Die Ver­gü­tung des anwalt­li­chen Ver­fah­rens­pfle­gers

Der anwalt­li­che Ver­fah­rens­pfle­ger kann gemäß § 1835 Abs. 3 BGB eine Ver­gü­tung nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz bean­spru­chen, soweit er im Rah­men sei­ner Bestel­lung sol­che Tätig­kei­ten zu erbrin­gen hat, für die ein Laie in glei­cher Lage ver­nünf­ti­ger­wei­se einen Rechts­an­walt zuzie­hen wür­de [1]. Die­ser Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch erlischt gemäß § 1835 Abs. 1 Satz 3 BGB, wenn er nicht bin­nen 15 Mona­ten nach sei­ner Ent­ste­hung gericht­lich gel­tend gemacht wird.

Die Ver­gü­tung des anwalt­li­chen Ver­fah­rens­pfle­gers

Nach § 277 Abs. 1 Satz 1 FamFG erhält der Ver­fah­rens­pfle­ger Ersatz sei­ner Auf­wen­dun­gen nach § 1835 Abs. 1 bis 2 BGB. Gemäß § 277 Abs. 2 Satz 2 FamFG hat er dane­ben Anspruch auf eine Ver­gü­tung in ent­spre­chen­der Anwen­dung der §§ 1, 2 und 3 Abs. 1 und 2 VBVG, wenn die Ver­fah­rens­pfleg­schaft aus­nahms­wei­se berufs­mä­ßig geführt wird. Auf § 1835 Abs. 3 BGB, wonach als Auf­wen­dun­gen auch sol­che Diens­te des Vor­munds oder des Gegen­vor­munds gel­ten, die zu sei­nem Gewer­be oder sei­nem Beruf gehö­ren, ver­weist § 277 FamFG zwar nicht. § 1835 Abs. 3 BGB ist gleich­wohl auf den anwalt­li­chen Ver­fah­rens­pfle­ger anzu­wen­den. Danach kann der anwalt­li­che Ver­fah­rens­pfle­ger eine Ver­gü­tung nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz bean­spru­chen, soweit er im Rah­men sei­ner Bestel­lung sol­che Tätig­kei­ten zu erbrin­gen hat, für die ein Laie in glei­cher Lage ver­nünf­ti­ger­wei­se einen Rechts­an­walt zuzie­hen wür­de [2].

Bei der Prü­fung des Anteils­über­eig­nungs­ver­tra­ges han­delt es sich um eine rechts­an­walts­spe­zi­fi­sche Tätig­keit. Grund­sätz­lich stand dem Ver­fah­rens­pfle­ger daher ein Ver­gü­tungs­an­spruch nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz zu.

Dem steht auch § 1 Abs. 2 Satz 1 RVG nicht ent­ge­gen, nach dem das Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz nicht für eine Tätig­keit als Ver­fah­rens­pfle­ger gilt. Damit soll nur ver­deut­licht wer­den, dass die Füh­rung einer Ver­fah­rens­pfleg­schaft allein nicht als Erbrin­gung anwalt­li­cher Diens­te in die­sem Sin­ne ange­se­hen wer­den kann. § 1 Abs. 2 Satz 2 RVG, wonach § 1835 Abs. 3 BGB unbe­rührt bleibt, stellt dem­ge­gen­über klar, dass der anwalt­li­che Ver­fah­rens­pfle­ger, der für den Betrof­fe­nen Diens­te erbringt, für die ein nicht­an­walt­li­cher Ver­fah­rens­pfle­ger einen Rechts­an­walt hin­zu­ge­zo­gen hät­te, inso­weit Auf­wen­dungs­er­satz nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz ver­lan­gen kann [3].

Der Anspruch des Ver­fah­rens­pfle­gers auf Rechts­an­walts­ver­gü­tung ist jedoch erlo­schen. Nach § 1835 Abs. 1 Satz 3 BGB sind Ansprü­che auf Auf­wen­dungs­er­satz bin­nen 15 Mona­ten nach Ent­ste­hung beim Vor­mund­schafts­ge­richt gel­tend zu machen. Hier­zu gehö­ren auch Ansprü­che nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz, da es sich um Auf­wen­dungs­er­satz­an­sprü­che im Sin­ne des § 1835 Abs. 3 BGB han­delt [4]. Die­se Aus­schluss­frist war bei Ein­gang des Antra­ges im Janu­ar 2011 bereits abge­lau­fen, nach­dem der Anspruch im Zeit­raum April bis Juni 2009 ent­stan­den war.

Ent­ge­gen der Ansicht der Rechts­be­schwer­de war der Beginn der Aus­schluss­frist auch nicht wegen einer unkla­ren Rechts­la­ge hin­aus­ge­scho­ben. Ob die Grund­sät­ze, die zum Beginn der Ver­jäh­rung bei einer unkla­ren Rechts­la­ge auf­ge­stellt wur­den [5], auch auf den Beginn einer Aus­schluss­frist her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen, oder ob sich Unter­schie­de dar­aus erge­ben müs­sen, dass der Ablauf einer Aus­schluss­frist anders als der Ablauf einer Ver­jäh­rungs­frist nicht zu einer blo­ßen Ein­re­de­be­fug­nis gegen­über einem fort­be­stehen­den Recht führt, son­dern den Unter­gang des Rechts zur Fol­ge hat [6], braucht hier nicht ent­schie­den zu wer­den.

Denn jeden­falls lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen, nach denen der Beginn einer Ver­jäh­rungs­frist hin­aus­ge­scho­ben sein könn­te, nicht vor. Erfor­der­lich wäre hier­zu näm­lich, dass die Rechts­la­ge so unüber­sicht­lich oder zwei­fel­haft ist, dass sie selbst ein rechts­kun­di­ger Drit­ter nicht ein­zu­schät­zen ver­mag, so dass es an der Zumut­bar­keit der Kla­ge­er­he­bung fehlt [7]. Dass ein anwalt­li­cher Ver­fah­rens­pfle­ger Ver­gü­tung nach der (damals noch gül­ti­gen) Bun­des­ge­büh­ren­ord­nung für Rechts­an­wäl­te für sol­che Tätig­kei­ten ver­lan­gen kann, bei denen ein Laie in glei­cher Lage ver­nünf­ti­ger­wei­se einen Rechts­an­walt hin­zu­zie­hen wür­de, hat bereits das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt klar­ge­stellt [8]. Die­ser Recht­spre­chung ist eine Viel­zahl von Ober­lan­des­ge­rich­ten gefolgt [9]. Auch wenn das für den Ver­fah­rens­pfle­ger zustän­di­ge Ober­lan­des­ge­richt Dres­den im Jahr 1999 noch ent­schie­den hat, dass der anwalt­li­che Ver­fah­rens­pfle­ger nicht nach der Bun­des­ge­büh­ren­ord­nung für Rechts­an­wäl­te liqui­die­ren dür­fe [10], war die­ser den­noch gehal­ten, die Recht­spre­chung des Ver­fas­sungs­ge­richts und die dar­an anschlie­ßen­den Ent­schei­dun­gen der Ober­lan­des­ge­rich­te zur Kennt­nis zu neh­men und sein Ver­hal­ten dar­auf ein­zu­stel­len. Eine unkla­re Rechts­la­ge war nach den genann­ten Ent­schei­dun­gen nicht mehr gege­ben.

Hier­an änder­te auch das Inkraft­tre­ten des Geset­zes über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit vom 17.12.2008 [11] nichts an der Rechts­la­ge. § 67 a FGG ver­wies eben­so wenig auf § 1835 Abs. 3 BGB wie jetzt § 277 FamFG.

Dem­nach fehl­te es inso­weit schon im Abrech­nungs­zeit­raum an einer unkla­ren Rechts­la­ge, die der Bun­des­ge­richts­hof mit sei­nem Beschluss vom 17.11.2010 [12] hät­te klar­stel­len müs­sen. Es ist daher kein Grund ersicht­lich, war­um es dem Ver­fah­rens­pfle­ger nicht frü­her mög­lich gewe­sen sein soll­te, sei­nen Ver­gü­tungs­an­trag nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz zu stel­len. Die Aus­schluss­frist des § 1835 Abs. 1 Satz 3 BGB war daher bei Ein­gang des Antrags im Janu­ar 2011 bereits abge­lau­fen. Die­se Aus­schluss­frist ist von Amts wegen zu beach­ten , das Gericht trifft auch kei­ne Pflicht, auf den bevor­ste­hen­den Ablauf die­ser Frist hin­zu­wei­sen.

Bun­des­ge­richths­hof, Beschluss vom 27. Juni 2012 – XII ZB 685/​11

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 17.11.2010 – XII ZB 244/​10, FamRZ 2011, 203 Rn. 13 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 17.11.2010 – XII ZB 244/​10, FamRZ 2011, 203 Rn. 13 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 17.11.2010 – XII ZB 244/​10, FamRZ 2011, 203 Rn. 14; vgl. auch BVerfG FamRZ 2000, 1280, 1282[]
  4. OLG Frank­furt am Main NJW-RR 2004, 1664 und NJW 2003, 3642, 3643; Bay­O­bLG FamRZ 2003, 1413, 1414; vgl. auch Münch­Komm-BGB/­Wa­genitz 6. Aufl. § 1836 Rn. 17[]
  5. vgl. BGH Urtei­le vom 25.02.1999 – IX ZR 30/​98, NJW 1999, 2041, 2042; vom 23.09.2008 – XI ZR 262/​07, NJW-RR 2009, 547 Rn. 14 und vom 18.12.2008 – III ZR 132/​08, NJW 2009, 984 Rn. 14[]
  6. vgl. BGH Urteil vom 18.01.2006 – VIII ZR 94/​05, NJW 2006, 903 Rn. 10 mwN[]
  7. BGH Urteil vom 25.02.1999 – IX ZR 30/​98, NJW 1999, 2041, 2042[]
  8. BVerfG FamRZ 2000, 1280, 1282[]
  9. OLG Zwei­brü­cken FamRZ 2002, 906; OLG Stutt­gart NJW-RR 2004, 424; Bay­O­bLG FamRZ 2003, 1413, 1414; OLG Frank­furt NJW 2003, 3642, 3643; OLG Mün­chen FamRZ 2008, 2150, 2151; OLG Schles­wig NJW-RR 2009, 79[]
  10. OLG Dres­den Jur­Bü­ro 2000, 74[]
  11. BGBl. I Sei­te 2586 – FamFG[]
  12. BGH, Beschluss vom 17.11.2010 – XII ZB 244/​10, FamRZ 2011, 203[]