Die Unter­brin­gung von Kin­dern bei Ver­wand­ten oder Pfle­ge­el­tern

Auch wenn ein Ver­wand­ter bereit ist, die Vor­mund­schaft und die Betreu­ung eines Kin­des zu über­neh­men, kann es zum Wohl des Kin­des sein, dass die Unter­brin­gung bei den Pfle­ge­el­tern der Vor­rang gege­ben wird.

Die Unter­brin­gung von Kin­dern bei Ver­wand­ten oder Pfle­ge­el­tern

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf in dem hier vor­lie­gen­den Fall von zwei Kin­dern ent­schie­den. Das Amts­ge­richt Mül­heim an der Ruhr hat­te einer allein­er­zie­hen­den Mut­ter die elter­li­che Sor­ge über ihre heu­te zwei und zehn Jah­re alten Kin­der ent­zo­gen. Die Mut­ter hat­te ihre Kin­der aus eige­ner Hilf­lo­sig­keit stark ver­nach­läs­sigt. Sie steht inzwi­schen selbst unter Betreu­ung. Die Fami­lie wünsch­te, dass die Kin­der nun bei den bei­den Schwes­tern der Mut­ter auf­wach­sen soll­ten, die sich dazu bereit­erklärt hat­ten.

Wenn den Eltern das Sor­ge­recht ent­zo­gen wird, muss das Fami­li­en­ge­richt für das Kind einen Vor­mund bestel­len. Der kann bestim­men, wo das Kind leben soll. Bei der Aus­wahl, wer Vor­mund wer­den soll, sind nahe Ver­wand­te des Kin­des ein­zu­be­zie­hen. Sie dür­fen jedoch über­gan­gen wer­den, wenn sie unge­eig­net sind. Auch das Jugend­amt kann zum Vor­mund des Kin­des bestellt wer­den und das Kind bei Pfle­ge­el­tern unter­brin­gen. Nach § 1779 Absatz 2 BGB soll eine Per­son aus­ge­wählt wer­den, die nach ihren per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen und ihrer Ver­mö­gens­la­ge sowie nach den sons­ti­gen Umstän­den zur Füh­rung der Vor­mund­schaft geeig­net ist. Bei der Aus­wahl unter meh­re­ren geeig­ne­ten Per­so­nen sind der mut­maß­li­che Wil­le der Eltern, die per­sön­li­chen Bin­dun­gen des Mün­dels, die Ver­wandt­schaft oder Schwä­ger­schaft mit dem Mün­del sowie das reli­giö­se Bekennt­nis des Mün­dels zu berück­sich­ti­gen.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf betont, dass es nicht genüge,dass den Kin­dern bei ihren Tan­ten kei­ne wei­te­re Gefahr dro­he. Maß­geb­lich sei viel­mehr, dass die Kin­der in einer vom Jugend­amt aus­ge­wähl­ten "Pro­fi-Pfle­ge­fa­mi­lie" bes­ser auf­ge­ho­ben wären als bei ihren Tan­ten. Denen feh­le die per­sön­li­che Eig­nung, die für die Bestel­lung zum Vor­mund erfor­der­lich sei. Sie hät­ten sich bis­lang nicht um die Kin­der geküm­mert und kei­ne Bezie­hung zu ihnen auf­ge­baut. Die stark ver­nach­läs­sig­ten Kin­der bräuch­ten aber emo­tio­na­le Sicher­heit, einen siche­ren Lebens­ort und sta­bi­le Lebens­ver­hält­nis­se. Dies kön­ne im kon­kre­ten Fall von "Pro­fi-Pfle­ge­el­tern" bes­ser gewähr­leis­tet wer­den als von den eige­nen Ver­wand­ten. Um die Unter­brin­gung bei Pfle­ge­el­tern zu ermög­li­chen, hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts bestä­tigt, das Jugend­amt zum Vor­mund zu bestel­len.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 20. Novem­ber 2018 – II‑8 UF 187/​17