Ehren­amt­li­cher Ein­zel­vor­mund statt Berufs­vor­mund

Ein ehren­amt­li­cher Ein­zel­vor­mund ist vor­ran­gig vor einem Berufs­vor­mund zu bestel­len.

Ehren­amt­li­cher Ein­zel­vor­mund statt Berufs­vor­mund

Nach § 1779 BGB hat das Fami­li­en­ge­richt den Vor­mund aus­zu­wäh­len. Dabei soll es eine Per­son aus­wäh­len, die nach ihren per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen und ihrer Ver­mö­gens­la­ge sowie nach den sons­ti­gen Umstän­den zur Füh­rung der Vor­mund­schaft geeig­net ist. Bei der Aus­wahl unter meh­re­ren geeig­ne­ten Per­so­nen sind der mut­maß­li­che Wil­le der Eltern, die per­sön­li­chen Bin­dun­gen des Mün­dels, die Ver­wandt­schaft oder Schwä­ger­schaft mit dem Mün­del sowie das reli­giö­se Bekennt­nis des Mün­dels zu berück­sich­ti­gen.

Ein ehren­amt­li­cher Ein­zel­vor­mund ist bei der Aus­wahl vor­ran­gig vor einem Ver­eins- oder Amts­vor­mund zu berück­sich­ti­gen, §§ 1791 a Abs. 1 Satz 2, 1791 b Abs. 1 Satz 1 BGB. Amts- und Berufs­vor­mund­schaft ste­hen in die­sem Sin­ne gleich­ran­gig neben­ein­an­der 1. Durch das am 01.07.2005 in Kraft getre­te­ne Betreu­ungs­rechts­än­de­rungs­ge­setz wur­de die Sub­si­dia­ri­tät auf das Vor­han­den­sein eines ehren­amt­li­chen Ein­zel­vor­munds beschränkt 2. Aus der For­mu­lie­rung von § 1791 b Abs. 1 BGB ergibt sich in Zusam­men­schau mit §§ 1791 a Abs. 1 Satz 2, 1836 Abs. 1 Satz 2 BGB und den jugend­hil­fe­recht­li­chen Bestim­mun­gen (§§ 53 Abs. 1, 56 Abs. 4 SGB VIII) ein Vor­rang der Ein­zel­vor­mund­schaft, die auf eine natür­li­che Per­son über­tra­gen und von die­ser ehren­amt­lich aus­ge­übt wer­den soll 3.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 26. Juni 2013 – 18 UF 296/​11

  1. Münch­Komm-BGB/­Wa­genitz, BGB, 6. Auf­la­ge 2012, § 1791 b Rn 2[]
  2. BT-Drucks. 15/​2494, S. 27[]
  3. OLG Cel­le, JAmt 2011, 352; KG Fam­RZ 2010, 1998; a. A. MünchKomm/​Wagenitz a.a.O.[]