Ehe­be­ding­te Nach­tei­le – Alters­un­ter­halt oder Ver­sor­gungs­aus­gleich

Bei der Fra­ge, ob ehe­be­ding­te Nach­tei­le im Sin­ne des § 1578 b Abs. 1 BGB vor­lie­gen, ist der Aus­gleich unter­schied­li­cher Vor­sor­ge­bei­trä­ge vor­nehm­lich Auf­ga­be des Ver­sor­gungs­aus­gleichs, durch den die Inter­es­sen des Unter­halts­be­rech­tig­ten regel­mä­ßig aus­rei­chend gewahrt wer­den 1. Das gilt nicht, wenn die vom Unter­halts­be­rech­tig­ten auf­grund der ehe­li­chen Rol­len­ver­tei­lung erlit­te­ne Ein­bu­ße bei sei­ner Alters­vor­sor­ge durch den Ver­sor­gungs­aus­gleich nicht voll­stän­dig erfasst wird, weil der Unter­halts­pflich­ti­ge nur für einen gerin­gen Teil der Ehe­zeit Ren­ten­an­wart­schaf­ten erwor­ben hat.

Ehe­be­ding­te Nach­tei­le – Alters­un­ter­halt oder Ver­sor­gungs­aus­gleich

Auch im Rah­men des Alters­un­ter­halts bestimmt sich der Maß­stab des ange­mes­se­nen Lebens­be­darfs, der nach § 1578 b BGB regel­mä­ßig die Gren­ze für die Her­ab­set­zung des nach­ehe­li­chen Unter­halts bil­det, nach dem Ein­kom­men, das der unter­halts­be­rech­tig­te Ehe­gat­te ohne die Ehe und Kin­der­er­zie­hung aus eige­nen Ein­künf­ten zur Ver­fü­gung hät­te. Dabei ist auf die kon­kre­te Lebens­si­tua­ti­on des Unter­halts­be­rech­tig­ten abzu­stel­len. Aus dem Begriff der Ange­mes­sen­heit folgt aber zugleich, dass der nach § 1578 b BGB her­ab­ge­setz­te Unter­halts­be­darf jeden­falls das Exis­tenz­mi­ni­mum des Unter­halts­be­rech­tig­ten errei­chen muss 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. August 2010 – XII ZR 7/​09

  1. im Anschluss an BGH, Urtei­le vom 16.04.2008 – XII ZR 107/​06, Fam­RZ 2008, 1325; und vom 25.06.2008 – XII ZR 109/​07, Fam­RZ 2008, 1508
  2. im Anschluss an BGH, Urteil vom 17.02.2010 – XII ZR 140/​08, Fam­RZ 2010, 629