Fest­stel­lungs­an­trag der Behör­de im erle­dig­ten Betreu­ungs­ver­fah­ren

Nach Erle­di­gung der Haupt­sa­che im Betreu­ungs­ver­fah­ren kann von der Betreu­ungs­be­hör­de kein Fest­stel­lungs­an­trag nach § 62 FamFG gestellt wer­den 1.

Fest­stel­lungs­an­trag der Behör­de im erle­dig­ten Betreu­ungs­ver­fah­ren

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat das Amts­ge­richt Ham­burg-Har­burg eine Betreu­ung ein­ge­rich­tet und auf aus­drück­li­chen Wunsch der Betrof­fe­nen eine bestimm­te Per­son als Berufs­be­treue­rin bestimmt 2. Dage­gen hat die Betreu­ungs­be­hör­de Beschwer­de ein­ge­legt, mit der sie bean­stan­det hat, dass die Betreue­rin auf­grund der Viel­zahl der von ihr geführ­ten recht­li­chen Betreu­un­gen nicht in der Lage sei, die Betrof­fe­ne im erfor­der­li­chen Umfang per­sön­lich zu betreu­en. Das Land­ge­richt Ham­burg hat die Beschwer­de zurück­ge­wie­sen 3. Hier­ge­gen rich­tet sich die Rechts­be­schwer­de der Betreu­ungs­be­hör­de, mit der sie – nach­dem das Amts­ge­richt Ham­burg inzwi­schen die Betreu­ung wegen feh­len­der Betreu­bar­keit auf­ge­ho­ben hat – die Fest­stel­lung begehrt, dass die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung die Beschwer­de­füh­re­rin in ihren Rech­ten ver­letzt habe. Der Bun­des­ge­richts­hof wies die Rechts­be­schwer­de zurück:

Die Rechts­be­schwer­de ist gemäß § 70 Abs. 3 Nr. 1 FamFG auch ohne Zulas­sung durch das Beschwer­de­ge­richt statt­haft, weil das Ver­fah­ren eine Betreu­ungs­sa­che zur Bestel­lung eines Betreu­ers zum Gegen­stand hat. Dar­an ändert nichts, dass sich die Rechts­be­schwer­de nicht gegen die Anord­nung der Betreu­ung als sol­che, son­dern nur gegen die gleich­zei­ti­ge Aus­wahl des Betreu­ers wen­det 4.

Dadurch, dass das Amts­ge­richt die ein­ge­rich­te­te Betreu­ung durch zwi­schen­zeit­li­chen Beschluss vom 08.05.2014 auf­ge­ho­ben hat, ist das Ver­fah­ren betref­fend die Anord­nung der Betreu­ung in der Haupt­sa­che erle­digt.

Gemäß § 62 FamFG kann in dem Fall das Rechts­mit­tel­ge­richt auf Antrag aus­spre­chen, dass die Ent­schei­dung des Gerichts des ers­ten Rechts­zugs den Beschwer­de­füh­rer in sei­nen Rech­ten ver­letzt hat, wenn der Beschwer­de­füh­rer ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Fest­stel­lung hat. Die­se Vor­schrift gilt auch im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren 5.

Die Betreu­ungs­be­hör­de ist jedoch nicht befugt, eine Sach­ent­schei­dung über einen Fest­stel­lungs­an­trag nach § 62 Abs. 1 FamFG her­bei­zu­füh­ren, denn für die­sen Antrag fehlt ihr die erfor­der­li­che Antrags­be­rech­ti­gung.

Ein Antrags­recht ergibt sich für die Betreu­ungs­be­hör­de ins­be­son­de­re nicht aus § 303 Abs. 1 Nr. 1 FamFG, wonach ihr das Recht der Beschwer­de gegen Ent­schei­dun­gen u.a. über die Bestel­lung eines Betreu­ers ein­ge­räumt ist. Denn § 62 Abs. 1 FamFG setzt nach sei­nem ein­deu­ti­gen Wort­laut vor­aus, dass der "Beschwer­de­füh­rer" selbst durch die erle­dig­te Maß­nah­me in sei­nen Rech­ten ver­letzt wor­den ist. Dem­ge­mäß kann nur der­je­ni­ge Betei­lig­te nach § 62 Abs. 1 FamFG antrags­be­fugt sein, des­sen eige­ne Rechts­sphä­re betrof­fen ist und der ein berech­tig­tes Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nach § 62 Abs. 2 FamFG hat. Hier­aus hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits abge­lei­tet, dass dem Ver­fah­rens­pfle­ger des Betrof­fe­nen trotz sei­nes Beschwer­de­rechts kein eige­nes Antrags­recht nach § 62 Abs. 1 FamFG zusteht 6. Das­sel­be gilt für den nach § 303 Abs. 2 FamFG pri­vi­le­gier­ten Per­so­nen­kreis bestimm­ter Ange­hö­ri­ger und Ver­trau­ens­per­so­nen des Betrof­fe­nen 7. Eben­so wie die­sen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten steht auch der Betreu­ungs­be­hör­de das Antrags­recht nach § 62 FamFG nicht zu.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. August 2014 – XII ZB 205/​14

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 15.02.2012 – XII ZB 389/​11 , Fam­RZ 2012, 619; vom 24.10.2012 – XII ZB 404/​12 , Fam­RZ 2013, 29; und vom 13.11.2013 – XII ZB 681/​12 , Fam­RZ 2014, 108[]
  2. AG Ham­burg-Har­burg, Beschluss vom 29.11.2013 – 608 XVII R 2719[]
  3. LG Ham­burg, Beschluss vom 14.04.2014 – 309 T 191/​13[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 09.02.2011 – XII ZB 364/​10 , Fam­RZ 2011, 632 Rn. 8; und vom 15.09.2010 – XII ZB 166/​10 , Fam­RZ 2010, 1897 Rn. 10[]
  5. BGH, Beschluss vom 04.06.2014 – XII ZB 121/​14 , Fam­RZ 2014, 1358 Rn. 5 mwN[]
  6. BGH, Beschluss vom 15.02.2012 – XII ZB 389/​11 , Fam­RZ 2012, 619 Rn. 13[]
  7. BGH, Beschluss vom 24.10.2012 – XII ZB 404/​12 , Fam­RZ 2013, 29 Rn. 6 ff.; vgl. auch BGH, Beschluss vom 13.11.2013 – XII ZB 681/​12 , Fam­RZ 2014, 108 Rn. 4[]