Erwerbs­ob­lie­gen­hei­ten des Unter­halts­be­rech­tig­ten – und das Nach­kar­ten mit der Ver­gan­gen­heit

Genügt der Unter­halts­be­rech­tig­te sei­ner aktu­el­len Erwerbs­ob­lie­gen­heit, kann ihm für die Ver­gan­gen­heit nicht vor­ge­hal­ten wer­den, er hät­te kon­kre­te Bewer­bungs­be­mü­hun­gen ent­fal­ten müs­sen, um den jetzt ein­ge­tre­te­nen ehe­be­ding­ten Nach­teil zu kom­pen­sie­ren.

Erwerbs­ob­lie­gen­hei­ten des Unter­halts­be­rech­tig­ten – und das Nach­kar­ten mit der Ver­gan­gen­heit

Um den ehe­be­ding­ten Nach­teil der Höhe nach bemes­sen zu kön­nen, muss der Tatrich­ter Fest­stel­lun­gen zum ange­mes­se­nen Lebens­be­darf des Unter­halts­be­rech­tig­ten im Sin­ne des § 1578 b Abs. 1 Satz 1 BGB und zum Ein­kom­men tref­fen, dass der Unter­halts­be­rech­tig­te tat­säch­lich erzielt oder gemäß §§ 1574, 1577 BGB erzie­len könn­te. Die Dif­fe­renz ergibt den ehe­be­ding­ten Nach­teil 1.

Der Maß­stab des ange­mes­se­nen Lebens­be­darfs besteht in dem Ein­kom­men, dass der unter­halts­be­rech­tig­te Ehe­gat­te ohne die Ehe und Kin­der­er­zie­hung aus eige­nen Ein­künf­ten zur Ver­fü­gung hät­te 2. Dabei ist die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die dem Unter­halts­be­rech­tig­ten gegen­wär­tig feh­len­de Mög­lich­keit, eine sei­ner Aus­bil­dung und frü­he­ren beruf­li­chen Stel­lung ent­spre­chen­de Tätig­keit zu erlan­gen, vor­greif­lich nach § 1577 BGB zu beur­tei­len und obliegt dem Unter­halts­be­rech­tig­ten. Hier­für gel­ten die­sel­ben Kri­te­ri­en wie für die Oblie­gen­heit zur Aus­übung einer ange­mes­se­nen Erwerbs­tä­tig­keit nach § 1574 BGB. Wer die Auf­nah­me einer ange­mes­se­nen Erwerbs­tä­tig­keit unter­lässt, muss sich das dar­aus erziel­ba­re Ein­kom­men im Rah­men der Prü­fung der Bedürf­tig­keit nach § 1577 Abs. 1 BGB fik­tiv zurech­nen las­sen 3. Gelangt das Fami­li­en­ge­richt dage­gen zu der Über­zeu­gung, dass der Unter­halts­gläu­bi­ger sei­ner Erwerbs­ob­lie­gen­heit genügt, kann der Unter­halts­pflich­ti­ge im Rah­men des § 1578 b BGB nicht mehr ein­wen­den, jener kön­ne ein höhe­res Ein­kom­men erzie­len und habe daher kei­nen ehe­be­ding­ten Nach­teil erlit­ten 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Dezem­ber 2012 – XII ZB 670/​10

  1. BGH, Urteil vom 20.10.2010 – XII ZR 53/​09, Fam­RZ 2010, 2059 Rn. 23[]
  2. BGH, Urteil vom 04.08.2010 – XII ZR 7/​09, Fam­RZ 2010, 1633 Rn. 32[]
  3. BGH, Beschluss vom 07.11.2012 – XII ZB 229/​11[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 27.01.2010 – XII ZR 100/​08, Fam­RZ 2010, 538 Rn. 42[]