Fest­stel­lungs­an­trag auf künf­ti­gen schuld­recht­li­chen Ver-sor­gungs­aus­gleich

Einem Fest­stel­lungs­an­trag im Hin­blick auf einen künf­ti­gen schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich fehlt grund­sätz­lich das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se, wenn die bean­trag­te Fest­stel­lung den genau­en Inhalt des Anspruchs auf schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich unbe­stimmt lässt und eine Fest­stel­lungs­ent­schei­dung damit nicht geeig­net wäre, wei­te­re Ver­fah­ren über den schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich über­flüs­sig zu machen1.

Fest­stel­lungs­an­trag auf künf­ti­gen schuld­recht­li­chen Ver-sor­gungs­aus­gleich

Grund­sätz­lich bleibt die Ent­schei­dung über den schuld- recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich hin­aus­ge­scho­ben, bis die­ser nach § 20 VersAus­glG durch­ge­führt wer­den kann2. Wenn fest­stel­len­de Ent­schei­dun­gen im Rah­men des Ver­sor­gungs­aus­gleichs etwa ana­log § 256 ZPO auch nicht gene­rell aus­ge­schlos­sen sind3, kön­nen sol­che im Bereich des schuld­recht­li­chen Aus­gleichs nur in eng begrenz­ten Aus­nah­me­fäl­len in Betracht kom­men, weil bis zum Fäl­lig­keits­zeit­punkt (§ 20 VersAus­glG; zuvor § 1587 g Abs. 1 Satz 2 BGB) mög­li­che Ver­än­de­run­gen in den Vor­aus­set­zun­gen zu Grund und Höhe kaum Raum für ver­läss­li­che Vor­aus­sa­gen und damit für die Beja­hung eines Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses las­sen4. Damit steht im Ein­klang, dass dem nach § 224 Abs. 4 FamFG im Schei­dungs­be­schluss ent­hal­te- nen Vor­be­halt eines spä­te­ren schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleichs regel­mä­ßig nur dekla­ra­to­ri­sche Bedeu­tung zukommt5.

Am Fest­stel­lungs­in­ter­es­se fehlt es dem­nach grund­sätz­lich dann, wenn die bean­trag­te Fest­stel­lung den genau­en Inhalt des Rechts­ver­hält­nis­ses, nament­lich des Anspruchs auf schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich, unbe­stimmt lässt und eine Fest­stel­lungs­ent­schei­dung damit nicht geeig­net wäre, wei­te­re Ver­fah­ren über den schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich über­flüs­sig zu machen.

In Aus­nah­me­fäl­len kann aller­dings ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se auch ohne eine abschlie­ßend zu bezif­fern­de schuld­recht­li­che Aus­gleichs­ren­te bestehen, wenn die Unsi­cher­heit bereits dar­in besteht, ob über­haupt ein schuld­recht­li­cher Ver­sor­gungs­aus­gleich durch­zu­füh­ren sein wird oder ob bestimm­te Anrech­te in den schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich fal­len und der jewei­li­ge mög­li­che Anspruchs­geg­ner dies in Abre­de stellt6.

Nach die­sen Maß­stä­ben steht es mit der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung noch im Ein­klang, den Fest­stel­lungs­an­trag der Ehe­frau als zuläs­sig anzu­se­hen, wenn der Ehe­mann bereits in Abre­de stellt, dass die Lebens­ver­si­che­run­gen über­haupt dem schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich unter­fal­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2015 – XII ZB 166/​13

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 18.09.1996 XII ZB 58/​95 Fam­RZ 1996, 1465; und vom 07.12 1983 IVb ZB 553/​80 Fam­RZ 1984, 251 []
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 07.12 1983 IVb ZB 553/​80 Fam­RZ 1984, 251, 254 []
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 22.10.2008 XII ZB 110/​06 Fam­RZ 2009, 215; und vom 14.10.1981 IVb ZB 560/​80 Fam­RZ 1982, 42; vgl. auch BGH, Beschluss vom 07.12 1983 IVb ZB 553/​80 Fam­RZ 1984, 251, 254 []
  4. BGH, Beschluss vom 18.09.1996 XII ZB 58/​95 Fam­RZ 1996, 1465 []
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 24.06.2015 XII ZB 495/​12 21; und vom 03.09.2008 XII ZB 203/​06 Fam­RZ 2008, 2263 Rn. 11 []
  6. vgl. BGH, Urteil vom 12.01.2005 XII ZR 238/​03 Fam­RZ 2005, 691; BGH, Beschlüs­se vom 22.10.2008 XII ZB 110/​06 Fam­RZ 2009, 215; und vom 18.09.1996 XII ZB 58/​95 Fam­RZ 1996, 1465, 1466 []