Die Zustim­mungs­er­klä­rung des Ehe­manns beim schei­dungs­ak­zes­so­ri­schen Sta­tus­wech­sel

Die im Rah­men des soge­nann­ten schei­dungs­ak­zes­so­ri­schen Sta­tus­wech­sels nach § 1599 Abs. 2 BGB erfor­der­li­che Zustim­mungs­er­klä­rung des Ehe­man­nes kann nicht in wirk­sa­mer Form im Schei­dungs­ver­fah­ren abge­ge­ben wer­den. Anders als die Aner­ken­nungs­er­klä­rung unter­lie­gen die Zustim­mungs­er­klä­run­gen nicht der Jah­res­frist des § 1599 Abs. 2 Satz 1 BGB.

Die Zustim­mungs­er­klä­rung des Ehe­manns beim schei­dungs­ak­zes­so­ri­schen Sta­tus­wech­sel

Der Sta­tus­wech­sel nach § 1599 Abs. 2 BGB [1] setzt unter ande­rem vor­aus, dass der zum Zeit­punkt der Geburt mit der Mut­ter ver­hei­ra­te­te Mann der Aner­ken­nung des Drit­ten zustimmt. Nach § 1597 Abs. 1 BGB müs­sen Aner­ken­nung und Zustim­mung öffent­lich beur­kun­det wer­den. Öffent­li­che Beur­kun­dung ist nach der Legal­de­fi­ni­ti­on in § 415 ZPO die Erstel­lung einer Urkun­de durch eine öffent­li­che Behör­de im Rah­men ihrer Zustän­dig­keit in der vor­ge­schrie­be­nen Form [2].

Die öffent­li­che Beur­kun­dung konn­te nach der im Jahr 2008 noch gel­ten­den Vor­schrift des § 641 c ZPO (nun­mehr § 180 FamFG) durch die Erklä­rung zur Nie­der­schrift des Gerichts ersetzt wer­den. Schon nach ihrer Stel­lung im Gesetz bezog sich die Vor­schrift aber nur auf Kind­schafts­sa­chen nach §§ 640 ff. ZPO (heu­te: Abstam­mungs­sa­chen, §§ 169 ff. FamFG). Die Ein­hal­tung der Form setzt die Pro­to­kol­lie­rung der Erklä­rung im Ver­fah­ren (§§ 160 ff. ZPO; nun­mehr § 28 Abs. 4 FamFG) vor­aus [3].

Die Zustim­mungs­er­klä­rung des dama­li­gen Ehe­manns ist dage­gen nicht in einer Kind­schafts­sa­che, son­dern im Schei­dungs­ver­fah­ren abge­ge­ben wor­den. Sie erfüllt die Vor­aus­set­zun­gen des § 641 c ZPO somit nicht. Die Ein­hal­tung der gesetz­li­chen Form ist Wirk­sam­keits­er­for­der­nis der Sta­tus­än­de­rung (§ 1598 Abs. 1 BGB). Das gilt auch für die Erset­zung der öffent­li­chen Beur­kun­dung durch die Erklä­rung zu Pro­to­koll des Fami­li­en­ge­richts.

Es ist nicht mög­lich, die Abga­be der Zustim­mungs­er­klä­rung über die gesetz­li­chen Form­vor­schrif­ten hin­aus­ge­hend im Wege der Ana­lo­gie auch im Schei­dungs­ver­fah­ren zu eröff­nen. Hier­für fehlt es ins­be­son­de­re an einer ent­spre­chen­den plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke im Gesetz.

Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. hat zutref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen [4], dass der Rechts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges, auf den die Ein­füh­rung des ent­spre­chen­den Zusat­zes in § 641 c ZPO (im Rah­men des Ehe­schlie­ßungs­rechts­ge­set­zes vom 04.05.1998 [5]) zurück­geht, davon aus­ging, dass die Zustim­mung auch in der münd­li­chen Ver­hand­lung einer Kind­schafts­sa­che zur Nie­der­schrift des Gerichts erklärt wer­den kann, wie dies für die ande­ren Erklä­run­gen bereits vor­ge­se­hen war. Nach Auf­fas­sung des Rechts­aus­schus­ses bestand kein Grund, an die Beur­kun­dung der genann­ten Erklä­rung ande­re Anfor­de­run­gen zu stel­len [6].

Im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ist aller­dings mög­li­cher­wei­se nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt wor­den, dass es Zweck der Neu­re­ge­lung in § 1599 Abs. 2 BGB ist, einen Sta­tus­wech­sel ohne Durch­füh­rung eines gericht­li­chen Kind­schafts­ver­fah­rens (heu­te: Abstam­mungs­sa­che) durch­füh­ren zu kön­nen. Die vom Gesetz ein­ge­räum­te Mög­lich­keit, Erklä­run­gen zur Vater­schaft (Aner­ken­nung und Zustim­mung) zu Pro­to­koll des Fami­li­en­ge­richts abzu­ge­ben, läuft damit jeden­falls weit­ge­hend leer. Dar­aus und aus dem bereits vom Ober­lan­des­ge­richt erwo­ge­nen Umstand, dass eine Zulas­sung der Erklä­rung im Schei­dungs­ver­fah­ren durch­aus nahe­ge­le­gen hät­te, lässt sich aber eine Erwei­te­rung der gesetz­li­chen Form­vor­schrif­ten um die nicht vor­ge­se­he­ne Form der Erklä­rung zur Nie­der­schrift des Gerichts im Schei­dungs­ver­fah­ren noch nicht recht­fer­ti­gen [7].

Die Rege­lung des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs zur Ver­wandt­schaft (§§ 1589 ff. BGB) ist durch das soge­nann­te Sta­tus­prin­zip geprägt [8]. Die­ses zeich­net sich unter ande­rem dadurch aus, dass der ein­mal begrün­de­te recht­li­che Sta­tus der Ver­wandt­schaft mit viel­fäl­ti­gen und weit­rei­chen­den Rechts­fol­gen (etwa Unter­halts­pflicht, Erbrecht, Staats­an­ge­hö­rig­keit, Namens­recht, Sor­ge­recht) ver­knüpft ist. Eine soge­nann­te Inzident­fest­stel­lung ist grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen, viel­mehr set­zen die Rechts­wir­kun­gen unter Umstän­den auch unab­hän­gig von der gene­ti­schen Abstam­mung den recht­lich eta­blier­ten Sta­tus der Ver­wandt­schaft vor­aus. Eine danach bestehen­de recht­li­che Vater­schaft schließt zudem die Aner­ken­nung des Kin­des durch einen ande­ren Mann aus (§ 1594 Abs. 2 BGB), und die mit der Abstam­mung ver­bun­de­nen Rechts­fol­gen kön­nen grund­sätz­lich erst gel­tend gemacht wer­den, nach­dem die Aner­ken­nung wirk­sam gewor­den (§ 1594 Abs. 1 BGB) oder die gericht­li­che Fest­stel­lung der Vater­schaft erfolgt ist (§ 1600 d Abs. 4 BGB). Ent­schei­dun­gen in Sta­tus­fra­gen wir­ken schließ­lich für und gegen alle (§ 184 Abs. 2 FamFG; zuvor § 640 h Abs. 1 ZPO).

Die in den genann­ten gesetz­li­chen Rege­lun­gen zum Aus­druck kom­men­den Prin­zi­pi­en der Sta­tus­klar­heit und Sta­tus­si­cher­heit sind nicht zuletzt auch bei der Anwen­dung der gesetz­li­chen Form­vor­schrif­ten zu beach­ten. Das kommt etwa dar­in zum Aus­druck, dass die Ein­hal­tung der Form im All­ge­mei­nen wie auch in Bezug auf die Zustim­mungs­er­klä­rung des Ehe­man­nes als Wirk­sam­keits­er­for­der­nis aus­ge­stal­tet ist.

In Anbe­tracht der ein­deu­ti­gen gesetz­li­chen Rege­lung, die vom Gesetz­ge­ber ersicht­lich auch so gewollt war, wäre eine Kor­rek­tur allen­falls berech­tigt, wenn sich durch die wort­laut­ge­treue Anwen­dung ein Wider­spruch zu ande­ren, vor­ran­gi­gen gesetz­li­chen Zie­len ergä­be. Das lie­ße sich aber nur anneh­men, wenn der zur Ver­mei­dung eines Gerichts­ver­fah­rens die­nen­de, allein durch Aner­ken­nung und Zustim­mung eröff­ne­te Sta­tus­wech­sel als sol­cher durch die Form­vor­schrif­ten ver­ei­telt wür­de, indem etwa eine zur Ver­fü­gung gestell­te Wahl­mög­lich­keit man­gels einer hier­für bereit­ge­stell­ten Form ent­wer­tet wür­de. Das ist indes­sen nicht der Fall. Denn das Gesetz stellt neben der Erklä­rung zur Nie­der­schrift im Abstam­mungs­ver­fah­ren und außer der Beur­kun­dung nach § 62 BeurkG wei­te­re Mög­lich­kei­ten einer Beur­kun­dung der Zustim­mung zur Ver­fü­gung. Dem zustim­mungs­be­rei­ten Ehe­mann ste­hen die Erklä­rung vor dem Stan­des­amt (§ 44 PStG), vor dem Jugend­amt (§ 59 Abs. 1 SGB VIII) oder dem Notar (§ 20 Abs. 1 BNo­tO) offen [9].

Die Zustim­mung ist dabei anders als die Aner­ken­nung nicht an eine Frist gebun­den [10]. Nach § 1599 Abs. 2 Satz 1 BGB gilt die Jah­res­frist nur für die Aner­ken­nung. Dass damit nicht der „Gesamt­vor­gang“ gemeint ist [11], son­dern allein die Aner­ken­nungs­er­klä­rung, liegt schon auf­grund der aus­schließ­li­chen Erwäh­nung der Frist in § 1599 Abs. 2 Satz 1 BGB nahe, wäh­rend sich die Zustim­mungs­er­klä­run­gen ohne ent­spre­chen­de Ver­wei­sung in § 1599 Abs. 2 Satz 2 BGB gere­gelt fin­den. Das Argu­ment, den schei­dungs­ak­zes­so­ri­schen Sta­tus­wech­sel wegen der anfäng­lich geäu­ßer­ten rechts­po­li­ti­schen Kri­tik im Hin­blick auf die Dau­er des zwi­schen Aner­ken­nung und Zustim­mung mög­li­chen Schwe­be­zu­stan­des ein­zu­schrän­ken [11], über­zeugt nicht [12]. Zur Besei­ti­gung eines uner­wünscht lan­gen Schwe­be­zu­stan­des dient wie bei der Aner­ken­nung im All­ge­mei­nen die Mög­lich­keit des Wider­rufs gemäß § 1597 Abs. 3 BGB [13]. Eine wei­ter­ge­hen­de Ein­schrän­kung als der dem Aner­ken­nen­den offen ste­hen­de Wider­ruf der Aner­ken­nung lässt sich dem Gesetz somit nicht ent­neh­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. März 2013 – XII ZB 71/​12

  1. vgl. dazu BGH, Urteil vom 23.11.2011 – XII ZR 78/​11 FamRZ 2012, 616[]
  2. Staudinger/​Rauscher BGB [2011] § 1597 Rn. 7 auch zu den zustän­di­gen Stel­len[]
  3. vgl. Staudinger/​Rauscher BGB [2011] § 1597 Rn. 12; Bun­des­ver­band der Deut­schen Stan­des­be­am­tin­nen und Stan­des­be­am­ten StAZ 2004, 49, 50[]
  4. OLG Frank­furt a.M., Beschluss vom 20.01.2012 – 4 UF 233/​11[]
  5. BGBl. I S. 833[]
  6. BT-Drucks. 13/​9416 S. 31[]
  7. zutref­fend Münch­Komm-ZPO/­Coes­ter-Walt­jen/Hil­big 3. Aufl. § 180 FamFG Rn. 4; Palandt/​Brudermüller BGB 72. Aufl. § 1599 Rn. 11; Staudinger/​Rauscher BGB [2011] § 1599 Rn. 90; Münch­Komm-BGB/­Wel­len­ho­fer 6. Aufl. Rn. 63; aA ohne Begrün­dung Niep­mann MDR 1998, 565, 568[]
  8. vgl. Helms in Helms/​Kieninger/​Rittner Abstam­mungs­recht Rn. 1 ff.[]
  9. vgl. BT-Drucks. 13/​4899 S. 85[]
  10. OLG Zwei­brü­cken FamRZ 2000, 546; OLG Köln FamRZ 2011, 651; OLG Olden­burg FamRZ 2011, 1076; OLG Bran­den­burg StAZ 2011, 333; Münch­Komm-BGB/­Wel­len­ho­fer 6. Aufl. § 1599 Rn. 64; aA OLG Stutt­gart FamRZ 2004, 1054; Staudinger/​Rauscher BGB [2011] § 1599 Rn. 92 mwN; Palandt/​Brudermüller BGB 72. Aufl. Rn. 11[]
  11. so Staudinger/​Rauscher BGB [2011] § 1599 Rn. 92 mwN[][]
  12. zutref­fend OLG Köln FamRZ 2011, 651, 652[]
  13. OLG Köln FamRZ 2011, 651, 652; OLG Olden­burg FamRZ 2011, 1076, 1077[]