Die ver­säum­te Beschwer­de­frist in Fami­li­en­sa­chen – und die Adres­sie­rung des Wie­der­ein­set­zungs­an­trags

Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand wegen der Ver­säu­mung der Beschwer­de­frist muss inner­halb einer zwei­wö­chi­gen Frist bean­tragt wer­den, § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. § 234 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Emp­fangs­zu­stän­dig für den Antrag auf Wie­der­ein­set­zung ist gemäß § 117 Abs. 5 FamFG i.V.m. § 237 ZPO das Ober­lan­des­ge­richt.

Die ver­säum­te Beschwer­de­frist in Fami­li­en­sa­chen – und die Adres­sie­rung des Wie­der­ein­set­zungs­an­trags

Nach § 237 ZPO ist der Antrag auf Wie­der­ein­set­zung an das Gericht zu rich­ten, wel­ches auch über den Antrag auf Wie­der­ein­set­zung ent­schei­det. Dies ist das Gericht, dem die Ent­schei­dung auch über die nach­ge­hol­te Pro­zess­hand­lung – hier über die Beschwer­de – zusteht.

Zwar ist gemäß § 64 Abs. 1 FamFG die Beschwer­de selbst beim Aus­gangs­ge­richt – hier dem Amts­ge­richt – Fami­li­en­ge­richt – ein­zu­le­gen. Eine Ent­schei­dung über die Beschwer­de erfolgt aller­dings gemäß § 119 Abs. 1 Nr. 1a GVG durch das jeweils zustän­di­ge Ober­lan­des­ge­richt. Dar­aus folgt, dass der Antrag auf Wie­der­ein­set­zung inner­halb der Frist grund­sätz­lich beim jewei­li­gen Ober­lan­des­ge­richt ein­zu­le­gen ist1.

Im vor­lie­gen­den Fall ergibt sich auch kei­ne ande­re Bewer­tung im Hin­blick auf die Pflicht des Fami­li­en­ge­richts zur unver­züg­li­chen Wei­ter­lei­tung die­ses Antra­ges an das Ober­lan­des­ge­richt2. Der Wie­der­ein­set­zungs­an­trag ist beim Amts­ge­richt – Fami­li­en­ge­richt – an einem Frei­tag ein­ge­gan­gen. Inner­halb des ordent­li­chen Geschäfts­gangs ist eine Wei­ter­lei­tung der­art, dass die­ser Schrift­satz zum Frist­ab­lauf am kom­men­den Mon­tag das Ober­lan­des­ge­richt erreicht hät­te, nicht mög­lich gewe­sen. Zu Eil­maß­nah­men wie zum Bei­spiel eine Wei­ter­lei­tung per Tele­fax ist das Fami­li­en­ge­richt nicht ver­pflich­tet gewe­sen3, mit­hin der Wie­der­ein­set­zungs­an­trag als ver­spä­tet anzu­se­hen ist.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 6. Janu­ar 2016 – 10 UF 169/​15

  1. vgl. BGH Fam­RZ 2013, 1385; Musielak/​Voit/​Grandel, ZPO 12. Aufl.2015, § 237 ZPO Rn. 1
  2. vgl. BGH Fam­RZ 2014, 550
  3. vgl. BGH Fam­RZ 2014, 550 Rn. 15