Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs im Abän­de­rungs­ver­fah­ren

Die Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs im Abän­de­rungs­ver­fah­ren nach § 51 Abs. 1 VersAus­glG ist teil­wei­se unbil­lig, wenn ein Ehe­gat­te sich wegen eines in die Ursprungs­ent­schei­dung ein­be­zo­ge­nen Anrechts hat abfin­den las­sen und die­ses daher nicht mehr aus­ge­gli­chen wer­den kann 1.

Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs im Abän­de­rungs­ver­fah­ren

Gemäß § 27 Satz 1 VersAus­glG fin­det ein Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­nahms­wei­se nicht statt, soweit er grob unbil­lig wäre. Ob und in wel­chem Umfang die Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs grob unbil­lig erscheint, unter­liegt der tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lung. Die­se ist im Ver­fah­ren der Rechts­be­schwer­de nur dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob alle wesent­li­chen Umstän­de berück­sich­tigt wur­den und das Ermes­sen in einer dem Geset­zes­zweck ent­spre­chen­den Wei­se aus­ge­übt wor­den ist 2.

Als Fol­ge der nach der Über­gangs­re­ge­lung des § 51 Abs. 1 VersAus­glG eröff­ne­ten Abän­de­rung ist der Ver­sor­gungs­aus­gleich nach dem seit 1.09.2009 gel­ten­den Recht hin­sicht­lich sämt­li­cher ein­be­zo­ge­ner Anrech­te voll­stän­dig und ohne Bin­dung an die Aus­gangs­ent­schei­dung durch­zu­füh­ren ("Total­re­vi­si­on") 3.

§ 27 VersAus­glG fin­det im Abän­de­rungs­ver­fah­ren nach § 51 Abs. 1 VersAus­glG Anwen­dung. Dies folgt bereits aus der sich aus § 52 Abs. 1 VersAus­glG, § 226 Abs. 3 FamFG erge­ben­den aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Ver­wei­sung und stimmt damit über­ein, dass der Ver­sor­gungs­aus­gleich hin­sicht­lich der in die Aus­gangs­ent­schei­dung ein­be­zo­ge­nen Anrech­te voll­stän­dig neu und ohne Bin­dung an die abzu­än­dern­de Ent­schei­dung durch­zu­füh­ren ist.

Gemäß § 27 Satz 1 VersAus­glG fin­det ein Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­nahms­wei­se nicht statt, soweit er grob unbil­lig wäre. Ob und in wel­chem Umfang die Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs grob unbil­lig erscheint, unter­liegt der tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lung. Die­se ist im Ver­fah­ren der Rechts­be­schwer­de nur dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob alle wesent­li­chen Umstän­de berück­sich­tigt wur­den und das Ermes­sen in einer dem Geset­zes­zweck ent­spre­chen­den Wei­se aus­ge­übt wor­den ist 2.

In die­sem Zusam­men­hang hat die Här­te­fall­klau­sel des § 27 VersAus­glG die Funk­ti­on eines Gerech­tig­keits­kor­rek­tivs. Sie soll als Aus­nah­me­re­ge­lung eine am Gerech­tig­keits­ge­dan­ken ori­en­tier­te Ent­schei­dung in sol­chen Fäl­len ermög­li­chen, in denen die sche­ma­ti­sche Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs zur "Prä­mie­rung" einer gro­ben Ver­let­zung der aus der ehe­li­chen Gemein­schaft fol­gen­den Pflich­ten füh­ren oder gegen die tra­gen­den Prin­zi­pi­en des Ver­sor­gungs­aus­gleichs ver­sto­ßen wür­de. Die Aus­le­gung des § 27 VersAus­glG hat sich indes­sen stets an der gesetz­ge­be­ri­schen Ziel­set­zung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs zu ori­en­tie­ren, näm­lich die gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be der Ehe­leu­te an dem in der Ehe erwor­be­nen Ver­sor­gungs­ver­mö­gen zu ver­wirk­li­chen und dem Ehe­gat­ten, der in der Ehe­zeit wegen der Auf­tei­lung von Erwerbs­tä­tig­keit und Fami­li­en­ar­beit kei­ne eige­nen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten hat auf­bau­en kön­nen, eine eige­ne Ver­sor­gung zu ver­schaf­fen 4.

Tra­gen­der Grund­satz des Ver­sor­gungs­aus­gleichs ist dem­entspre­chend die in § 1 Abs. 1 VersAus­glG nie­der­ge­leg­te Halb­tei­lung der ehe­zeit­lich erwor­be­nen Ver­sor­gungs­an­rech­te. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem­zu­fol­ge die Anwen­dung des § 27 VersAus­glG gebil­ligt, wenn ein Ehe­gat­te ein ehe­zeit­lich erwor­be­nes Anrecht durch Aus­übung des ihm ein­ge­räum­ten Kapi­tal­wahl­rechts dem Ver­sor­gungs­aus­gleich ent­zo­gen hat und die­ses auch nicht dem Zuge­winn­aus­gleich unter­fiel. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dabei eine Treu­wid­rig­keit nicht dar­in erblickt, dass der Ehe­gat­te das Anrecht dem Ver­sor­gungs­aus­gleich ent­zo­gen hat, son­dern dar­in, dass die­ser gleich­wohl in unver­min­der­ter Höhe an den Anrech­ten des ande­ren Ehe­gat­ten teil­ha­ben will 5.

Dem ent­spricht die Lage im vor­lie­gen­den Fall. Dass die Ehe­frau die Zah­lung einer Abfin­dung gewählt hat und das Anrecht dem­zu­fol­ge erlo­schen ist, ist zwar für sich genom­men nicht zuletzt des­we­gen unbe­denk­lich, weil über den Ver­sor­gungs­aus­gleich bereits rechts­kräf­tig ent­schie­den war und sie mit einer Abän­de­rung der Ent­schei­dung nicht rech­nen muss­te. Infol­ge der durch die gesetz­li­che Über­gangs­re­ge­lung in § 51 VersAus­glG eröff­ne­ten Total­re­vi­si­on hat sich die Lage aber dadurch ver­scho­ben, dass die Ehe­frau bei erneu­ter Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs an den ehe­zeit­li­chen Anrech­ten des Ehe­manns unver­än­dert hälf­tig teil­ha­ben kann, wäh­rend ihre Anwart­schaft auf eine Zusatz­ver­sor­gung nicht mehr zum Aus­gleich zur Ver­fü­gung steht. Das Ober­lan­des­ge­richt hat dem­nach in der sche­ma­ti­schen Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs im Rah­men des ihm zuste­hen­den tatrich­ter­li­chen Ermes­sens in zuläs­si­ger Wei­se eine unbil­li­ge Här­te im Sin­ne von § 27 Satz 1 VersAus­glG erblickt und den Aus­gleich der Beam­ten­ver­sor­gung soweit gekürzt, als dies zur Halb­tei­lung der bei­der­sei­ti­gen Anrech­te (ein­schließ­lich des ent­fal­le­nen Anrechts der Ehe­frau) erfor­der­lich ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 – XII ZB 450/​13

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 01.04.2015 XII ZB 701/​13 Fam­RZ 2015, 998[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 01.04.2015 XII ZB 701/​13 Fam­RZ 2015, 998 Rn. 14 f.; vom 11.12 2013 XII ZB 253/​13 Fam­RZ 2014, 461 Rn. 13; und vom 19.09.2012 XII ZB 649/​11 Fam­RZ 2013, 106 Rn. 16 mwN[][]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 24.06.2015 XII ZB 495/​12 Fam­RZ 2015, 1688 Rn. 23 mwN; zu feh­ler­haft nicht in die Aus­gangs­ent­schei­dung ein­be­zo­ge­nen Anrech­ten vgl. aller­dings BGH, Beschluss BGHZ 198, 91 = Fam­RZ 2013, 1548 Rn. 14 ff.[]
  4. BGH, Beschluss vom 16.10.2013 XII ZB 176/​12 Fam­RZ 2014, 105 Rn. 25; BVerfG Fam­RZ 2003, 1173 f.[]
  5. BGH, Beschluss vom 01.04.2015 XII ZB 701/​13 Fam­RZ 2015, 998 Rn.19 ff.[]
  6. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17, WM 2019, 33 Gebühr für Dritt­aus­kunft[]