Fami­li­en­recht im Mai 2015

Natu­ral­un­ter­halt, Aus­kunfts­pflich­ten, Zust­zver­sor­gungs­kas­sen im Ver­sor­gungs­aus­gleich; Vor­sor­ge­voll­macht und Pro­ble­me bei der Betreu­er­be­stel­lung; und ein nach Deutsch­land ent­führ­tes Kind

Zusatz­ver­sor­gun­gen des öffent­li­chen Diens­tes im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Gemäß § 18 Abs. 1 VersAus­glG soll das Fami­li­en­ge­richt bei­der­sei­ti­ge Anrech­te glei­cher Art nicht aus­glei­chen, wenn die Dif­fe­renz ihrer Aus­gleichs­wer­te gering ist.

Anrech­te glei­cher Art im Sin­ne die­ser Norm sind Anrech­te, die sich in ihrer Struk­tur und Wert­ent­wick­lung ent­spre­chen, so dass ein Sal­den­aus­gleich nach Ver­rech­nung im Wesent­li­chen zu dem­sel­ben wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis führt wie ein Hin- und Her­aus­gleich. Eine Wert­i­den­ti­tät ist nicht erfor­der­lich, viel­mehr ist eine struk­tu­rel­le Über­ein­stim­mung in wesent­li­chen Fra­gen (z.B. Leis­tungs­spek­trum, Finan­zie­rungs­art, Anpas­sung von Anwart­schaf­ten und lau­fen­den Ver­sor­gun­gen, Insol­venz­schutz) aus­rei­chend 2.

In Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze sind das Anrecht (hier: des Antrag­stel­lers) bei der Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se einer­seits und das Anrecht (hier: der Antrags­geg­ne­rin) bei der Ver­sor­gungs­an­stalt ande­rer­seits gleich­ar­tig im Sin­ne des § 18 Abs. 1 VersAus­glG 3.

Bei­de Anrech­te beinhal­ten sowohl eine Alters­ren­te als auch eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te (vgl. § 30 der Sat­zung des Kom­mu­na­len Ver­sor­gungs­ver­bands Baden-Würt­tem­berg für die Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se vom 02.07.2002 in der Fas­sung der 8. Ände­rung Stand Novem­ber 2013 [im Fol­gen­den ZVK-Sat­zung] einer­seits, § 33 Abs. 1 der VBL-Sat­zung Stand Dezem­ber 2014 ande­rer­seits), sie stim­men also im Leis­tungs­spek­trum über­ein.

Auch in Anse­hung der Bemes­sung der Ren­ten­hö­he und der Anpas­sung von Anwart­schaf­ten und lau­fen­den Ver­sor­gun­gen bestehen kei­ne wesent­li­chen Unter­schie­de. So errech­net sich die monat­li­che Alters­ren­te jeweils im Wege der Mul­ti­pli­ka­ti­on der bis zum Ren­ten­be­ginn erwor­be­nen Ver­sor­gungs­punk­te mit dem Mess­be­trag von 4 EUR (§ 33 Abs. 1 der ZVK-Sat­zung einer­seits, § 35 Abs. 1 VBL-Sat­zung ande­rer­seits). Auch die Rege­lun­gen zur Höhe der Ren­te wegen teil­wei­ser Erwerbs­min­de­rung sind deckungs­gleich (§ 33 Abs. 2 der ZVK-Sat­zung einer­seits, § 35 Abs. 2 VBL-Sat­zung ande­rer­seits). Wei­ter wird sowohl die lau­fen­de Ren­te aus der Pflicht­ver­si­che­rung der VBL als auch die lau­fen­de Ren­te aus der Pflicht­ver­si­che­rung der ZVK jeweils zum 1.07.jeden Jah­res um 1 % ihres Betra­ges erhöht (vgl. § 37 der ZVK-Sat­zung einer­seits, § 39 der VBL-Sat­zung ande­rer­seits).

Über­ein­stim­mung besteht außer­dem hin­sicht­lich der Finan­zie­rungs­art. Denn sowohl die Pflicht­ver­si­che­rung der ZVK als auch die Pflicht­ver­si­che­rung der VBL sind umla­gen­fi­nan­ziert, d.h. die Ren­ten der heu­ti­gen Ren­ten­be­zie­her wer­den gemäß §§ 60 ff. der ZVK-Sat­zung bzw. gemäß §§ 60, 61 der VBL-Sat­zung nach dem Umla­ge­prin­zip mit den Bei­trä­gen der der­zei­ti­gen Bei­trags­zah­ler (Arbeit­neh­mer) finan­ziert.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 27. März 2015 – 15 UF 48/​15

  1. Anschluss an OLG Hamm Beschluss vom 21.08.2013 – 8 UF 126/​13[]
  2. BT-Drs. 16/​11903 S. 54, 16/​10144 S. 55[]
  3. OLG Hamm Beschluss vom 21.08.2013 – 8 UF 126/​13 3; OLG Köln Fam­RZ 2012, 1806; juris­PK-BGB/Breu­ers 7. Aufl.2014 § 18 VersAus­glG Rn. 52 mwN[]