Die Rück­füh­rung eines Kin­des

Wird ein Kind unter Ver­let­zung des Sor­ge­rechts eines Eltern­teils wider­recht­lich in einem ande­ren Staat zurück­ge­hal­ten, so wird die Rück­füh­rung des Kin­des ange­ord­net.

Die Rück­füh­rung eines Kin­des

So hat jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in einem Ver­fah­ren nach dem Haa­ger Kin­des­ent­füh­rungs­über­ein­kom­men (HKÜ) einer deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Mut­ter ent­schie­den, die ihre acht­jäh­ri­ge Toch­ter von dem in den USA leben­den ame­ri­ka­ni­schen Vater nach Deutsch­land gebracht hat­te. Bis zum Som­mer 2010 hat­te die Fami­lie gemein­sam in den USA gelebt. Nach einer Urlaubs­rei­se von Mut­ter und Toch­ter in jenem Som­mer wei­ger­te sich die Mut­ter, mit dem Kind in die USA zurück­zu­keh­ren. Zwar ver­pflich­te­te sie sich im Rah­men des dar­auf­hin vom Vater in Deutsch­land ein­ge­lei­te­ten Gerichts­ver­fah­rens, das Kind spä­tes­tens zu Beginn des Jah­res 2012 in die USA zurück­zu­brin­gen. Zu einer Rück­kehr kam es aber nicht.

Nun hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in Über­ein­stim­mung mit dem Haa­ger Kin­des­ent­füh­rungs­über­ein­kom­men die sofor­ti­ge Rück­füh­rung ange­ord­net. Das unter ande­rem für die grenz­über­schrei­ten­de Kin­des­ent­zie­hung zwi­schen den USA und Deutsch­land, aber auch im Ver­hält­nis zu 85 wei­te­ren Staa­ten gel­ten­de inter­na­tio­na­le Über­ein­kom­men dient der raschen Been­di­gung grenz­über­schrei­ten­der Kin­des­ent­zie­hun­gen. Es sieht vor, dass das Gericht die Rück­füh­rung des Kin­des anzu­ord­nen hat, wenn das Kind unter Ver­let­zung des Sor­ge­rechts eines Eltern­teils wider­recht­lich in einem Staat zurück­ge­hal­ten wird. Das war nach dem Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le der Fall.

Ins­be­son­de­re konn­te die Mut­ter nicht ein­wen­den, dass sich das Kind bin­nen des fast zwei­jäh­ri­gen Auf­ent­halts in Deutsch­land an die Umge­bung gewöhnt habe. Denn, so führ­te das Gericht aus, die Unter­bre­chung der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on sei typi­sche Fol­ge der von dem ent­füh­ren­den Eltern­teil ein­sei­tig und wider­recht­lich her­bei­ge­führ­ten Lage, auf die sich der Ent­füh­ren­de nicht beru­fen kön­ne, weil sie allein durch sein Han­deln her­vor­ge­ru­fen wür­de. Auch die Tren­nung von der Mut­ter sei kein gegen eine Rück­füh­rung spre­chen­des Argu­ment. Es ste­he ihr frei, eben­falls in die USA zurück­zu­keh­ren.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 3. Juli 2012 – 18 UF 171/​11