Die nicht unter­zeich­ne­te Beschwer­de­schrift

Der Form­man­gel der feh­len­den Unter­zeich­nung der Beschwer­de­schrift kann bis zum Ablauf der Beschwer­de­frist beho­ben wer­den; hier­zu genügt ein vom Beschwer­de­füh­rer oder des­sen Bevoll­mäch­tig­ten eigen­hän­dig unter­zeich­ne­tes Schrei­ben, wel­ches ein­deu­tig auf die Beschwer­de­schrift Bezug nimmt.

Die nicht unter­zeich­ne­te Beschwer­de­schrift

Das in § 64 Abs. 2 Satz 4 FamFG auf­ge­stell­te Unter­schrifts­er­for­der­nis ist kein Selbst­zweck, son­dern soll die Iden­ti­fi­zie­rung des Urhe­bers einer Ver­fah­rens­hand­lung ermög­li­chen und des­sen unbe­ding­ten Wil­len zum Aus­druck brin­gen, die vol­le Ver­ant­wor­tung für den Inhalt des Schrift­sat­zes zu über­neh­men und die­sen bei Gericht ein­zu­rei­chen. Dadurch soll sicher­ge­stellt wer­den, dass es sich bei dem Schrift­stück nicht nur um einen unau­to­ri­sier­ten Ent­wurf han­delt, son­dern dass es mit Wis­sen und Wol­len des Berech­tig­ten dem Gericht zuge­lei­tet wor­den ist [1]. Dar­aus ergibt sich gleich­zei­tig, dass das Feh­len einer eigen­hän­di­gen Unter­schrift beim Vor­lie­gen beson­de­rer Umstän­de aus­nahms­wei­se unschäd­lich ist, wenn sich aus ande­ren Anhalts­punk­ten eine der Unter­schrift ver­gleich­ba­re Gewähr für die Urhe­ber­schaft und den Wil­len ergibt, das Schrei­ben in den Rechts­ver­kehr zu brin­gen. So kann auf die eigen­hän­di­ge Unter­schrift unter dem Ori­gi­nal der Rechts­mit­tel­schrift ver­zich­tet wer­den, wenn vom Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten des Rechts­mit­tel­füh­rers der Beglau­bi­gungs­ver­merk unter den recht­zei­tig ein­ge­reich­ten beglau­big­ten Abschrif­ten hand­schrift­lich voll­zo­gen wor­den ist [2]. Der Man­gel der Unter­schrift auf der Rechts­mit­tel­schrift kann auch dann als geheilt gel­ten, wenn ein recht­zei­tig ein­ge­reich­ter Begleit­schrift­satz, der mit der Rechts­mit­tel­schrift fest ver­bun­den ist [3] oder aus­drück­lich auf sie Bezug nimmt [4], eine eigen­hän­di­ge Unter­schrift des Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten trägt.

Gemes­sen dar­an war im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall das wei­te­re Schrei­ben des Beschwer­de­füh­rers grund­sätz­lich geeig­net, den Form­man­gel der Beschwer­de­schrift zu behe­ben. Die­ses Schrei­ben, mit dem der Bevoll­mäch­tig­te der Betrof­fe­nen auf den gericht­li­chen Hin­weis zu den Beden­ken an der Form­wirk­sam­keit der Beschwer­de reagier­te, besteht inhalt­lich zwar weit­ge­hend aus einer Anein­an­der­rei­hung belei­di­gen­der und unsach­li­cher sowie neben der Sache lie­gen­der Äuße­run­gen, ent­hält mit sei­ner abschlie­ßen­den Auf­for­de­rung zur "antrags­ge­mä­ßen Ent­schei­dung" aller­dings einen hin­rei­chend deut­li­chen Bezug auf das in der Beschwer­de­schrift ent­hal­te­ne Vor­brin­gen. Fest­stel­lun­gen dazu, ob die­ses eben­falls per Tele­fax über­mit­tel­te Schrei­ben eine eigen­hän­di­ge Unter­schrift des Bevoll­mäch­tig­ten trägt oder per Com­pu­ter­fax ver­sandt wor­den ist, hat das Beschwer­de­ge­richt nicht getrof­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Febru­ar 2020 – XII ZB 291/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 18.03.2015 XII ZB 424/​14 FamRZ 2015, 919 Rn. 7 mwN[]
  2. vgl. BGH Beschlüs­se vom 26.03.2012 – II ZB 23/​11 NJW 2012, 1738 Rn. 9; und vom 07.05.2009 – VII ZB 85/​08 NJW 2009, 2311 Rn. 12; BGHZ 24, 179, 180 = NJW 1957, 990 mwN[]
  3. vgl. BGHZ 97, 251, 254 = NJW 1986, 1760, 1761[]
  4. vgl. BGH Beschluss vom 10.03.2009 – VIII ZB 55/​06 NJW-RR 2009, 933 Rn. 9[]