Ehe­ver­trag mit lebens­lan­ger Unter­halts­ver­pflich­tung

Haben die Par­tei­en in einem Ehe­ver­trag eine lebens­lan­ge Unter­halts­ver­pflich­tung ver­ein­bart, und hat sich die Rechts­la­ge danach geän­dert (Mög­lich­keit der Befris­tung), bleibt es dem Unter­halts­pflich­ti­gen im Zwei­fel unbe­nom­men, sich auf eine Stö­rung der Geschäfts­grund­la­ge zu beru­fen 1.

Ehe­ver­trag mit lebens­lan­ger Unter­halts­ver­pflich­tung

Der titu­lier­te Unter­halts­an­spruch der Ehe­frau aus dem Ehe­ver­trag unter­liegt im Rah­men der vom Ehe­mann erho­be­nen Abän­de­rungs­kla­ge einer Anpas­sung nach § 313 BGB unter Berück­sich­ti­gung der Rege­lun­gen des § 1578 b BGB 2.

Nach § 1578 b Abs. 1 Satz 2, 3 BGB ist bei der Bil­lig­keits­ab­wä­gung, ob der nach­ehe­li­che Unter­halt zu befris­ten ist, vor­ran­gig zu berück­sich­ti­gen, inwie­weit durch die Ehe Nach­tei­le im Hin­blick auf die Mög­lich­keit ein­ge­tre­ten sind, für den eige­nen Unter­halt zu sor­gen. Lie­gen ehe­be­ding­te Nach­tei­le vor, schei­det eine Befris­tung des Unter­halts regel­mä­ßig aus 3.

Es liegt im Rah­men rechts­feh­ler­frei­er Ermes­sens­aus­übung des Tatrich­ters, dass das Beru­fungs­ge­richt den unter­halts­recht­li­chen Bedarf der Ehe­frau im Wege des § 313 i.V.m. § 1578 b Abs. 1 BGB auf den ange­mes­se­nen Lebens­be­darf her­ab­ge­setzt hat. Gegen die­se für den Klä­ger güns­ti­ge Wür­di­gung wer­den sei­tens der Beklag­ten im Übri­gen kei­ne Ein­wen­dun­gen erho­ben.

Zwar erlaub­te § 1578 Abs. 1 Satz 2 BGB aF schon bei Abschluss des Ehe­ver­tra­ges im Jah­re 1996 eine Her­ab­set­zung auf den ange­mes­se­nen Lebens­be­darf. Bei lan­ger Ehe­dau­er wur­de von der Her­ab­set­zung aller­dings regel­mä­ßig kein Gebrauch gemacht 4. Mit § 1578 b BGB hat der Gesetz­ge­ber zudem die bis dahin einer Befris­tung nicht zugäng­li­chen nach­ehe­li­chen Unter­halts­tat­be­stän­de eben­falls in die Befris­tungs­mög­lich­keit ein­be­zo­gen. Auch inso­weit kann die Her­ab­set­zung im Rah­men der Bil­lig­keits­ab­wä­gung von nun an nicht mehr iso­liert betrach­tet wer­den, son­dern muss immer auch im Lich­te einer kumu­la­tiv oder auch alter­na­tiv mög­li­chen Befris­tung gese­hen wer­den. Dadurch bekom­men die jeweils anzu­set­zen­den Maß­stä­be ein ande­res Gewicht. Wäh­rend nach altem Recht die Her­ab­set­zung das ein­zi­ge und damit auch das ein­schnei­dends­te Mit­tel dar­stell­te, um den Unter­halt zu begren­zen, stellt sie jetzt das mil­de­re Mit­tel im Ver­hält­nis zur Befris­tung dar 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Febru­ar 2015 – XII ZR 80/​13

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 25.01.2012 – XII ZR 139/​09 , Fam­RZ 2012, 525[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.01.2012 – XII ZR 139/​09 , Fam­RZ 2012, 525 Rn. 49 f.; s. zu den Vor­aus­set­zun­gen im Ein­zel­nen BGH, Beschluss vom 11.02.2015 – XII ZB 66/​14[]
  3. BGH, Urteil vom 25.01.2012 – XII ZR 139/​09 , Fam­RZ 2012, 525 Rn. 50 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 07.03.2012 – XII ZR 145/​09 , Fam­RZ 2012, 951 Rn. 21 und BGH, Beschluss vom 19.06.2013 – XII ZB 309/​11 , Fam­RZ 2013, 1291 Rn. 17 zum Krank­heits­un­ter­halt[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 23.11.2011 – XII ZR 47/​10 , Fam­RZ 2012, 197 Rn. 21 mwN[]