Die Ver­gü­tung eines berufs­mä­ßi­gen Umgangs­pfle­gers

Mit der nach­träg­li­chen Fest­stel­lung berufs­mä­ßi­ger Amts­füh­rung eines Umgangs­pfle­gers hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen – und knüpf­te hier­für an sei­ne restrik­ti­ve Recht­spre­chung zu den Berufs­be­treu­ern an 1:

Die Ver­gü­tung eines berufs­mä­ßi­gen Umgangs­pfle­gers

Die Umgangs­pfleg­schaft wird gemäß § 1684 Abs. 3 Satz 6 BGB iVm § 277 Abs. 2 Satz 1 FamFG, § 1836 Abs. 1 Satz 1 BGB unent­gelt­lich geführt. Sie wird aus­nahms­wei­se ent­gelt­lich geführt, wenn das Gericht bei der Bestel­lung des Pfle­gers die berufs­mä­ßi­ge Füh­rung der Umgangs­pfleg­schaft fest­stellt (§ 1684 Abs. 3 Satz 6 BGB iVm § 277 Abs. 2 Satz 1 FamFG, § 1836 Abs. 1 Satz 2 BGB). Die Fra­ge, ob der Umgangs­pfle­ger die Pfleg­schaft berufs­mä­ßig führt, ist daher nach dem kla­ren Wort­laut des Geset­zes bereits "bei der Bestel­lung" des Pfle­gers zu klä­ren.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof nach Erlass der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts mehr­fach sowohl zur Bestel­lung eines Betreu­ers 2 als auch zur Bestel­lung eines Ergän­zungs­pfle­gers 3 aus­ge­führt hat, ent­spricht die früh­zei­ti­ge Klä­rung der Berufs­mä­ßig­keit der Amts­füh­rung den Inten­tio­nen des Gesetz­ge­bers. Das Ver­fah­ren über die Fest­set­zung der Ver­gü­tung soll nicht mit einem Streit über die Berufs­mä­ßig­keit der Amts­füh­rung belas­tet und die Klä­rung von Zwei­fels­fra­gen des­halb in das Bestel­lungs­ver­fah­ren vor­ver­la­gert wer­den. Zugleich soll im Inter­es­se der Rechts­klar­heit und Kal­ku­lier­bar­keit für alle Betei­lig­ten recht­zei­tig fest­ste­hen, ob und wel­che Ansprü­che (Ver­gü­tung oder Auf­wen­dungs­er­satz) dem Betreu­er oder Pfle­ger aus der Füh­rung des Amtes erwach­sen kön­nen und wel­che Las­ten daher mit der Bestel­lung (gera­de) die­ses Betreu­ers oder Pfle­gers für den Betrof­fe­nen oder für die Staats­kas­se ver­bun­den sind. Dar­aus folgt auch, dass der Fest­stel­lung der Berufs­mä­ßig­keit für den Ver­gü­tungs­an­spruch eines Berufs­be­treu­ers oder Berufs­pfle­gers eine kon­sti­tu­ti­ve Bedeu­tung zukommt.

Nach die­sen Maß­ga­ben kommt eine nach­träg­li­che Fest­stel­lung der Berufs­mä­ßig­keit mit Rück­wir­kung grund­sätz­lich nicht in Betracht. Hier­für besteht im All­ge­mei­nen auch kein anzus Bedürf­nis, weil sich ein Betreu­er oder Pfle­ger, der sich gegen die unter­blie­be­ne Fest­stel­lung der berufs­mä­ßi­gen Amts­füh­rung wen­den will, inso­weit eine befris­te­te Beschwer­de (§ 58 FamFG) gegen den Bestel­lungs­be­schluss ein­le­gen kann. Die­se ermög­licht eine Über­prü­fung im engen zeit­li­chen Zusam­men­hang mit dem Bestel­lungs­be­schluss und eine Rück­wir­kung auf den Bestel­lungs­zeit­punkt 4.

Für die Umgangs­pfleg­schaft gel­ten unter den hier obwal­ten­den Umstän­den kei­ne Beson­der­hei­ten. Die Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts über die Bestel­lung eines Umgangs­pfle­gers nach § 1684 Abs. 3 Satz 3 BGB ist eine End­ent­schei­dung im Sin­ne von § 38 FamFG, die nach den all­ge­mei­nen Regeln mit der befris­te­ten Beschwer­de ange­foch­ten wer­den kann 5. Weil die Bestel­lung der Umgangs­pfle­ge­rin hier in einem Haupt­sa­che­ver­fah­ren erfolg­te, kommt es auch auf die strei­ti­ge Fra­ge, ob die Ein­rich­tung einer Umgangs­pfleg­schaft im Wege einst­wei­li­ger Anord­nung gemäß § 57 Satz 1 FamFG grund­sätz­lich unan­fecht­bar ist 6 oder wegen eines damit ver­bun­de­nen Ein­griffs in die elter­li­che Sor­ge in den Anwen­dungs­be­reich von § 57 Satz 2 Nr. 1 FamFG fällt 7, im vor­lie­gen­den Fall nicht an. Es kann des­we­gen auch dahin­ste­hen, ob ein Pfle­ger, der mit einer unan­fecht­ba­ren Zwi­schen- oder End­ent­schei­dung bestellt wur­de, aus­nahms­wei­se berech­tigt ist, die im Bestel­lungs­be­schluss unter­blie­be­ne Fest­stel­lung berufs­mä­ßi­ger Amts­füh­rung im Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren nach­träg­lich gel­tend zu machen 8 oder ob es in die­sen Fäl­len damit sein Bewen­den hat, dass der Pfle­ger die Über­nah­me des ihm ange­tra­ge­nen Amtes ableh­nen kann, wenn das Gericht die Berufs­mä­ßig­keit der Amts­füh­rung nicht fest­stellt oder nicht fest­stel­len will 9.

Im Übri­gen ist die nach­träg­li­che rück­wir­ken­de Fest­stel­lung, dass ein Pfle­ger die Pfleg­schaft berufs­mä­ßig führt, auch dann unzu­läs­sig, wenn die­se Fest­stel­lung in der Bestel­lungs­ent­schei­dung ver­se­hent­lich unter­blie­ben ist. Inso­weit käme eine Ergän­zung des Bestel­lungs­be­schlus­ses aus­schließ­lich im Wege der Berich­ti­gung nach § 42 FamFG und dem­zu­fol­ge nur dann in Betracht, wenn sich die unter­blie­be­ne Fest­stel­lung der Berufs­mä­ßig­keit der Amts­füh­rung als "offen­ba­re Unrich­tig­keit" im Sin­ne von § 42 Abs. 1 FamFG dar­stellt. Dies setzt aller­dings vor­aus, dass sich die Unrich­tig­keit aus dem Zusam­men­hang des Beschlus­ses selbst oder aus den Vor­gän­gen bei sei­ner Ver­kün­dung bzw. Bekannt­ga­be ergibt und der Wider­spruch zwi­schen Beschluss­for­mel und Ent­schei­dungs­wil­len des Gerichts auch für Drit­te offen zu Tage tritt 10.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. April 2014 – XII ZB 190/​13

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 08.01.2014 – XII ZB 354/​13, Fam­RZ 2014, 468; und vom 29.01.2014 – XII ZB 372/​13, Fam­RZ 2014, 653[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.01.2014 – XII ZB 354/​13, Fam­RZ 2014, 468 Rn. 11 ff.; und vom 29.01.2014 – XII ZB 372/​13, Fam­RZ 2014, 653 Rn. 9 ff.[]
  3. BGH, Beschluss vom 12.02.2014 – XII ZB 46/​13, Fam­RZ 2014, 736 Rn. 9[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.01.2014 – XII ZB 354/​13, Fam­RZ 2014, 468 Rn. 15 f.; und vom 09.11.2005 – XII ZB 49/​01, Fam­RZ 2006, 111, 114[]
  5. klar­stel­lend Münch­Komm-FamFG/​Ansgar Fischer 2. Aufl. § 58 Rn. 23[]
  6. so OLG Cel­le [10. Zivil­se­nat], Fam­RZ 2011, 574, 575 f.; OLG Köln, Beschluss vom 25.11.2011 – 4 UF 238/​11 3 ff.; OLG Hamm, Beschluss vom 08.05.2012 – 7 UF 23/​12 24 ff.; Münch­Komm-FamFG/Ans­gar Fischer 2. Aufl. § 58 Rn. 23; Beck­OK FamFG/​Gutjahr [Stand: 1.01.2014] § 58 Rn. 67 a[]
  7. so OLG Cel­le [15. Zivil­se­nat], Beschluss vom 30.08.2010 – 15 UF 181/​10 BeckRS 2012, 04365; Keidel/​Giers FamFG 18. Aufl. § 57 Rn. 6; Musielak/​Borth FamFG 4. Aufl. § 57 Rn. 3; im Ergeb­nis auch OLG Schles­wig Fam­RZ 2012, 151, 152[]
  8. Münch­Komm-BGB/­Wa­genitz 6. Aufl. § 1836 Rn. 6 mit Fn. 13; Haußleiter/​Heidebach FamFG § 277 Rn. 3, jeweils für die gemäß § 276 Abs. 6 FamFG unan­fecht­ba­re Bestel­lung eines Ver­fah­rens­pfle­gers[]
  9. Keidel/​Budde FamFG 18. Aufl. § 277 Rn. 5, eben­falls für den Ver­fah­rens­pfle­ger[]
  10. vgl. BGH, Beschluss vom 29.01.2014 – XII ZB 372/​13, Fam­RZ 2014, 653 Rn. 15[]