Ehe­gat­ten­un­ter­halt – Befris­tung und wirt­schaft­li­che Ver­flech­tung

Wenn eine Befris­tung des Ehe­gat­ten­un­ter­halts nach § 1578 b Abs. 2 BGB wegen aktu­ell bestehen­der ehe­be­ding­ter Nach­tei­le aus­ge­schlos­sen ist, darf das Fami­li­en­ge­richt die Ent­schei­dung über eine – teil­wei­se – Her­ab­set­zung des Unter­halts nach § 1578 b Abs. 1 BGB nicht mit dem Hin­weis auf eine nicht abge­schlos­se­ne wirt­schaft­li­che Ent­flech­tung der Ver­hält­nis­se zurück­stel­len, son­dern muss hier­über inso­weit ent­schei­den, als dies auf­grund der gege­be­nen Sach­la­ge und der zuver­läs­sig vor­aus­seh­ba­ren Umstän­de mög­lich ist.

Ehe­gat­ten­un­ter­halt – Befris­tung und wirt­schaft­li­che Ver­flech­tung

Aller­dings ist der Aus­gangs­punkt rich­tig, dass über eine Unter­halts­be­fris­tung oder ‑her­ab­set­zung erst dann abschlie­ßend ent­schie­den wer­den kann, wenn die Ver­hält­nis­se der Ehe­gat­ten wirt­schaft­lich ent­floch­ten sind und sich danach abschät­zen lässt, ob ehe­be­ding­te Nach­tei­le dau­er­haft bestehen oder nicht. Dem­entspre­chend hat es der Bun­des­ge­irchts­hof im Ein­zel­fall gebil­ligt, wenn die Ent­schei­dung über eine Befris­tung und Her­ab­set­zung nach § 1578 b BGB inso­weit hin­aus­ge­scho­ben und einem spä­te­ren Abän­de­rungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten wur­de [1]. Die Rechts­kraft einer Ent­schei­dung, die das spä­te­re Ein­grei­fen der Fol­gen des § 1578 b BGB offen lässt, schließt dann eine künf­ti­ge Abän­de­rung nicht aus, was selbst dann gilt, wenn über die Fol­gen des § 1578 b BGB rich­ti­ger­wei­se im Aus­gangs­ver­fah­ren hät­te ent­schie­den wer­den müs­sen [2].

Dar­aus, dass eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung über die Fol­gen des § 1578 b BGB noch nicht mög­lich ist, folgt aber nicht, dass eine Ent­schei­dung dar­über voll­stän­dig zurück­ge­stellt wer­den darf. Viel­mehr muss das Gericht inso­weit ent­schei­den, als eine Ent­schei­dung auf­grund der gege­be­nen Sach­la­ge und der zuver­läs­sig vor­aus­seh­ba­ren Umstän­de mög­lich ist [3]. Das gilt ins­be­son­de­re für eine bereits mög­li­che Ent­schei­dung über die Her­ab­set­zung nach § 1578 b Abs. 1 BGB (bzw. – für die Zeit bis 2007 – gemäß § 1578 Abs. 1 Satz 2 BGB aF)). Die mate­ri­el­le Rechts­kraft einer sol­chen Ent­schei­dung und die mit ihr ver­bun­de­nen Prä­k­lu­si­ons­fol­gen gehen dann nur so weit, als die Ent­schei­dung eine abschlie­ßen­de Beur­tei­lung der gegen­wär­ti­gen Sach­la­ge und der zuver­läs­sig vor­aus­seh­ba­ren Umstän­de ent­hält. Ein auf die­ser Grund­la­ge ergan­ge­nes Urteil schließt eine spä­te­re Abän­de­rung ins­be­son­de­re dann nicht aus, wenn zunächst bestehen­de ehe­be­ding­te Nach­tei­le spä­ter ganz oder teil­wei­se ent­fal­len soll­ten.

Auch darf von der Ent­schei­dung über die Her­ab­set­zung nicht des­halb abge­se­hen wer­den, weil der Zuge­winn­aus­gleich noch nicht durch­ge­führt ist. Auch wenn sich aus dem gel­tend gemach­ten Zuge­winn­aus­gleich noch Ver­schie­bun­gen hin­sicht­lich der bei­der­sei­ti­gen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se erge­ben kön­nen, hin­dert die­ser Umstand eine Ent­schei­dung über die Her­ab­set­zung nicht. Die­se hat viel­mehr bei Unklar­heit über den Bestand und die Höhe einer Zuge­winn­aus­gleichs­for­de­rung von dem bestehen­den Sach­stand aus­zu­ge­hen und auf die­ser Grund­la­ge die erfor­der­li­che Bil­lig­keits­ab­wä­gung anzu­stel­len. Erge­ben sich aus einer spä­te­ren Durch­füh­rung des Zuge­winn­aus­gleichs Ände­run­gen der wesent­li­chen Ver­hält­nis­se, so wird eine Abän­de­rung des Unter­halt­s­ur­teils durch die Erst­ent­schei­dung nicht aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Janu­ar 2011 – XII ZR 83/​08

  1. BGH, Urteil vom 27.05.2009 – XII ZR 78/​08, FamRZ 2009, 1300 Rn. 62 f.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 29.09.2010 – XII ZR 205/​08, FamRZ 2010, 1884 Rn. 27; und vom 26.05.2010 – XII ZR 143/​08, FamRZ 2010, 1238 Rn. 13, 23 mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 14.04.2010 – XII ZR 89/​08, FamRZ 2010, 869 Rn. 38 ff.[]