Ein­bür­ge­rung – und der bul­ga­ri­sche Vaters­na­men

Wird eine in Deutsch­land leben­de bul­ga­ri­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge unter Bei­be­hal­tung ihrer bul­ga­ri­schen Staats­bür­ger­schaft ein­ge­bür­gert und gibt sie kei­ne Erklä­run­gen nach Art. 47 EGBGB ab, ihren nach dem bis­he­ri­gen bul­ga­ri­schen Hei­mat­recht gebil­de­ten Vaters­na­men (Zwi­schen­na­men) able­gen oder als wei­te­ren Vor­na­men füh­ren zu wol­len, führt sie die­sen Namens­be­stand­teil in sei­ner Funk­ti­on als Vaters­na­men wei­ter.

Ein­bür­ge­rung – und der bul­ga­ri­sche Vaters­na­men

Die Fra­ge, nach wel­chem Recht der Namens­er­werb der Betrof­fe­nen zu beur­tei­len ist, rich­tet sich – da die Betrof­fe­ne im Jah­re 1983 gebo­ren ist – nach dem vor dem 1.09.1986 gel­ten­den Recht. Ein Namens­er­werb, der auf einer Geburt vor die­sem Zeit­punkt beruht, ist ein abge­schlos­se­ner Vor­gang im Sin­ne von Art. 220 Abs. 1 EGBGB 1. Nach dem vor dem 1.09.1986 gel­ten­den deut­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat­recht galt für den Erwerb des Namens durch Geburt das Per­so­nal­sta­tut mit Anknüp­fung an die Staats­an­ge­hö­rig­keit des Namens­trä­gers, und zwar auch soweit es Zwi­schen­na­men betraf 2. Da die Betrof­fe­ne im Zeit­punkt ihrer Geburt die allei­ni­ge bul­ga­ri­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit besaß, ist für die­se Beur­tei­lung nur bul­ga­ri­sches Recht maß­ge­bend. Nach bul­ga­ri­schem Recht führt das Kind als Zwi­schen­na­men einen Vaters­na­men, der aus dem Eigen­na­men des Vaters unter Anfü­gung von ov oder ev als Suf­fix und einer geschlechts­spe­zi­fi­schen Endung gebil­det wird 3.

Anders als der Namens­er­werb, der mit der Namens­er­tei­lung abge­schlos­sen ist, stellt das durch den Namens­er­werb erlang­te sub­jek­ti­ve Recht einer Per­son auf die Füh­rung des von ihr erwor­be­nen Namens einen recht­li­chen Dau­er­tat­be­stand dar. Die­ser kann als Fol­ge tat­säch­li­cher Ver­än­de­rung des Anknüp­fungs­grun­des, und zwar ins­be­son­de­re bei einem Wech­sel der Staats­an­ge­hö­rig­keit des Namens­trä­gers, einem Sta­tu­ten­wech­sel unter­lie­gen 4, wobei für die­se Beur­tei­lung das im Zeit­punkt der tat­säch­li­chen Ver­än­de­rung gel­ten­de Kol­li­si­ons­recht maß­ge­bend ist 5.

Im vor­lie­gen­den Fall hat der Erwerb der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit durch die Betrof­fe­ne im Jah­re 2010 unge­ach­tet der Bei­be­hal­tung ihrer bul­ga­ri­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit aus Sicht des deut­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts dazu geführt, dass ihre Namens­füh­rung vom Zeit­punkt ihrer Ein­bür­ge­rung an durch deut­sches Recht beherrscht wird. Es kann dabei dahin­ste­hen, ob dies aus Art. 10 Abs. 1 iVm Art. 5 Abs. 1 Satz 2 EGBGB folgt, wonach der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit bei Dop­pel­staat­lern der prin­zi­pi­el­le Vor­rang ein­zu­räu­men ist, oder ob die Anwen­dung von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 EGBGB im Ver­hält­nis zur Staats­an­ge­hö­rig­keit eines wei­te­ren EU-Mit­glied­staa­tes im Hin­blick auf das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot aus Art. 18 AEUV recht­li­chen Beden­ken begeg­net 6. Denn unter den obwal­ten­den Umstän­den ergibt sich die Anwen­dung deut­schen Rechts auf die künf­ti­ge Namens­füh­rung der Betrof­fe­nen jeden­falls aus Art. 10 Abs. 1 iVm Art. 5 Abs. 1 Satz 1 EGBGB, weil die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit der Betrof­fe­nen nach ihrer dau­er­haf­ten Über­sied­lung in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auch ihre effek­ti­ve Staats­an­ge­hö­rig­keit im Sin­ne von Art. 5 Abs. 1 Satz 1 EGBGB gewor­den ist.

Die Fra­ge, ob die Namens­füh­rung des Namens­trä­gers eine Ver­än­de­rung erfährt, ist im Gefol­ge eines Sta­tu­ten­wech­sels nach den ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen des Ein­gangs­sta­tuts zu beur­tei­len. Es bestimmt sich daher nach deut­schem Recht, ob der Erwerb der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit Aus­wir­kun­gen auf die Namens­füh­rung der Betrof­fe­nen hat.

Das deut­sche Recht ent­hält indes­sen nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kei­ne Norm, die es ohne wei­te­res erlau­ben wür­de, die Namens­füh­rung eines ein­ge­bür­ger­ten Aus­län­ders abwei­chend von dem frem­den Recht zu beur­tei­len, unter dem der Name erwor­ben wur­de 7. Viel­mehr ist das deut­sche Recht von dem – unge­schrie­be­nen – Grund­satz der Namens­kon­ti­nui­tät beherrscht, mit dem sowohl all­ge­mei­nen Ord­nungs­in­ter­es­sen als auch dem Bestre­ben Rech­nung getra­gen wird, Namens­än­de­run­gen gegen den Wil­len des Namens­trä­gers mög­lichst zu ver­mei­den 8.

Das Prin­zip der Namens­kon­ti­nui­tät besagt aller­dings zunächst nur, dass der Namens­wort­laut unbe­rührt bleibt, so dass die unter dem frem­den Recht erwor­be­nen Bezeich­nun­gen und Zusät­ze mit Namens­qua­li­tät grund­sätz­lich bestehen blei­ben. Hier­aus folgt im vor­lie­gen­den Fall, dass der von der Betrof­fe­nen nach bul­ga­ri­schem Hei­mat­recht als Vaters­na­me erwor­be­ne Namens­be­stand­teil Nay­de­no­va auf­grund des Sta­tu­ten­wech­sels zum deut­schen Recht nicht schlicht weg­ge­fal­len ist 9. Der Grund­satz der Namens­kon­ti­nui­tät umgreift dem­ge­gen­über nicht ohne wei­te­res die Namens­funk­ti­on, die sich im Gefol­ge eines Sta­tu­ten­wech­sels durch­aus ändern kann 10. Denn die Namens­funk­ti­on ist eine mate­ri­ell­recht­li­che Kate­go­rie; sie kann daher an das Namens­recht des Ein­gangs­sta­tuts "ange­gli­chen" wer­den, wenn und soweit die­ses die Namens­for­men des Aus­gangs­sta­tuts nicht kennt.

Die ers­te Rege­lung, um das Pro­blem der Anglei­chung im deut­schen Namens­recht durch eine Vor­schrift sach­li­chen Rechts zu lösen 11, wur­de mit dem zum 1.01.1993 in Kraft getre­te­nen § 94 BVFG geschaf­fen. Durch die­se Vor­schrift soll­te für sta­tus­deut­sche (Art. 116 Abs. 1 GG) Aus­sied­ler eine erleich­ter­te Mög­lich­keit eröff­net wer­den, ihre in den Aus­sied­lungs­ge­bie­ten unter dem dor­ti­gen Namens­sta­tut gebil­de­ten und häu­fig sla­wi­sier­ten – Namen durch eine Anglei­chungs­er­klä­rung an die in Deutsch­land übli­chen Namens­for­men und ins­be­son­de­re an das deut­sche Sche­ma "Vor­na­me und geschlechts­neu­tra­ler Fami­li­en­na­me" anzu­pas­sen, ohne dafür den Weg der öffent­lich­recht­li­chen Namens­än­de­rung beschrei­ten zu müs­sen.

Außer­halb des Anwen­dungs­be­reichs von § 94 BVFG konn­te dem­ge­gen­über bis zum Jah­re 2007 nur im Ein­zel­fall eine – auch als Trans­po­si­ti­on bezeich­ne­te – objek­ti­ve (kol­li­si­ons­recht­li­che) Anglei­chung nach all­ge­mei­nen Regeln des inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts vor­ge­nom­men wer­den, wenn der Namens­trä­ger infol­ge eines Sta­tu­ten­wech­sels nun­mehr deut­schem Recht unter­stand, sein nach aus­län­di­schem Recht erwor­be­ner Name aber nicht mit den in Deutsch­land übli­chen Namens­bil­dun­gen ver­träg­lich war. Der inter­na­tio­nal­pri­vat­recht­li­che Grund­satz der Anglei­chung wur­de von der Recht­spre­chung ent­wi­ckelt, um Wider­sprü­che, Lücken und Span­nun­gen zu über­win­den, die sich erge­ben kön­nen, wenn auf Grund des deut­schen Kol­li­si­ons­rechts die Nor­men aus­län­di­schen mate­ri­el­len Rechts im Inland anzu­wen­den sind; die Anglei­chung erfolgt dadurch, dass auf der Grund­la­ge der soge­nann­ten Funk­ti­ons­äqui­va­lenz eine modi­fi­zier­te Anwen­dung der Rechts­nor­men im Inland vor­ge­nom­men wird 12.

Die Pra­xis der kol­li­si­ons­recht­li­chen Anglei­chung, bei der ohne genü­gen­de Grund­la­ge im posi­ti­ven Recht 13ver­sucht wur­de, im Fal­le eines mit dem Erwerb der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit ver­bun­de­nen Sta­tu­ten­wech­sels Namens­an­glei­chun­gen vor­zu­neh­men, wur­de als allei­ni­ge Lösung für die in die­sem Zusam­men­hang mit der Namens­füh­rung ent­ste­hen­den Rechts­kon­flik­te als unbe­frie­di­gend emp­fun­den 14. Dies ver­an­lass­te den Gesetz­ge­ber, mit der Ein­füh­rung von Art. 47 EGBGB durch das Per­so­nen­stands­rechts­re­form­ge­setz vom 19.02.2007 15 allen Per­so­nen, deren Namens­füh­rung auf­grund eines Sta­tu­ten­wech­sels unter die Herr­schaft deut­schen Rechts gelangt war, für die wich­tigs­ten Anglei­chungs­kon­stel­la­tio­nen (Art. 47 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 EGBGB) eine dem § 94 BVFG nach­ge­bil­de­te Mög­lich­keit ein­zu­räu­men, eine mate­ri­ell­recht­li­che Wahl des nach deut­schem Recht künf­tig zu tra­gen­den Namens zu tref­fen.

Soweit es dabei ins­be­son­de­re die Füh­rung von dem deut­schen Recht unbe­kann­ten Zwi­schen­na­men betrifft, wird dem von einem Sta­tu­ten­wech­sel zum deut­schen Recht betrof­fe­nen Namens­trä­ger durch Art. 47 Abs. 1 Nr. 3 EGBGB ("Able­ge­er­klä­rung") ermög­licht, die­sen schlicht weg­fal­len zu las­sen. Will der Namens­trä­ger sei­nen unter dem Aus­gangs­sta­tut als Zwi­schen­na­men geführ­ten Namens­be­stand­teil neben sei­nem Vor­na­men und Fami­li­en­na­men behal­ten, ist ihm grund­sätz­lich auch die Mög­lich­keit eröff­net, sei­nen Zwi­schen­na­men nach Art. 47 Abs. 1 Nr. 1 EGBGB ("Sor­tie­rer­klä­rung") ent­we­der zum wei­te­ren Vor­na­men oder zum Begleit­na­men zu bestim­men 16.

Bezo­gen auf den vor­lie­gen­den Fall bedeu­tet dies, dass die Betrof­fe­ne nach dem Erwerb der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit die Mög­lich­keit gehabt hät­te, ihren im deut­schen Recht nicht vor­ge­se­he­nen Vaters­na­men Nay­de­no­va durch eine Erklä­rung nach Art. 47 Abs. 1 Nr. 3 EGBGB weg­fal­len zu las­sen. Sie hät­te fer­ner den Vaters­na­men Nay­de­no­va nach Art. 47 Abs. 1 Nr. 1 EGBGB zum zwei­ten Vor­na­men bestim­men kön­nen; in die­sem Fall wäre es ihr dar­über hin­aus mög­lich gewe­sen, mit einer wei­te­ren Erklä­rung nach Art. 47 Abs. 1 Nr. 4 EGBGB ("Ursprungs­er­klä­rung") ihren dann die Funk­ti­on eines wei­te­ren Vor­na­mens erfül­len­den Namens­be­stand­teil Nay­de­no­va in der pas­sen­den weib­li­chen Grund­form – wohl Nay­da – zu füh­ren 17.

Nicht ein­heit­lich beant­wor­tet wird die Fra­ge, ob der Namens­trä­ger, der nach einem Sta­tu­ten­wech­sel – wie hier – kei­ne Erklä­rung nach Art. 47 EGBGB abge­ben will, sei­nen bis­he­ri­gen Namen in der ursprüng­li­chen unan­ge­gli­che­nen Funk­ti­on behält oder ob in einem sol­chen Fall eine objek­ti­ve Anglei­chung ent­spre­chend der bis­he­ri­gen Pra­xis nach den Regeln des inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts auch ohne Erklä­rung des Namens­trä­gers vor­zu­neh­men ist.

Dabei besteht aller­dings – wovon auch das Beschwer­de­ge­richt aus­geht – Einig­keit dar­über, dass die Anglei­chung jeden­falls dann von der (feh­len­den) Anglei­chungs­er­klä­rung abge­kop­pelt wer­den kann, wenn der unter dem aus­län­di­schen Recht gebil­de­te Name eines Sta­tu­ten­wechs­lers kei­ne struk­tu­rel­le Auf­glie­de­rung in Vor­na­men und Fami­li­en­na­men – son­dern bei­spiels­wei­se nur eine Ket­te von Eigen­na­men – ent­hält 18. Die­se Beur­tei­lung hält auch der Bun­des­ge­richts­hof für zutref­fend. Der nach deut­schem Recht gebil­de­te bür­ger­li­che Name einer natür­li­chen Per­son ent­hält zwin­gend einen Namens­teil, der mit der Über­trag­bar­keit auf den Ehe­gat­ten und die Kin­der auch die Auf­ga­be des Fami­li­en­na­mens erfül­len kann und einen ande­ren Namens­teil, der als Vor­na­me die Mit­glie­der einer Fami­lie und all­ge­mein die Trä­ger des glei­chen Fami­li­en­na­mens von­ein­an­der unter­scheid­bar macht. Damit steht es in Ein­klang, dass das Gesetz dem Namens­trä­ger – wenn auch in beschränk­tem Umfang – öffent­lich­recht­li­che Pflich­ten zur Füh­rung sei­nes bür­ger­li­chen Namens auf­er­legt (vgl. etwa § 111 OWiG, § 5 Abs. 2 PAuswG, §§ 15 Abs. 1, 21 Abs. 1 PStG, §§ 15 a, 15 b GewO in der bis zum 24.03.2009 gel­ten­den Fas­sung), die jeweils dar­an anknüp­fen, dass der Name min­des­tens einen Vor­na­men und einen Fami­li­en­na­men ent­hält. Auch dies ver­deut­licht, dass unter deut­schem Namens­sta­tut die Füh­rung eines Vor­na­mens und eines Fami­li­en­na­mens ein unver­zicht­ba­res Ord­nungs- und Unter­schei­dungs­kri­te­ri­um dar­stellt. Staat­li­chen Ord­nungs­in­ter­es­sen wird daher regel­mä­ßig der Vor­zug gegen­über dem Wunsch eines ein­ge­bür­ger­ten Aus­län­ders an der funk­tio­nel­len Kon- tinui­tät bei der Füh­rung sei­nes unter frem­dem Recht ohne Vor­na­men und/​oder Fami­li­en­na­men gebil­de­ten Namens zu geben sein, so dass in die­sen Fäl­len eine objek­ti­ve Anglei­chung zwar unter mög­li­cher Berück­sich­ti­gung der Wün­sche des Namens­trä­gers, aber gege­be­nen­falls auch gegen sei­nen Wil­len 19 zu erfol­gen hat.

Umstrit­ten ist dem­ge­gen­über die Fra­ge, ob der Name eines Sta­tu­ten­wechs­lers beim Feh­len von Erklä­run­gen nach Art. 47 EGBGB auch dann nach kol­li­si­ons­recht­li­chen Regeln ange­gli­chen wer­den kann, wenn des­sen unter aus­län­di­schem Recht gebil­de­ter Name zwar Vor­na­men und Fami­li­en­na­men, dar­über hin­aus aber auch sol­che, dem deut­schen Recht unbe­kann­te Namens­be­stand­tei­le – ins­be­son­de­re Zwi­schen­na­men – ent­hält. Ein Teil des Schrift­tums ver­tritt die Ansicht, dass die Fort­füh­rung von dem deut­schen Recht unbe- kann­ten Namens­be­stand­tei­len mit staat­li­chen Ord­nungs­in­ter­es­sen eben­so unver­ein­bar sei wie das Feh­len eines Vor­na­mens oder eines Fami­li­en­na­mens und ein nach aus­län­di­schem Recht gebil­de­ter Zwi­schen­na­me daher nach dem Sta­tu­ten­wech­sel nur funk­ti­ons­äqui­va­lent – typi­scher­wei­se als wei­te­rer Vor­na­me – wei­ter­ge­führt wer­den kön­ne 20. Eine abwei­chen­de Auf­fas­sung ist dem­ge­gen­über mit dem Beschwer­de­ge­richt der Ansicht, dass das Prin­zip der Namens­kon­ti­nui­tät in die­sem Fal­le auch die funk­tio­nel­le Kon­ti­nui­tät umgreift, der Sta­tu­ten­wechs­ler mit­hin einen nicht abge­leg­ten Zwi­schen­na­men auch unter deut­schem Recht in der aus dem frü­he­ren Hei­mat­recht abge­lei­te­ten Funk­ti­on wei­ter­füh­ren kön­ne 21.

Der Bun­des­ge­richts­hof hält die letzt­ge­nann­te Auf­fas­sung jeden­falls für die hier zur Beur­tei­lung ste­hen­den Fall­kon­stel­la­ti­on des Vaters­na­mens von Dop­pel­staat­lern für zutref­fend.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat im Jah­re 1993 in Bezug auf die Fort­füh­rung des unter rus­si­schem Recht erwor­be­nen Vaters­na­mens eines sta­tus­deut­schen Spät­aus­sied­lers aus­ge­spro­chen, dass "Zwi­schen­na­men (Vaters­na­men), die nach dem bis­he­ri­gen Hei­mat­recht des Aus­sied­lers erwor­ben wor­den und Bestand­teil sei­nes Namens sind, in deut­sche Per­so­nen­stands­re­gis­ter ein­zu­tra­gen sind, sofern der Aus­sied­ler kei­ne Erklä­rung nach § 94 Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­setz … abgibt" 22. Bereits dar­aus wur­de – wie auch vom Beschwer­de­ge­richt – her­ge­lei­tet, dass der Bun­des­ge­richts­hof in Bezug auf die Füh­rung sol­cher Zwi­schen­na­men nach einem Sta­tus­wech­sel zum deut­schen Recht von einer funk­tio­nel­len Namens­kon­ti­nui­tät aus­ge­gan­gen sei 23.

Der Name des Men­schen wird von sei­nem all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht nach Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 1 GG umfasst. Jede Maß­nah­me, die in das ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Recht am Namen ein­greift, muss sich am Maß­stab der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit mes­sen las­sen 24. Auch die im Wege objek­ti­ver Anglei­chung gegen den Wil­len des Namens­trä­gers erzwun­ge­ne Ver­pflich­tung, einen unter aus­län­di­schem Recht als Vaters­na­men erwor­be­nen Namens­be­stand­teil künf­tig als wei­te­ren Vor­na­men zu füh­ren, stellt sich als Ein­griff in das Per­sön­lich­keits­recht des Namens­trä­gers dar 25, der nur durch gewich­ti­ge öffent­li­che Inter­es­sen an der Anglei­chung gerecht­fer­tigt wer­den kann.

Ein Bedürf­nis für die Anglei­chung von Zwi­schen­na­men wird in ers­ter Linie im Zusam­men­hang mit der Regis­ter­dar­stel­lung gese­hen 26. Der Füh­rung amt­li­cher Regis­ter in Deutsch­land liegt die struk­tu­rel­le Auf­tei­lung des Namens in Vor­na­me und Fami­li­en­na­me zugrun­de, und die Ein­tra­gung von Zusät­zen, wel­che dane­ben die Bedeu­tung eines dem deut­schen Recht unbe­kann­ten Namens­be­stands­teils im Regis­ter kenn­zeich­nen und erläu­tern sol­len, wird grund­sätz­lich uner­wünscht sein. Indes­sen müs­sen sol­che Schwie­rig­kei­ten bei der Regis­ter­dar­stel­lung seit jeher über­wun­den wer­den, wenn es um die Ein­tra­gung von Zwi­schen­na­men geht, die nach dem maß­geb­li­chen Hei­mat­recht Bestand­teil des vol­len bür­ger­li­chen Namens eines aus­län­di­schen Staats­bür­gers sind 27.

Aus­schlag­ge­bend kann im vor­lie­gen­den Fall auch nicht sein, dass sich ein ein­ge­bür­ger­ter Aus­län­der in Deutsch­land in einer Gesell­schaft bewegt, die im Behör­den­ver­kehr sowie im gesell­schaft­li­chen und beruf­li­chen Leben maß­geb­lich von den Nor­men und Vor­stel­lun­gen des mate­ri­el­len deut­schen Namens­rechts geprägt ist 28 und die Anglei­chung sei­ner dem deut­schen Recht unbe­kann­ten Namens­ty­pen grund­sätz­lich geeig­net sein kann, die Inte­gra­ti­on des Namens­trä­gers in sei­ne namens­recht­li­che Umwelt nicht nur im pri­va­ten Inter­es­se der betrof­fe­nen Per­son, son­dern auch im öffent­li­chen Inter­es­se zu för­dern. Denn eine Namens­an­glei­chung dürf­te zur Inte­gra­ti­on nicht mehr viel bei­tra­gen kön­nen, wenn der unter aus­län­di­schem Recht gebil­de­te Name schon die nach deut­schem Namens­recht zwin­gend not­wen­di­gen Bestand­tei­le Vor­na­me und Fami­li­en­na­me ent­hält, die der ein­ge­bür­ger­te Namens­trä­ger in die­ser Funk­ti­on bereits ver­wen­den kann.

Der Vaters­na­me erfüllt im bul­ga­ri­schen Recht eben­so wie im gesam­ten sla­wi­schen Rechts­kreis die Funk­ti­on, einen genera­ti­ons­über­grei­fen­den fami­liä­ren Zusam­men­hang zu kenn­zeich­nen 29. Dies wird etwa dadurch ver­deut­licht, dass ein Kind nach bul­ga­ri­schem Namens­recht im Fal­le einer soge­nann­ten Voll­ad­op­ti­on (auch) einen neu­en Vaters­na­men erhält, der aus dem Vor­na­men des anneh­men­den Man­nes abge­lei­tet wird (Art. 18 Abs. 2 iVm Art. 13 des Geset­zes über die Per­so­nen­stands­re­gis­trie­rung vom 23.07.1999, abge­druckt bei Jessel/​Holst in Bergmann/​Ferid/​Henrich Inter­na­tio­na­les Ehe- und Kind­schafts­recht Län­der­teil Bul­ga­ri­en [Stand: 1.07.2012] S. 90 ff.). Das Inter­es­se des ein­ge­bür­ger­ten Aus­län­ders, die­sen fami­liä­ren Zusam­men­hang durch die fort­dau­ern­de Füh­rung des Vaters­na­mens in der durch das aus­län­di­sche Recht bestimm­ten Funk­ti­on auch künf­tig kennt­lich zu machen, muss aus der Sicht des deut­schen Rechts jeden­falls dann respek­tiert wer­den, wenn der Namens­trä­ger (wie im vor­lie­gen­den Fall die Betrof­fe­ne) durch Bei­be­hal­tung der bis­he­ri­gen Staats­an­ge­hö­rig­keit sei­ne Bin­dun­gen zum Hei­mat­recht nicht voll­stän­dig gelöst hat.

Es braucht daher nicht erör­tert zu wer­den, ob sich, wie das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg 30 meint, die Wer­tung, dass die Betrof­fe­ne ihren Namens­be­stand­teil Nay­de­no­va nach dem Sta­tu­ten­wech­sel zum deut­schen Recht in der Funk­ti­on als Vaters­na­men wei­ter­füh­ren kann, auch aus zwin­gen­den Vor­ga­ben der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs ergibt, nach der eine kol­li­si­ons­recht­lich beding­te Namens­spal­tung 31 bei EU-Bür­gern je nach Sach­ver­halts­ge­stal­tung einen Ver­stoß gegen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot nach Art. 18 AEUV 32 und/​oder eine unzu­läs­si­ge Beschrän­kung der Frei­zü­gig­keit nach Art. 21 AEUV 33 dar­stel­len kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Febru­ar 2014 – XII ZB 180/​12

  1. BGH, Beschlüs­se vom 14.11.1990 – XII ZB 26/​89 , Fam­RZ 1991, 324; und vom 09.06.1993 XII ZB 3/​93 , Fam­RZ 1993, 1178, 1179[]
  2. BGH, Beschluss vom 09.06.1993 – XII ZB 3/​93 , Fam­RZ 1993, 1178, 1179[]
  3. vgl. auch Jessel/​Holst in Bergmann/​Ferid/​Henrich Inter­na­tio­na­les Ehe- und Kind­schafts­recht Län­der­teil Bul­ga­ri­en [Stand: 1.07.2012] S. 39[]
  4. BGHZ 63, 107, 111 f. = NJW 1975, 112, 113; BGH, Beschluss BGHZ 147, 159, 168 f. = Fam­RZ 2001, 903, 905[]
  5. vgl. Münch­Komm-BGB/­Son­nen­ber­ger 5. Aufl. Art. 220 EGBGB Rn. 14[]
  6. vgl. Nach­wei­se zum Streit­stand bei Palandt/​Thorn BGB 73. Aufl. Art. 5 EGBGB Rn. 3[]
  7. vgl. BGH, Beschlüs­se BGHZ 121, 305, 313 = Fam­RZ 1993, 935, 937 f.; und vom 09.06.1993 – XII ZB 3/​93 , Fam­RZ 1993, 1178, 1179[]
  8. vgl. BGHZ 63, 107, 112 = NJW 1975, 112, 113[]
  9. klar­stel­lend Hoch­wald StAZ 2010, 335, 336[]
  10. Staudinger/​Hepting/​Hausmann BGB [2013] Art. 10 EGBGB Rn. 156; NK-BGB/­Man­kow­ski Art. 10 EGBGB Rn. 21[]
  11. mate­ri­ell­recht­li­che Anglei­chung[]
  12. zum Namens­recht vgl. BGH, Beschluss BGHZ 109, 1, 6 = Fam­RZ 1990, 39, 41[]
  13. so auch Staudinger/​Hepting/​Hausmann BGB [2013] Art. 47 EGBGB Rn. 18[]
  14. vgl. BT-Drs. 16/​1831 S. 71 und BT-Drs. 16/​3309 S. 12 f.[]
  15. BGBl. I S. 122[]
  16. vgl. Staudinger/​Hepting/​Hausmann BGB [2013] Art. 47 EGBGB Rn. 46[]
  17. vgl. dazu Hep­ting StAZ 2008, 161, 174[]
  18. Staudinger/​Hepting/​Hausmann BGB [2013] Art. 47 EGBGB Rn. 28; Mörs­dorf-Schul­te in Prütting/​Wegen/​Weinreich BGB 8. Aufl. Art. 47 EGBGB Rn. 3; juris­PK-BGB/Ja­nal [Stand: Okto­ber 2012] Art. 47 EGBGB Rn. 3; Rau­h­mei­er StAZ 2010, 337, 338; Hep­ting StAZ 2008, 161, 176; Mäsch IPrax 2008, 17, 18, 20; Hen­rich StAZ 2007, 197, 198[]
  19. vgl. Münch­Komm-BGB/­Birk 5. Aufl. Art. 47 EGBGB Rn. 18[]
  20. Staudinger/​Hepting/​Hausmann BGB [2013] Art. 47 EGBGB Rn. 47; Münch­Komm-BGB/­Birk 5. Aufl. Art. 47 EGBGB Rn. 33; Mörs­dorf-Schul­te in Prütting/​Wegen/​Weinreich 8. Aufl. Art. 47 EGBGB Rn. 12; Hoch­wald StAZ 2010, 335, 336; Rau­h­mei­er StAZ 2010, 337, 338; Mäsch IPrax 2008, 17, 19; Hep­ting StAZ 2008, 161, 173; Hen­rich StAZ 2007, 197, 201[]
  21. Palandt/​Thorn BGB 73. Aufl. Art. 47 EGBGB Rn. 5; juris­PK-BGB/Ja­nal [Stand: Okto­ber 2012] Art. 47 EGBGB Rn. 3; vgl. bereits OLG Frank­furt StAZ 2006, 142, 143[]
  22. BGH, Beschluss vom 09.06.1993 XII ZB 3/​93 , Fam­RZ 1993, 1178, 1180[]
  23. vgl. OLG Frank­furt StAZ 2006, 142, 143; dage­gen Hen­rich StAZ 2007, 197, 200 f.[]
  24. BVerfG Fam­RZ 1988, 587, 589[]
  25. so auch Staudinger/​Hepting/​Hausmann BGB [2013] Art. 47 EGBGB Rn. 31[]
  26. vgl. Beck­OK BGB/​Mäsch [Stand: Mai 2013] Art. 10 EGBGB Rn.19 und Art. 47 EGBGB Rn. 11[]
  27. BGH Beschluss vom 26.05.1971 – IV ZB 22/​70 NJW 1971, 1571, 1572; vgl. zur Ein­tra­gung von Vaters­na­men bul­ga­ri­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger OLG Hamm StAZ 1981, 190, 193[]
  28. vgl. BayO­bLG NJWE-FER 1999, 111, 112[]
  29. vgl. Staudinger/​Hepting/​Hausmann BGB [2013] Art. 47 EGBGB Rn. 51[]
  30. OLG Nürn­berg, Beschluss vom 07.03.2012 – 11 W 2380/​11[]
  31. zur Anknüp­fung des Per­so­nal- und Namens­sta­tuts bei Dop­pel­staat­lern im bul­ga­ri­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat­recht vgl. Zidar­o­va/­S­tan­ce­va-Min­ce­va Rabel­sZ 71 [2007], S. 398, 413, 415[]
  32. EuGH Urteil vom 02.10.2003 Rs. C148/​02 Slg. – I 2003, 11613 = Fam­RZ 2004, 273 Gar­cia Avel­lo[]
  33. EuGH Urteil vom 14.10.2008 Rs. C353/​06 Slg. – I 2008, 7639 = Fam­RZ 2008, 2089 Grun­kin-Paul II[]