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge einer Schen­kung

Nach dem Schei­tern einer Lebens­ge­mein­schaft kön­nen Schen­kun­gen u.U. wegen Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge zurück­ge­for­dert wer­den. Das gilt auch für Schen­kun­gen der Eltern eines der Lebens­ge­fähr­ten.

Die geschei­ter­te Lebens­ge­mein­schaft – und der Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge einer Schen­kung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall waren die Klä­ge­rin und ihr Ehe­mann die Eltern der ehe­ma­li­gen Lebens­ge­fähr­tin des Beklag­ten; die nicht­ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaft der Toch­ter mit dem Beklag­ten bestand seit 2002. Im Jahr 2011 kauf­ten die Toch­ter der Klä­ge­rin und der Beklag­te eine Immo­bi­lie zum gemein­sa­men Woh­nen. Die Klä­ge­rin und ihr Ehe­mann wand­ten ihnen zur Finan­zie­rung Beträ­ge von ins­ge­samt 104.109,10 € zu. Ende Febru­ar 2013 trenn­ten sich die Toch­ter der Klä­ge­rin und der Beklag­te. Die Klä­ge­rin ver­langt vom Beklag­ten die Hälf­te der zuge­wand­ten Beträ­ge zurück. Sie hat die­ses Begeh­ren in ers­ter Linie auf eine Dar­le­hens­ab­re­de gestützt; hilfs­wei­se hat sie sich den Vor­trag des Beklag­ten zu eigen gemacht, die Zuwen­dun­gen sei­en unent­gelt­lich erfolgt.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Pots­dam hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben 1; die Beru­fung des Beklag­ten ist vor dem Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt im Wesent­li­chen erfolg­los geblie­ben 2. Das Ober­lan­des­ge­richt hat auf der Grund­la­ge des Vor­trags des Beklag­ten einen Anspruch der Klä­ge­rin wegen eines Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge für begrün­det gehal­ten. Mit der Auf­lö­sung der nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft hät­ten sich Umstän­de schwer­wie­gend ver­än­dert, von denen die Ver­trags­par­tei­en der Schen­kung gemein­sam aus­ge­gan­gen sei­en. Den Zuwen­dun­gen habe die Vor­stel­lung zugrun­de gele­gen, die Bezie­hung zwi­schen der Toch­ter der Klä­ge­rin und dem Beklag­ten wer­de lebens­lan­gen Bestand haben. Mit der Tren­nung, die kur­ze Zeit nach der Schen­kung erfolgt sei, sei die­se Geschäfts­grund­la­ge weg­ge­fal­len, und der Klä­ge­rin sei ein Fest­hal­ten an der Schen­kung nicht zuzu­mu­ten. Da die Toch­ter der Klä­ge­rin jedoch min­des­tens vier Jah­re in der gemein­sa­men Wohn­im­mo­bi­lie gewohnt habe, habe sich der mit der Schen­kung ver­folg­te Zweck teil­wei­se ver­wirk­licht. Die­se Zweck­er­rei­chung sei in Rela­ti­on zur erwar­te­ten Gesamt­dau­er der Lebens­ge­mein­schaft zu set­zen. Dem­nach habe der Beklag­te 91,6 % sei­nes hälf­ti­gen Anteils an den Zuwen­dun­gen, d.h. 47.040,77 €, zurück­zu­zah­len.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Beur­tei­lung des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts im Ergeb­nis gebil­ligt und die Revi­si­on des Beklag­ten zurück­ge­wie­sen:

Wie bei jedem Ver­trag kön­nen auch dem Schen­kungs­ver­trag Vor­stel­lun­gen eines oder bei­der Ver­trags­part­ner vom Bestand oder künf­ti­gen Ein­tritt bestimm­ter Umstän­de zugrun­de lie­gen, die nicht Ver­trags­in­halt sind, auf denen der Geschäfts­wil­le jedoch gleich­wohl auf­baut. Deren schwer­wie­gen­de Ver­än­de­rung kann daher wegen Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge eine Anpas­sung des Ver­tra­ges oder gar das Recht eines oder bei­der Ver­trags­part­ner erfor­dern, sich vom Ver­trag zu lösen (§ 313 Abs. 1 BGB).

Bei der Prü­fung, was im Ein­zel­fall Geschäfts­grund­la­ge eines Schen­kungs­ver­trags ist, ist aller­dings zu berück­sich­ti­gen, dass der Schen­kungs­ver­trag kei­nen Ver­trag dar­stellt, bei dem Leis­tung und Gegen­leis­tung aus­ge­tauscht wer­den. Der Schen­kungs­ver­trag ist viel­mehr durch das Ver­spre­chen einer ein­sei­ti­gen unent­gelt­li­chen Zuwen­dung gekenn­zeich­net, mit der der Schen­ker einen Ver­mö­gens­ge­gen­stand weg­gibt und dem Beschenk­ten soweit die Schen­kung nicht unter einem Vor­be­halt oder einer Bedin­gung oder mit einer Auf­la­ge erfolgt die­sen Gegen­stand zur frei­en Ver­fü­gung über­lässt. Der Beschenk­te schul­det kei­ne Gegen­leis­tung; er "schul­det" dem Schen­ker nur Dank für die Zuwen­dung, und der Schen­ker kann das Geschenk zurück­for­dern, wenn der Beschenk­te die­se Dank­bar­keit in beson­de­rem Maße ver­mis­sen lässt und sich durch eine schwe­re Ver­feh­lung gegen­über dem Schen­ker als grob undank­bar erweist (§ 530 Abs. 1 BGB).

Bei der Schen­kung eines Grund­stücks oder zu des­sen Erwerb bestimm­ter Geld­be­trä­ge an das eige­ne Kind und des­sen Part­ner hegt der Schen­ker typi­scher­wei­se die Erwar­tung, die Immo­bi­lie wer­de von den Beschenk­ten zumin­dest für eini­ge Dau­er gemein­sam genutzt. Dies erlaubt jedoch noch nicht die Annah­me, Geschäfts­grund­la­ge der Schen­kung sei die Vor­stel­lung, die gemein­sa­me Nut­zung der Immo­bi­lie wer­de erst mit dem Tod eines Part­ners enden. Denn mit einem Schei­tern der Bezie­hung muss der Schen­ker rech­nen, und die Fol­gen für die Nut­zung des Geschenks gehö­ren zu dem ver­trag­lich über­nom­me­nen Risi­ko einer frei­gie­bi­gen Zuwen­dung, deren Behal­ten­dür­fen der Beschenk­te nicht recht­fer­ti­gen muss.

Im Streit­fall beruht die Fest­stel­lung des Beru­fungs­ge­richts, die Zuwen­dung sei in der Erwar­tung erfolgt, die Bezie­hung zwi­schen der Toch­ter der Klä­ge­rin und dem Beklag­ten wer­de andau­ern und das zu erwer­ben­de Grund­ei­gen­tum wer­de die "räum­li­che Grund­la­ge" des wei­te­ren, nicht nur kurz­fris­ti­gen Zusam­men­le­bens der Part­ner bil­den, auf einer recht­lich mög­li­chen Wür­di­gung des Sach­vor­trags der Par­tei­en. Die­se Geschäfts­grund­la­ge der Schen­kung ist weg­ge­fal­len, nicht weil die Bezie­hung kein Leben lang gehal­ten hat, son­dern weil sich die Toch­ter der Klä­ge­rin und der Beklag­te schon weni­ger als zwei Jah­re nach der Schen­kung getrennt haben und sich die für die Grund­stücks­schen­kung kon­sti­tu­ti­ve Annah­me damit als unzu­tref­fend erwie­sen hat, die Part­ner wür­den die Lebens­ge­mein­schaft nicht ledig­lich für kur­ze Zeit fort­set­zen.

In einem sol­chen Fall ist die Annah­me gerecht­fer­tigt, dass die Schen­kung nicht erfolgt wäre, wäre für die Schen­ker das als­bal­di­ge Ende die­ses Zusam­men­le­bens erkenn­bar gewe­sen. Dann kann dem Schen­ker regel­mä­ßig nicht zuge­mu­tet wer­den, sich an der Zuwen­dung fest­hal­ten las­sen zu müs­sen, und ist dem Beschenk­ten, wenn nicht beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, sei­ner­seits zuzu­mu­ten, das Geschenk zurück­zu­ge­ben. Da es regel­mä­ßig fern­liegt, dass der Schen­ker die Höhe des Geschenks um eine bestimm­te Quo­te ver­min­dert hät­te, wenn er die tat­säch­li­che Dau­er der Lebens­ge­mein­schaft vor­aus­ge­se­hen hät­te, kommt die "Berech­nung" eines an einer sol­chen Quo­te ori­en­tier­ten Rück­zah­lungs­an­spruchs, wie sie das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt vor­ge­nom­men hat, grund­sätz­lich nicht in Betracht. Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall wirk­te sich dies aller­dings nicht aus, da nur der Beklag­te ein Rechts­mit­tel gegen das Beru­fungs­ur­teil ein­ge­legt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Juni 2019 – X ZR 107/​16

  1. LG Pots­dam, Urteil vom 20.08.2015 – 2 O 166/​14[]
  2. OLG Bran­den­burg, Urteil vom 26.10.2016 – 4 U 159/​15[]