Die Kopier­kos­ten eines Ver­fah­rens­pfle­gers

Kann der Ver­fah­rens­pfle­ger die ihm ent­stan­de­nen Kopier­kos­ten nicht kon­kret dar­le­gen, kann das Gericht die Höhe der erstat­tungs­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen schät­zen. Fer­tigt ein zum Ver­fah­rens­pfle­ger bestell­ter Rechts­an­walt für die Füh­rung der Ver­fah­rens­pfleg­schaft erfor­der­li­che Foto­ko­pi­en auf einem in sei­nem Büro vor­han­de­nen Foto­ko­pier­ge­rät, kann auf die Doku­men­ten­pau­scha­le in Nr. 7000 Nr. 1 VV RVG als Schätz­grund­la­ge zurück­ge­grif­fen wer­den.

Die Kopier­kos­ten eines Ver­fah­rens­pfle­gers

Gemäß § 277 Abs. 1 Satz 1 FamFG iVm §§ 1835 Abs. 1 Satz 1, 670 BGB kann der Ver­fah­rens­pfle­ger Ersatz der Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen, die er den Umstän­den nach für erfor­der­lich hal­ten durf­te. Hier­zu zäh­len auch die Kos­ten, die ihm im Rah­men sei­ner Tätig­keit für die Erstel­lung von Foto­ko­pi­en ent­stan­den sind 1. Kann der Ver­fah­rens­pfle­ger die hier­für ange­fal­le­nen Kos­ten nicht kon­kret dar­le­gen, weil er – wie im vor­lie­gen­den Fall – die Kopi­en in sei­nem Büro unter Ver­wen­dung eines eige­nen Kopier­ge­rä­tes ange­fer­tigt hat, wer­den in der Recht­spre­chung und im Schrift­tum unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen dazu ver­tre­ten, in wel­cher Höhe Foto­ko­pier­kos­ten zu erstat­ten sind. Teil­wei­se wird ein Pau­schal­be­trag von 0,15 € für jede ange­fer­tig­te Kopie für ange­mes­sen gehal­ten 2. Nach ande­rer Ansicht sind ent­spre­chend § 7 Abs. 2 JVEG 0,50 € für jede der ers­ten 50 Foto­ko­pi­en und für jede wei­te­re 0,15 € zu erstat­ten 3.

Wird im Ergeb­nis ent­spre­chend der letzt­ge­nann­ten Auf­fas­sung der Auf­wand, der dem Ver­fah­rens­pfle­ger durch die Fer­ti­gung der Kopi­en ent­stan­den ist, pau­schal auf 0,50 € pro Kopie geschätzt, so ist hier­ge­gen für den Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch eines anwalt­li­chen Ver­fah­rens­pfle­gers, der aus Anlass der ihm über­tra­ge­nen Ver­fah­rens­pfleg­schaft Kopi­en auf einem in sei­ner Kanz­lei vor­han­de­nen Kopier­ge­rät fer­tigt, aus Rechts­grün­den nichts zu erin­nern.

Aller­dings kann für die Höhe der ersatz­fä­hi­gen Kopier­kos­ten nicht auf § 7 Abs. 2 Satz 1 JVEG abge­stellt wer­den. Der in einem Betreu­ungs­ver­fah­ren gericht­lich bestell­te Ver­fah­rens­pfle­ger wird vom per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich des § 1 Abs. 1 JVEG nicht erfasst. Auch eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 7 Abs. 2 Satz 1 JVEG schei­det aus, weil es an der für eine Ana­lo­gie not­wen­di­gen Rege­lungs­lü­cke fehlt.

Bis zum Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Ände­rung des Betreu­ungs­rechts sowie wei­te­rer Vor­schrif­ten (Betreu­ungs­rechts­än­de­rungs­ge­setz – BtÄndG) vom 25.06.1998 4 am 1.01.1999 erklär­te § 1835 Abs. 4 Satz 2 BGB die Vor­schrif­ten über das Ver­fah­ren bei der Ent­schä­di­gung von Zeu­gen hin­sicht­lich ihrer baren Aus­la­gen für sinn­ge­mäß anwend­bar. Dar­aus wur­de ver­ein­zelt geschlos­sen, dass über die­se Ver­wei­sung auch die­je­ni­gen Vor­schrif­ten des Geset­zes über die Ent­schä­di­gung von Zeu­gen und Sach­ver­stän­di­gen anwend­bar sei­en, die mate­ri­el­le Rege­lun­gen über die Höhe der erstat­tungs­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen tref­fen 5. Mit der Neu­fas­sung des § 1835 BGB und ins­be­son­de­re der Bezug­nah­me auf § 9 ZSEG für den Ersatz von Fahrt­kos­ten durch das Betreu­ungs­rechts­än­de­rungs­ge­setz soll­te die bis­he­ri­ge unschar­fe Ver­wei­sung in § 1835 Abs. 4 Satz 2 BGB a. F. durch eine kla­re, auf den Ersatz von Fahrt­kos­ten begrenz­te Rege­lung ersetzt wer­den 6. Die­se gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung, für den erstat­tungs­fä­hi­gen Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch des Vor­munds neben § 9 ZSEG nicht auf wei­te­re Bestim­mun­gen die­ses Geset­zes zu ver­wei­sen, kann nicht durch eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 7 Abs. 2 JVEG, der seit dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des Kos­ten­rechts vom 05.05.2004 7 die Rege­lung des § 11 ZSEG ersetzt, umgan­gen wer­den.

Die Höhe der dem Ver­fah­rens­pfle­ger zu erset­zen­den Kopier­kos­ten ist dem­nach gesetz­lich nicht fest­ge­legt, ins­be­son­de­re nicht auf bestimm­te Beträ­ge beschränkt. Viel­mehr sind die Kos­ten nach Auf­wand zu erset­zen.

Kann der Ver­fah­rens­pfle­ger die ihm ent­stan­de­nen Kopier­kos­ten nicht kon­kret dar­le­gen, kann das Gericht die Höhe der erstat­tungs­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen schät­zen, wenn eine aus­rei­chen­de Schätz­grund­la­ge vor­han­den ist 8. Es wäre ein unver­hält­nis­mä­ßi­ger Auf­wand, müss­te ein Ver­fah­rens­pfle­ger, der über ein eige­nes Kopier­ge­rät ver­fügt, die für die Fer­ti­gung einer Foto­ko­pie rele­van­ten Kos­ten (z.B. Anschaf­fungs­kos­ten und Lebens­dau­er des Geräts, Auf­wand an Toner und Papier) kon­kret dar­le­gen 9.

Kei­ne Beden­ken bestehen dage­gen, bei der im Rah­men des § 670 BGB gebo­te­nen Schät­zung der einem zum Ver­fah­rens­pfle­ger bestell­ten Rechts­an­walt zu erstat­ten­den Kopier­kos­ten auf die Doku­men­ten­pau­scha­le nach Num­mer 7000 Nr. 1 des Ver­gü­tungs­ver­zeich­nis­ses zu § 2 Abs. 2 RVG (im Fol­gen­den Nr. 7000 Nr. 1 VV RVG) abzu­stel­len.

Für die not­wen­di­ge Schät­zung bie­tet die Höhe der Doku­men­ten­pau­scha­le in Nr. 7000 Nr. 1 VV RVG eine trag­fä­hi­ge Grund­la­ge. Die dort vor­ge­se­he­ne Pau­scha­le von 0,50 € für die ers­ten 50 Kopi­en über­steigt zwar die Kos­ten, die bei der Fer­ti­gung von Kopi­en bei­spiels­wei­se in einem Copy­shop ent­ste­hen. Sie berück­sich­tigt jedoch die markt­üb­li­chen Durch­schnitts­prei­se für die Fer­ti­gung von Kopi­en, erhöht um die antei­li­gen Gemein­kos­ten des Erstat­tungs­be­rech­tig­ten 10. Mit ihr sol­len neben den rei­nen Mate­ri­al­kos­ten auch alle wei­te­ren mit der Fer­ti­gung der Kopi­en ver­bun­de­nen Auf­wen­dun­gen abge­gol­ten wer­den 11. Hin­zu kommt, dass außer in Nr. 7000 VV RVG inzwi­schen in allen gesetz­li­chen Kos­ten­re­ge­lun­gen für die Fer­ti­gung der ers­ten 50 Kopi­en ein erstat­tungs­fä­hi­ger Pau­schal­be­trag von 0,50 € für jede Kopie vor­ge­se­hen ist 12.

Mit der in Nr. 7000 Nr. 1 VV RVG ent­hal­te­nen Doku­men­ten­pau­scha­le steht damit ein brauch­ba­rer Ori­en­tie­rungs­maß­stab zur Ver­fü­gung, der die einem zum Ver­fah­rens­pfle­ger bestell­ten Rechts­an­walt bei der Fer­ti­gung von Kopi­en in sei­ner Kanz­lei ent­ste­hen­den Kos­ten ange­mes­sen abbil­det und daher als Grund­la­ge für die im Rah­men des Erstat­tungs­an­spruchs nach § 277 Abs. 1 Satz 1 FamFG iVm §§ 1835 Abs. 1 Satz 1, 670 BGB erfor­der­li­che Schät­zung her­an­ge­zo­gen wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Dezem­ber 2013 – XII ZB 159/​12

  1. Münch­Komm-FamFG/­Schmidt-Rec­la 2. Aufl. § 277 Rn. 5[]
  2. OLG Dres­den VersR 2001, 492, 493; OLG Zwei­brü­cken Fam­RZ 2001, 864; BayO­bLG NJWE-FER 2001, 292; Dodegge/​Roth Betreu­ungs­recht 3. Aufl. Teil F Rn. 15; Knit­tel Betreu­ungs­recht [März 2013] § 1835 BGB Rn. 30; Bamberger/​Roth/​Bettin BGB 4. Aufl. § 1835 Rn. 4; Deinert/​Lütgens Die Ver­gü­tung des Betreu­ers 5. Aufl. Rn. 219[]
  3. LG Koblenz Fam­RZ 2001, 114; HKBUR/​Bauer/​Deinert [Dezem­ber 2012] § 1835 BGB Rn. 34 a; Jürgens/​Jürgens Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 1835 BGB Rn. 9[]
  4. BGBl. I S. 1580[]
  5. so etwa Palandt/​Diederichsen BGB 55. Aufl. § 1835 Rn.19[]
  6. vgl. BT-Drs.-. 13/​7158 S. 22[]
  7. BGBl. I S. 718[]
  8. Prütting/​Helms/​Fröschle FamFG 2. Aufl. § 277 FamFG Rn.19[]
  9. vgl. BayO­bLG NJWE-FER 2001, 292[]
  10. vgl. BT-Drs.-. 15/​1971 S. 181[]
  11. vgl. Meyer/​Höver/​Bach Die Ver­gü­tung und Ent­schä­di­gung von Sach­ver­stän­di­gen, Zeu­gen, Drit­ten und von ehren­amt­li­chen Rich­tern nach dem JVEG 25. Aufl. § 7 JVEG Rn.07.20; Schnei­der JVEG § 7 Rn. 28[]
  12. vgl. Nr. 9000 Nr. 1 der Anla­ge 1 zu § 3 Abs. 2 [KV GKG], Nr.2000 Nr. 1 der Anla­ge zu § 4 Absatz 1 JVKostG, Nr. 31000 der Anla­ge 1 zu § 3 Absatz 2 [KV GNot­KG] und § 7 Abs. 2 JVEG[]