Die Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Büh­nen im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Die Ver­sor­gungs­an­rech­te der Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Büh­nen (VddB) sind im Anwart­schafts­sta­di­um sta­tisch und im Leis­tungs­sta­di­um voll­dyna­misch.

Die Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Büh­nen im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Dyna­mik beim VddB[↑]

Der Bun­des­ge­richts­hof hat zuletzt die Ver­sor­gungs­an­rech­te der VddB als im Anwart­schafts­sta­di­um sta­tisch und im Leis­tungs­sta­di­um voll­dyna­misch bewer­tet 1. Glei­ches hat der Bun­des­ge­richts­hof für die Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten bei der Ver­sor­gungs­an­stalt der deut­schen Kul­tur­or­ches­ter (VddKO), der Schwes­ter­an­stalt der VddB, deren Sat­zung (und Finan­zie­rungs­sys­tem) im Wesent­li­chen der der VddB ent­spricht, ent­schie­den 2. Die­se Bewer­tung bleibt auch für einen spä­te­ren Zeit­raum maß­ge­bend.

Ein Anrecht ist dann als voll­dyna­misch zu bewer­ten, wenn sei­ne Anpas­sung in der Ver­gan­gen­heit tat­säch­lich in regel­mä­ßi­gen Abstän­den zu einer Wert­stei­ge­rung geführt hat, die mit der Ent­wick­lung der nicht-anglei­chungs­dy­na­mi­schen Anwart­schaf­ten in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und der Beam­ten­ver­sor­gung (also den vom Gesetz als voll­dyna­misch ange­se­he­nen sog. Maß­stabs­ver­sor­gun­gen) Schritt hielt im Sin­ne einer "glei­chen" oder "nahe­zu glei­chen" Stei­ge­rung, und wenn dies auch in der Zukunft zu erwar­ten ist, wobei der Ent­wick­lung in der Ver­gan­gen­heit eine Indi­zwir­kung zukommt 3.

Für den Ver­gleich der Stei­ge­rungs­ra­ten in der Ver­gan­gen­heit sind die jewei­li­gen Durch­schnitts­wer­te der Anpas­sung der Anwart­schaf­ten (und ggf. der lau­fen­den Ver­sor­gungs­leis­tun­gen) des Ver­sor­gungs­trä­gers in einem län­ge­ren, ange­mes­se­nen Zeit­raum denen der Maß­stabs­ver­sor­gun­gen gegen­über zu stel­len. Die Län­ge des ange­mes­se­nen Zeit­raums stellt kei­ne Fest­grö­ße dar, son­dern ist ange­sichts der Indi­zwir­kung eine Fra­ge des Ein­zel­falls; jeden­falls soll­te er nicht wesent­lich mehr als 10 Jah­re umfas­sen 4.

Die VddB gewährt als rechts­fä­hi­ge Anstalt des öffent­li­chen Rechts den an deut­schen Thea­tern beschäf­tig­ten Büh­nen­an­ge­hö­ri­gen eine zusätz­li­che Alters‑, Berufs­un­fä­hig­keits- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung. Sie finan­ziert ihre Leis­tun­gen aus den Bei­trä­gen der Ver­si­cher­ten und den Erträ­gen der Ver­mö­gens­an­la­gen. Nach § 42 Sat­zung der VddB kön­nen im Rah­men der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel zwar Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen gewährt wer­den. Einen Anspruch auf kon­kre­te Stei­ge­run­gen haben die Ver­si­cher­ten aber nicht. In der Ver­gan­gen­heit hat die VddB ihre Leis­tun­gen (sowohl im Anwart­schafts- als auch im Leis­tungs­sta­di­um) tat­säch­lich erhöht.

In dem im aktu­el­len Ver­fah­ren vom Bun­des­ge­richts­hof her­an­ge­zo­ge­nen Ver­gleichs­zeit­raum, wel­cher die letz­ten 10 (bekann­ten) Jah­re umfasst, betrug die jähr­li­che durch­schnitt­li­che Anpas­sung der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung rund 0,91 %, der Beam­ten­ver­sor­gung 1,24 % und der Anwart­schaf­ten bei der VddB 1,09 %. An der frü­he­ren Recht­spre­chung, dass bei einer Abwei­chung von den durch­schnitt­li­chen Stei­ge­rungs­ra­ten der Beam­ten­ver­sor­gung bzw. der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung von mehr als einem Pro­zent­punkt eine nahe­zu glei­che Stei­ge­rung ver­neint wird 5, hat der Bun­des­ge­richts­hof ange­sichts der deut­lich gesun­ke­nen Stei­ge­rungs­ra­ten der Maß­stabs­ver­sor­gun­gen nicht mehr fest­ge­hal­ten 6. Indes­sen braucht die Fra­ge, bis zu wel­chem Abwei­chungs­be­trag noch eine glei­che oder nahe­zu glei­che Stei­ge­rung anzu­neh­men ist, hier nicht ent­schie­den zu wer­den. Denn die durch­schnitt­li­che Stei­ge­rungs­ra­te der Anwart­schaf­ten bei der VddB ist bezo­gen auf den genann­ten Zeit­raum sogar höher aus­ge­fal­len als die der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und erreicht nahe­zu die Rate der Beam­ten­ver­sor­gung, so dass von einer ver­gleich­ba­ren Wert­stei­ge­rung in der Ver­gan­gen­heit aus­zu­ge­hen ist.

Die­ser Umstand führt aber nicht zwin­gend zu der Annah­me, dass die Ver­sor­gung der VddB im Anwart­schafts­sta­di­um als voll­dyna­misch zu bewer­ten ist. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob die Stei­ge­rungs­ra­ten bei der VddB auch künf­tig zu erwar­ten sind. Dies setzt die hin­rei­chend gesi­cher­te Pro­gno­se einer wei­te­ren Wert­ent­wick­lung des Anrechts vor­aus, für die des­sen tat­säch­li­che bis­he­ri­ge Ent­wick­lung über einen ange­mes­se­nen Ver­gleichs­zeit­raum als Indiz her­an­ge­zo­gen wer­den kann, die Daten der Ver­gan­gen­heit jedoch nicht ein­fach fort­ge­schrie­ben wer­den dür­fen, son­dern alle bedeu­ten­den Umstän­de zu berück­sich­ti­gen sind 7. Fest­zu­stel­len ist also ins­be­son­de­re, ob sich nach ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rech­nungs­grund­la­gen, dem Ver­hält­nis der Bei­trags­zah­ler zu den Rent­nern und der Ver­mö­gens­la­ge des Ver­sor­gungs­trä­gers eine hin­rei­chen­de Wahr­schein­lich­keit für Stei­ge­run­gen (oder für ein Unter­blei­ben einer Stei­ge­rung) ergibt 8.

Das vor­in­stanz­lich mit dem Ver­fah­ren befass­te Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg 9 ist auf die­ser Grund­la­ge zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die Anwart­schaf­ten bei der VddB in naher Zukunft kei­ne Wert­stei­ge­run­gen erfah­ren wer­den. Dies ist für den Bun­des­ge­richts­hof recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Ins­be­son­de­re erweist sich für den Bun­des­ge­richts­hof die Pro­gno­se des Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg als trag­fä­hig. Zutref­fend und von der VddB bestä­tigt hat das Ober­lan­des­ge­richt fest­ge­stellt, dass Anwart­schafts­dy­na­mi­sie­run­gen seit 2002 nicht mehr erfolgt sind. Nach umfas­sen­der Aus­wer­tung der all­ge­mei­nen und indi­vi­du­el­len wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on der VddB unter Berück­sich­ti­gung der Mit­glie­der­struk­tur und der Kapi­tal­ertrags­si­tua­ti­on bis zum Jahr 2005 erkennt das Ober­lan­des­ge­richt zu Recht ver­än­der­te Umstän­de, die gegen die Fort­schrei­bung der Stei­ge­rungs­ra­ten spre­chen. Dabei zieht es aus sei­nen Fest­stel­lun­gen, die nicht ledig­lich auf eine all­ge­mei­ne Ver­schlech­te­rung der wirt­schaft­li­chen und sozia­len Rah­men­be­din­gun­gen beschränkt sind, son­dern viel­mehr die indi­vi­du­el­le wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der VddB erfas­sen, den Schluss, dass ange­sichts der ver­schlech­ter­ten Bedin­gun­gen und ungüns­ti­gen Ent­wick­lung nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass die Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten in abseh­ba­rer Zeit wie­der eine Anpas­sung erfah­ren. Das Ober­lan­des­ge­richt hat sorg­sam und auf­grund der von dem Ver­sor­gungs­trä­ger mit­ge­teil­ten Wer­te die Ent­wick­lung der Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on ermit­telt, die Wer­te in Bezug zuein­an­der gesetzt und dar­auf sei­ne Pro­gno­se­ent­schei­dung gestützt. Dar­in ist kein Rechts­feh­ler zu erken­nen.

Die Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts zu der Ent­wick­lung der VddB bele­gen, dass sich die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der VddB ins­ge­samt ver­schlech­tert hat und dass die­ser Trend anhält, so dass mit einer Stei­ge­rung der Ver­sor­gung nicht zu rech­nen ist. Eine Gesamt­schau der wesent­li­chen Umstän­de ergibt, dass das Ver­hält­nis zwi­schen zah­len­den Ver­si­cher­ten auf der einen und emp­fan­gen­den Ver­si­cher­ten auf der ande­ren Sei­te im Lau­fe der Zeit ungüns­ti­ger wird. So hat sich das Ver­hält­nis zwi­schen den aktiv Ver­si­cher­ten, also den zah­len­den Mit­glie­dern, und den Ver­si­cher­ten ins­ge­samt seit 1997 ver­schlech­tert mit der Fol­ge, dass weni­ger Bei­trags­zah­ler für ein grö­ße­res Volu­men sor­gen müs­sen. Auch ist der jähr­li­che Zuwachs bei den aktiv Ver­si­cher­ten seit 1997 gerin­ger aus­ge­fal­len als bei den bei­trags­frei Ver­si­cher­ten. Die Zahl der Ver­sor­gungs­emp­fän­ger ins­ge­samt ist im Ver­hält­nis zur Zahl aller Ver­si­cher­ten deut­lich gestie­gen und auch die abso­lu­te Zahl der Ver­sor­gungs­emp­fän­ger hat sich deut­lich, näm­lich um 40 % erhöht. Die Zahl der Berufs­un­fä­hig­keits- und Alters­rent­ner hat sich in die­sem Zeit­raum sogar um ca. 55,9 % erhöht. Auch hat sich das Ver­hält­nis zwi­schen den Ver­sor­gungs­emp­fän­gern und aktiv Ver­si­cher­ten ver­schlech­tert.

Die nega­ti­ve wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung zeigt auch der Ver­gleich wei­te­rer Wer­te. Die Ver­sor­gungs­leis­tun­gen haben sich im genann­ten Zeit­raum um ca. 78,5 % erhöht, die Bei­trags­zah­lun­gen ledig­lich um 11,7 %. Zwar sind die Kapi­tal­an­la­gen­er­trä­ge gestie­gen, die Net­to­ren­di­te der Kapi­tal­an­la­gen ist aber gesun­ken. Ange­sichts der nega­ti­ven Ent­wick­lung auf dem Kapi­tal­markt ver­moch­te die VddB den zuvor gewähr­ten Pro­zent­satz für die Ermitt­lung des Ruhe­gel­des (Ver­ren­tungs­satz) nicht zu hal­ten, son­dern muss­te ihn 2003 her­ab­sen­ken. Ent­spre­chen­des gilt für den Rech­nungs­zins.

Anwen­dung der Bar­wert­VO[↑]

Die Anwart­schaft ist gemäß § 2 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 und Satz 4 Bar­wert­VO aF wegen Voll­dyna­mik nur im Leis­tungs­sta­di­um unter Anwen­dung der um 50 % erhöh­ten Wer­te der Tabel­le 1 sowie unter Her­an­zie­hung der maß­geb­li­chen Rechen­grö­ßen in dyna­mi­sche Wer­te umzu­rech­nen.

Die Wer­te der Tabel­le 1 kom­men nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Bar­wert­VO aF bei einer Umrech­nung von nicht voll­dyna­mi­schen Anwart­schaf­ten in eine dyna­mi­sche Ver­sor­gung zur Anwen­dung, wenn der Bar­wert einer zumin­dest bis zum Leis­tungs­be­ginn nicht voll­dyna­mi­schen Anwart­schaft auf eine lebens­lan­ge Ver­sor­gung wegen Alters und ver­min­der­ter Erwerbs­fä­hig­keit zu ermit­teln ist. Die Tabel­le 2 ist dage­gen nach § 2 Abs. 3 Satz 1 Bar­wert­VO aF her­an­zu­zie­hen bei einer zumin­dest bis zum Leis­tungs­be­ginn nicht voll­dyna­mi­schen Anwart­schaft auf eine lebens­lan­ge Ver­sor­gung allein wegen Alters.

Das Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg begrün­det die Anwen­dung von Tabel­le 2 damit, dass nach § 27 Abs. 4 Sat­zung der VddB dann, wenn der Ver­si­cher­te bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls bei­trags­frei ver­si­chert sei, ledig­lich Alters­ru­he­geld, nicht aber Ruhe­geld wegen Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit gezahlt wer­de. Daher sei – der­zeit – ledig­lich die Ver­sor­gung wegen Alters aus­zu­glei­chen, weil die Anwart­schaft auf ein Ruhe­geld wegen Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit nicht unver­fall­bar sei. Zutref­fend ist das Ober­lan­des­ge­richt dabei davon aus­ge­gan­gen, dass es sich bei der VddB um eine Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes und damit um eine beson­de­re Form der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung gemäß § 1587 a Abs. 2 Nr. 3 BGB aF han­delt. Die Beson­der­heit bei der VddB ist, dass die Berech­nung der Ver­sor­gung kraft Ver­wei­ses in § 1587 a Abs. 2 Nr. 3 Satz 2 BGB aF nach § 1587 a Abs. 2 Nr. 4 c BGB aF erfolgt. Dies führt jedoch nicht dazu, dass die Ver­sor­gung der VddB als eine berufs­stän­di­sche Ver­sor­gung ein­zu­ord­nen ist 10. Daher ist die Fra­ge der Unver­fall­bar­keit im Sin­ne des § 1587 a Abs. 2 Nr. 3 Satz 3 BGB aF zu klä­ren.

§ 1587 a Abs. 2 Nr. 3 Satz 3 BGB aF sieht vor, dass nur die­je­ni­gen Anrech­te der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung in den öffent­lich-recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­zu­be­zie­hen sind, die im Zeit­punkt des Erlas­ses der Ent­schei­dung bereits unver­fall­bar sind. Für den Bereich der Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den 11, dass die Anwart­schaf­ten als unver­fall­bar gel­ten, die nach den maß­geb­li­chen (Satzungs-)Bestimmungen in ihrem Ver­sor­gungs­wert durch die künf­ti­ge betriebliche/​berufliche Ent­wick­lung des Ver­si­cher­ten nicht mehr beein­träch­tigt wer­den kön­nen, son­dern ihm ver­blei­ben, wenn er vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls aus dem (einem) Arbeits­ver­hält­nis im öffent­li­chen Dienst aus­schei­det. Die Anwart­schaft auf eine Alters­ver­sor­gung bei einer Zusatz­ver­sor­gungs­ein­rich­tung des öffent­li­chen Diens­tes muss mit­hin in die­sem Sinn nach Grund (Erfül­lung der zeit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen) und Höhe (gesi­cher­ter Ver­sor­gungs­wert) von der künf­ti­gen Ent­wick­lung unab­hän­gig sein. Dabei ist für die Anwen­dung der Bar­wert­VO von einer nor­ma­len Ent­wick­lung des Arbeits­ver­hält­nis­ses aus­zu­ge­hen. Eine bloß theo­re­ti­sche Mög­lich­keit, dass der Anspruch auf Ver­sor­gung im Ein­zel­fall aus beson­de­ren, im Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers lie­gen­den Grün­den noch ent­fal­len kann, steht der gene­rel­len Annah­me der unver­fall­ba­ren Anwart­schaft nicht ent­ge­gen 12.

Bei der VddB ent­fällt die Unter­schei­dung der Unver­fall­bar­keit dem Grund und der Höhe nach ange­sichts des Berech­nungs­sys­tems der Ver­sor­gung. Die Ren­ten­an­wart­schaft (bzw. die Leis­tung) errech­net sich nach einem Bruch­teil der ent­rich­te­ten Bei­trä­ge. Dem ent­spre­chend gilt gemäß § 18 Abs. 7 BetrAVG für die VddB u.a. § 2 BetrAVG, wel­cher Rege­lun­gen zur Höhe der unver­fall­ba­ren Anwart­schaf­ten trifft, nicht. Die Unver­fall­bar­keit dem Grun­de nach regelt § 1 b BetrAVG, soweit die Sat­zung kei­ne güns­ti­ge­re Rege­lung vor­sieht.

Nach § 27 Abs. 1 Sat­zung der VddB wird eine Ver­sor­gung gewährt bei Ein­tritt der Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit, bei der vor­zei­ti­gen Inan­spruch­nah­me des Alters­ru­he­gel­des, bei Errei­chen der Regel­al­ters­gren­ze und bei Tod. Bei­trags­pflich­tig Ver­si­cher­te erwer­ben also neben einem Anspruch auf Alters­ru­he­geld auch Anwart­schaf­ten auf eine Ver­sor­gung im Fal­le der Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit. Nach der Aus­kunft der VddB vom 3. April 2006 tritt Unver­fall­bar­keit (ohne Ein­schrän­kung auf bestimm­te Ver­sor­gungs­fäl­le) ein, wenn die War­te­zeit von 60 Bei­trags­mo­na­ten nach dem 31. Dezem­ber 2000 oder von ins­ge­samt 120 Bei­trags­mo­na­ten erfüllt ist (§ 27 Abs. 3 Sat­zung der VddB). Der Ehe­mann hat bis zum 31. Janu­ar 2006 ins­ge­samt 260 Bei­trags­mo­na­te zurück­ge­legt, so dass die sat­zungs­be­ding­ten Vor­aus­set­zun­gen in zeit­li­cher Hin­sicht für die Unver­fall­bar­keit der in der Aus­kunft genann­ten Ver­sor­gung vor­lie­gen.

Die Rege­lung in § 27 Abs. 4 Sat­zung der VddB führt nicht dazu, dass die Anwart­schaft auf Ruhe­geld wegen Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit (noch) als ver­fall­bar anzu­se­hen und damit nicht in die Berech­nung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs ein­zu­be­zie­hen ist. Danach wird Ruhe­geld wegen Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit und Alters­ru­he­geld nach § 29 Abs. 2 und 3 Sat­zung der VddB (vor­zei­ti­ges Ruhe­geld) nicht geleis­tet, wenn der Ver­si­cher­te bei Ein­tritt eines oben genann­ten Ver­sor­gungs­falls bei­trags­frei ver­si­chert ist. Als Ver­si­cher­te benennt § 16 Sat­zung der VddB Pflicht­ver­si­cher­te, frei­wil­lig Ver­si­cher­te, Wei­ter­ver­si­cher­te und bei­trags­frei Ver­si­cher­te. Ledig­lich im Fal­le der bei­trags­frei­en Ver­si­che­rung (§ 21 Sat­zung der VddB) wird also kein Ruhe­geld wegen Berufs- und Erwerbs­un­fä­hig­keit gewährt.

Für die Anwend­bar­keit der Bar­wert­VO kann dar­aus jedoch nicht der Schluss gezo­gen wer­den, dass die Anwart­schaft des Ehe­man­nes auf ein Ruhe­geld wegen Berufs- und Erwerbs­un­fä­hig­keit ins­ge­samt noch ver­fall­bar ist. Viel­mehr hat die Beur­tei­lung der Unver­fall­bar­keit nach den bereits genann­ten Kri­te­ri­en zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung zu erfol­gen. Der Ehe­mann ist bei der VddB bei­trags­pflich­tig und nicht bei­trags­frei ver­si­chert. Es gibt kei­nen kon­kre­ten Anlass für die Annah­me, dass er irgend­wann in Zukunft bei­trags­frei ver­si­chert sein wird; viel­mehr kann die Bei­trags­pflicht zum einen durch Pflicht­bei­trä­ge, zum ande­ren aber auch durch Zah­lung von (frei­wil­li­gen) Wei­ter­ver­si­che­rungs-bei­trä­gen erfüllt wer­den. Gera­de bei Büh­nen­an­ge­hö­ri­gen ent­spricht es dem „nor­ma­len Ver­lauf“ der Berufs­tä­tig­keit, nicht aus­schließ­lich an einem Thea­ter beschäf­tigt zu sein. Inso­weit ist von einem Inter­es­se des Ver­si­cher­ten aus­zu-gehen, die Ver­sor­gung bei der VddB zu erhal­ten.

Ent­spre­chend den zutref­fen­den Aus­füh­run­gen der VddB im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren trifft die von dem Ober­lan­des­ge­richt her­an­ge­zo­ge­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 9. März 1988 13 – auf das bis zur Umstel­lung zum Stich­tag 31. Dezem­ber 2001 bestehen­de Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem der Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes, wel­ches sich grund­le­gend von dem Ver­sor­gungs­sys­tem der VddB unter­schei­det. Nach der Ent­schei­dung des BGHs war im Gegen­satz zu der (sta­ti­schen) Ver­si­che­rungs­ren­te, wel­che als unver­fall­bar ange­se­hen wur­de, die Anwart­schaft auf Ver­sor­gungs­ren­te vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls nicht, und zwar weder dem Grun­de noch der Höhe nach, als unver­fall­bar zu behan­deln 14. Eine Unter­schei­dung zwi­schen den Anwart­schaf­ten auf Alters­ru­he­geld oder Ruhe­geld wegen Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit fin­det sich nicht.

Die (dyna­mi­sche) Ver­sor­gungs­ren­te setz­te in allen ihren For­men über die Erfül­lung der War­te­zeit hin­aus die fort­dau­ern­de Pflicht­mit­glied­schaft in der Zusatz­ver­sor­gungs­ein­rich­tung des öffent­li­chen Diens­tes, also die Beschäf­ti­gung im öffent­li­chen Dienst, bis zum Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls vor­aus. Sie konn­te auch dann noch "ver­fal­len", wenn der Ver­si­cher­te kurz vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls aus dem öffent­li­chen Dienst aus­schied. Auch Ver­be­am­tung, Ände­rung des Fami­li­en­stan­des oder Über­schrei­tung der Gesamt­ver­sor­gung durch die gesetz­li­che Ren­te konn­ten die Ver­sor­gungs­ren­te ent­fal­len las­sen oder ver­rin­gern 15.

Die Aus­gangs­si­tua­tio­nen der VddB und der Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes sind nicht ver­gleich­bar. Der Ver­sor­gungs­an­spruch bei der VddB hängt nicht von der Aus­übung des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses bis zum Leis­tungs­fall ab, son­dern von der Bei­trags­zah­lung. Wei­te­re Unsi­cher­heits­fak­to­ren, wie sie für die Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes im Hin­blick auf die dyna­mi­sche Ver­sor­gungs­ren­te auf­ge­zeigt wur­den, exis­tie­ren nicht.

Zwar kann kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den, mit wel­chem Grad an Wahr­schein­lich­keit eine Anwart­schaft auf betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung unver­fall­bar wird 16. Indes­sen han­delt es sich hier nicht um Fest­stel­lun­gen zur Wahr­schein­lich­keit, son­dern um die Beur­tei­lung der Rechts­po­si­ti­on im Zeit­punkt der Ent­schei­dung. Dabei ist nicht zuletzt zu berück­sich­ti­gen, dass jedes Dienst- oder Arbeits­ver­hält­nis z.B. für den Fall bestimm­ter schuld­haf­ter Ver­hal­tens­wei­sen des Bediensteten/​Arbeitnehmers das Ris­kio der frist­lo­sen Auf­lö­sung sowie der mög­li­chen Kür­zung oder des Ver­lus­tes der Ruhe­geld­an­sprü­che in sich trägt, ohne dass die­se Mög­lich­kei­ten gene­rell die Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs beein­flus­sen 17. Eine abso­lu­te Sicher­heit für den Erwerb der Ver­sor­gung besteht somit nie. Mit der Aus­kunft der VddB ist daher von der Unver­fall­bar­keit der gesam­ten Ruhe­geld­an­wart­schaft aus­zu­ge­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Novem­ber 2010 – XII ZB 6/​08

  1. BGH, Beschlüs­se vom 25.09.1996 – XII ZB 226/​94, Fam­RZ 1997, 161, 163; und vom 10.07.2002 – XII ZB 147/​00, Fam­RZ 2002, 1469, 1470[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 25.09.1996 – XII ZB 227/​94, Fam­RZ 1997, 164, 166; vom 25.09.1996 – XII ZB 18/​94, EzFamR aktu­ell 1996, 328; und vom 10.07.2002 – XII ZB 6/​01, Fam­RZ 2002, 1402, 1403[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 20.09.2006 – XII ZB 248/​03, Fam­RZ 2007, 23, 25 f. mwN[]
  4. BGH, Beschluss in BGHZ 160, 41 = Fam­RZ 2004, 1474, 1476 mwN[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 25.03.1992 – XII ZB 88/​89, Fam­RZ 1992, 1051, 1054; und BGHZ 160, 41 = Fam­RZ 2004, 1474, 1475 mwN[]
  6. BGH, Beschluss vom 20.09.2006 – XII ZB 248/​03, Fam­RZ 2007, 23, 25 f.; vgl. auch Wick, Der Ver­sor­gungs­aus­gleich, 2. Aufl. Rn. 174 b[]
  7. vgl. BGH, Beschlü­se in BGHZ 160, 41 = Fam­RZ 2004, 1474, 1475 mwN; vom 20.09.2006 – XII ZB 248/​03, Fam­RZ 2007, 23, 25 f.; vom 06.02.2008 – XII ZB 180/​05, Fam­RZ 2008, 862 Rn. 18; und vom 05.03.2008 – XII ZB 196/​05, Fam­RZ 2008, 1147 Rn. 17[]
  8. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 25. 09.1996 – XII ZB 227/​94, Fam­RZ 1997, 164, 165 f.; vom 06.02.2008 – XII ZB 180/​05, Fam­RZ 2008, 862 Rn. 18; und vom 05.03.2008 – XII ZB 196/​05, Fam­RZ 2008, 1147 Rn. 17; vgl. auch Wick, Der Ver­sor­gungs­aus­gleich, 2. Aufl. Rn. 175 a[]
  9. OLG Ham­burg, Urteil vom 19.12.2007 – 2 UF 15/​07[]
  10. vgl. Schwab/​Hahne Hand­buch des Schei­dungs­rechts 5. Aufl. Teil VI Rn. 146; Johannsen/​Henrich/​Hahne Ehe­recht 4. Aufl. § 1587 a Rn. 220[]
  11. BGH, Beschluss in BGHZ 84, 158 = Fam­RZ 1982, 899, 902[]
  12. Wick, Der Ver­sor­gungs­aus­gleich, 2. Aufl., Rn. 136 a[]
  13. IVb ZB 11/​85, Fam­RZ 1988, 822 ff.) den hie­si­gen Fall nicht. Die Ent­schei­dung bezieht sich – im Anschluss an den BGH-Beschluss vom 26. Mai 1982 ((BGHZ 84, 158 = Fam­RZ 1982, 899[]
  14. vgl. BGH, Beschlüs­se in BGHZ 84, 158 = Fam­RZ 1982, 899; und vom 09.03.1988 – IVb ZB 11/​85, Fam­RZ 1988, 822, 823 ff.[]
  15. vgl. BGH, Beschlüs­se in BGHZ 84, 158 = Fam­RZ 1982, 899, 903 f.; und in BGHZ 174, 127 Rn. 50[]
  16. BGH, Beschluss in BGHZ 84, 158 = Fam­RZ 1982, 899, 905[]
  17. vgl. BGh, Beschluss vom 18.12.1985 – IVb ZB 113/​83, Fam­RZ 1986, 341, 343[]