Ent­behr­lich­keit eines Wie­der­ein­set­zungs­an­trags nach PKH-Bewil­li­gung

Zwar ist gemäß der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes "bei ord­nungs­ge­mä­ßer Ver­fah­rens­füh­rung" in Fami­li­en­streit­sa­chen nach Besei­ti­gung des Hin­der­nis­ses für die Beschwer­de­ein­le­gung inner­halb zwei­wö­chi­ger Frist einer­seits beim Amts­ge­richt die Beschwer­de­schrift, ande­rer­seits beim Ober­lan­des­ge­richt ein Wie­der­ein­set­zungs­an­trag ein­zu­rei­chen 1. Jedoch ist – jeden­falls im Fall der Bewil­li­gung inner­halb der Beschwer­de­frist iso­liert nach­ge­such­ter Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe (VKH) – nach frist­ge­recht nach­ge­hol­ter Beschwer­de­ein­le­gung Wie­der­ein­set­zung gemäß § 236 Abs. 2 S. 2 2. Halb­satz ZPO von Amts wegen auch ohne (recht­zei­tig) par­al­lel beim OLG ein­ge­reich­ten Antrag zu bewil­li­gen.

Ent­behr­lich­keit eines Wie­der­ein­set­zungs­an­trags nach PKH-Bewil­li­gung

§ 236 Abs. 2 Satz 2 2. Halb­satz ZPO erlaubt aus­drück­lich die Gewäh­rung der Wie­der­ein­set­zung von Amts wegen für den Fall, dass die ver­säum­te Pro­zess­hand­lung inner­halb der Antrags­frist nach­ge­holt wor­den ist. Mit der Ein­le­gung der Beschwer­de beim hier­für gemäß § 64 Abs. 1 FamFG zustän­di­gen Amts­ge­richt noch inner­halb der Zwei­wo­chen­frist ist die­se Vor­aus­set­zung erfüllt.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 2 ist zudem erfor­der­lich, dass der Wil­le des Betei­lig­ten auf Fort­set­zung des Ver­fah­rens klar erkenn­bar ist. Die­ser Wil­le wird vor­lie­gend schon durch den Akten­in­halt und nicht zuletzt die Ein­rei­chung der Beschwer­de­schrift inner­halb der Wie­der­ein­set­zungs­frist deut­lich. Schließ­lich bedarft es hier auch kei­ner wei­te­ren Glaub­haft­ma­chung zum feh­len­den Ver­schul­den an der Frist­ver­säu­mung, da sich letz­te­res in Anse­hung des VKH bewil­li­gen­den Senats­be­schlus­ses aus der Akte ergibt.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le – Beschluss vom 16. Janu­ar 2014 – 10 UF 248/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 26.06.2013 – XII ZB 83/​13, Fam­RZ 2013, 1385 ff., MDR 2013, 1059 f., m.w.N.[]
  2. BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 17.01.2013 – III ZR 168/​12, MDR 2013, 672[]