Die nicht ange­foch­te­ne Vater­schaft – und die Kon­kur­renz gleich­ran­gi­ger Ansprü­che auf Kin­des­un­ter­halt

Bei der Kon­kur­renz gleich­ran­gi­ger Ansprü­che auf Kin­des­un­ter­halt kommt es allein auf die recht­li­che Abstam­mung des unter­halts­be­rech­tig­ten Kin­des vom Unter­halts­pflich­ti­gen an. Ob ein recht­li­ches Kind auch leib­li­ches Kind des Unter­halts­pflich­ti­gen ist, ist hier­für uner­heb­lich. Den Unter­halts­pflich­ti­gen trifft kei­ne unter­halts­recht­li­che Oblie­gen­heit zur Anfech­tung der Vater­schaft.

Die nicht ange­foch­te­ne Vater­schaft – und die Kon­kur­renz gleich­ran­gi­ger Ansprü­che auf Kin­des­un­ter­halt

Der Unter­halts­an­spruch des (nur) recht­li­chen Kin­des gemäß § 1601 BGB ist dem Unter­halt der (auch) leib­li­chen Abkömm­lin­ge nach § 1609 Nr. 1 BGB gleich­ran­gig und mit­hin im Rah­men der Leis­tungs­fä­hig­keit nach § 1603 Abs. 1 BGB grund­sätz­lich als sons­ti­ge Ver­pflich­tung zu berück­sich­ti­gen.

Für das von § 1601 BGB vor­aus­ge­setz­te Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis in gera­der Linie kommt es auf die recht­li­che Abstam­mung gemäß §§ 1589 ff. BGB an [1]. Die Vater­schaft des Vaters zu dem Kind J. ergibt sich mit­hin aus § 1592 Nr. 1 BGB, da er mit der Kin­des­mut­ter zum Zeit­punkt der Geburt ver­hei­ra­tet war. Dem­entspre­chend kön­nen sich ande­re Unter­halts­be­rech­tig­te wie auch der Unter­halts­pflich­ti­ge im Fal­le der nicht recht­zei­ti­gen Anfech­tung der Vater­schaft nicht auf die feh­len­de leib­li­che Vater­schaft beru­fen, selbst wenn die­se unstrei­tig ist. Der Hin­weis, dass der Bun­des­ge­richts­hof in der Ver­gan­gen­heit in ande­ren Zusam­men­hän­gen Durch­bre­chun­gen der Rechts­aus­übungs­sper­re nach § 1600 d Abs. 4 BGB zuge­las­sen hat, führt hier schon des­halb nicht wei­ter, weil in die­sen Fäl­len die Vater­schaft wirk­sam ange­foch­ten wor­den war [2], was hier indes nicht der Fall ist.

Den Vater traf auch kei­ne unter­halts­recht­li­che Oblie­gen­heit zur Anfech­tung der Vater­schaft. Grund­sätz­lich stellt die Auf­recht­erhal­tung der recht­li­chen Vater­schaft eine per­sön­li­che Ent­schei­dung des Unter­halts­pflich­ti­gen dar, die nicht zuletzt im Inter­es­se des Kin­des zu bil­li­gen und von kon­kur­rie­ren­den Unter­halts­be­rech­tig­ten hin­zu­neh­men ist. Dass der Vater sich zur Anfech­tung der Vater­schaft ent­schloss, die­se aber wegen Ver­säu­mung der Anfech­tungs­frist nicht mehr mög­lich war, ändert dar­an nichts. Denn der Fort­be­stand sei­ner recht­li­chen Vater­schaft führt dazu, dass er sei­nem nur recht­li­chen Kind J. in vol­lem Umfang unter­halts­pflich­tig geblie­ben ist. Da es sich um eine recht­lich voll­wer­ti­ge Eltern­schaft han­delt, stellt sich die Auf­recht­erhal­tung der Vater­schaft ver­gleich­bar mit der erst­ma­li­gen Begrün­dung der Eltern­schaft durch Aner­ken­nung oder im Wege der Adop­ti­on [3] als ein auch von den ande­ren (leib­li­chen) Kin­dern zu akzep­tie­ren­der Umstand dar. Wel­che Moti­va­ti­on für die Auf­recht­erhal­tung der Vater­schaft bestand oder ob die­se allein auf Nach­läs­sig­keit beruh­te, spielt hier­für kei­ne Rol­le, weil den Vater in jedem Fall die mit der recht­li­chen Vater­schaft ver­bun­de­ne vol­le unter­halts­recht­li­che Ver­ant­wor­tung für das Kind J. trifft.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Janu­ar 2020 – XII ZB 580/​18

  1. Staudinger/​Klinkhammer BGB [2018] § 1601 Rn. 7[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 11.01.2012 – XII ZR 194/​09 FamRZ 2012, 437 Rn. 29 ff.[]
  3. vgl. inso­weit BGH, Urteil vom 28.01.2009 – XII ZR 119/​07 FamRZ 2009, 579 Rn. 38 mwN[]