Ehe­gat­ten­un­ter­halt und die Kos­ten des Wohn­vor­teils

Vom Eigen­tü­mer zu tra­gen­de ver­brauchs­un­ab­hän­gi­ge Kos­ten kön­nen grund­sätz­lich nur dann von sei­nem Wohn­vor­teil abge­zo­gen wer­den, wenn es sich um nicht umla­ge­fä­hi­ge Kos­ten im Sin­ne von §§ 556 Abs. 1 BGB, 1, 2 BetrKV han­delt 1. Inso­weit hat der Bun­des­ge­richts­hof sei­ne ent­ge­gen­ste­hen­de bis­he­ri­ge Recht­spre­chung aus­drück­lich auf­ge­ge­ben.

Ehe­gat­ten­un­ter­halt und die Kos­ten des Wohn­vor­teils

Das Ober­lan­des­ge­richt Bran­den­burg 2 hat­te noch die vom Antrag­stel­ler als Abzugs­pos­ten gel­tend gemach­ten ver­brauchs­un­ab­hän­gi­gen Neben­kos­ten (Grund­steu­er und Gebäu­de­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge) nicht aner­kannt. In Abzug zu brin­gen sei­en nur die nicht nach § 27 Abs. 1 der 2. Berech­nungs­ver­ord­nung umla­ge­fä­hi­gen Kos­ten, also sol­che Kos­ten, mit denen ein Mie­ter übli­cher­wei­se nicht belas­tet wer­de. Grund­steu­er und Gebäu­de­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zähl­ten dage­gen zu den Kos­ten, die übli­cher­wei­se auf Mie­ter umge­legt wür­den.

Das ist, so der BGH, revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Der Wert der in dem Wohn­vor­teil lie­gen­den Nut­zun­gen nach § 100 BGB ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Senats nach dem orts­üb­li­chen Miet­wert zu bemes­sen und ent­spricht – abge­se­hen von Kor­rek­tu­ren im Rah­men der Ange­mes­sen­heits­be­trach­tung – den Kos­ten, die der Eigen­tü­mer gegen­über einem Mie­ter erspart 3. Dem­zu­fol­ge blei­ben alle Kos­ten, die ein Mie­ter neben der Grund­mie­te geson­dert zu tra­gen hat, bei der Ermitt­lung des nach der Grund­mie­te bemes­se­nen Wohn­werts außer Betracht.

Aller­dings hat der BGH in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung regel­mä­ßig ver­brauchs­un­ab­hän­gi­ge Kos­ten im Gegen­satz zu ver­brauchs­ab­hän­gi­gen Kos­ten als in die­sem Sin­ne abzugs­fä­hig auf­ge­führt 4.

Die­se Unter­schei­dung ist in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ange­zwei­felt wor­den 5.

Der BGH hält an der gene­rel­len Unter­schei­dung nach der Ver­brauchs­ab­hän­gig­keit der Kos­ten nicht fest. Denn die­se Abgren­zung kann nicht län­ger als übli­che miet­ver­trag­li­che Pra­xis ange­nom­men wer­den 6. Sie folgt auch nicht aus der miet­recht­li­chen Rechts­la­ge. Ob mit dem Eigen­tum ver­bun­de­ne Kos­ten allein von einem Eigen­tü­mer und nicht von einem Mie­ter getra­gen wer­den, lässt sich statt des­sen ver­läss­li­cher danach beur­tei­len, ob die Kos­ten auf einen Mie­ter umge­legt wer­den kön­nen.

Nach § 556 Abs. 1 Satz 1 BGB kön­nen die Par­tei­en ver­ein­ba­ren, dass der Mie­ter Betriebs­kos­ten trägt. Betriebs­kos­ten sind die Kos­ten, die dem Eigen­tü­mer durch das Eigen­tum am Grund­stück oder durch den bestim­mungs­mä­ßi­gen Gebrauch des Gebäu­des, der Neben­ge­bäu­de, Anla­gen, Ein­rich­tun­gen und des Grund­stücks lau­fend ent­ste­hen (§ 556 Abs. 1 Satz 2 BGB). Für die Auf­stel­lung der Betriebs­kos­ten gilt (seit dem 1. Janu­ar 2004) die Betriebs­kos­ten­ver­ord­nung (BetrKV) vom 25. Novem­ber 2003 (§ 556 Abs. 1 Satz 3 BGB). Nicht umla­ge­fä­hig sind danach etwa Kos­ten der Ver­wal­tung und Instand­hal­tungs­kos­ten (§ 1 Abs. 2 BetrKV), wäh­rend die Grund­steu­er (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 BetrKV) und die Kos­ten der Sach- und Haft­pflicht­ver­si­che­rung (§ 2 Abs. 1 Nr. 13 BetrKV) umla­ge­fä­hig sind.

Die Fest­stel­lung, ob bestimm­te umla­ge­fä­hi­ge Kos­ten übli­cher­wei­se auf den Mie­ter umge­legt wer­den, ist Auf­ga­be der Tat­sa­chen­in­stan­zen und hängt von den ört­li­chen Gepflo­gen­hei­ten ab. Dabei begeg­net es aller­dings kei­nen Beden­ken, wenn von dem Regel­fall aus­ge­gan­gen wird, dass die Ver­mie­ter die gesetz­li­chen Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen und die nach §§ 1, 2 BetrKV umla­ge­fä­hi­gen Kos­ten in der Pra­xis auf die Mie­ter umge­legt wer­den. Zu prü­fen ist dann nur noch, ob die frag­li­chen Kos­ten etwa schon in die orts­üb­li­che Grund­mie­te ein­ge­rech­net sind 7. Das ist aller­dings bei der sog. Net­to-Kalt­mie­te (oder Net­to­mie­te), die regel­mä­ßig den ört­li­chen Miet­spie­geln nach §§ 558 c, 558 Abs. 2 BGB zugrun­de liegt, nicht der Fall. Denn die­se ver­steht sich im Gegen­satz zur (Teil-)Inklusivmiete als Mie­te ohne alle Betriebs­kos­ten nach § 556 Abs. 1 BGB 8.

Dar­an gemes­sen ist es nicht zu bean­stan­den, wenn das Beru­fungs­ge­richt – über­ein­stim­mend mit dem Amts­ge­richt – davon aus­ge­gan­gen ist, dass die Grund­steu­er und die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge übli­cher­wei­se auf Mie­ter umge­legt wer­den. Aller­dings kön­nen sich die Kos­ten im Ein­zel­fall als teil­wei­se über­flüs­sig erwei­sen, wenn und soweit ihnen – wie im vor­lie­gen­den Fall – kein adäqua­ter Wohn­wert gegen­über steht. Ins­be­son­de­re wenn der Ehe­gat­te die Kos­ten dann auch im Inter­es­se des ande­ren Ehe­gat­ten wei­ter auf­bringt, kann ein teil­wei­ser Abzug gerecht­fer­tigt sein.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Mai 2009 – XII ZR 78/​08

  1. Auf­ga­be der BGH-Recht­spre­chung seit BGH, Urteil vom 20. Okto­ber 1999 – XII ZR 297/​97Fam­RZ 2000, 351[]
  2. Fam­RZ 2008, 1952 – mit Anm. Ehin­ger FPR 2008, 393[]
  3. BGH, Urteil vom 5. März 2008 – XII ZR 22/​06Fam­RZ 2008, 963, 965; st. Recht­spre­chung seit dem BGH-Urteil vom 27. Juni 1984 – IVb ZR 20/​83Fam­RZ 1985, 354, 356; Dose Jugend­amt 2009, 57, 58[]
  4. BGH, Urtei­le vom 20. Okto­ber 1999 – XII ZR 297/​97Fam­RZ 2000, 351, 354 m. Anm. Quack Fam­RZ 2000, 665; vom 22. April 1998 – XII ZR 191/​96 – Fam­RZ 1998, 899, 901; vom 5. März 2008 – XII ZR 22/​06Fam­RZ 2008, 963, 965 und vom 28. März 2007 – XII ZR 21/​05Fam­RZ 2007, 879, 880 m.w.N.[]
  5. OLG Hamm Fam­RZ 2003, 460; OLG Düs­sel­dorf Fam­RZ 2008, 895; Leit­li­ni­en des OLG Düs­sel­dorf unter Nr. 5 und des OLG Hamm unter Nr. 5.2; Wendl/​Gerhardt Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis 7. Aufl. § 1 Rdn. 337; Quack Fam­RZ 2000, 665; dif­fe­ren­zie­rend Wohl­ge­muth in: Eschenbruch/​Klinkhammer Der Unter­halts­pro­zess 5. Aufl. Kap. 6. Rdn. 258; vgl. auch Fin­ke FPR 2008, 94, 95[]
  6. vgl. auch BGHZ 178, 16, 32[]
  7. vgl. Fin­ke FPR 2008, 94, 95[]
  8. vgl. BGH Urteil vom 10. Okto­ber 2007 – VIII ZR 331/​06NJW 2008, 848[]