Gebüh­ren­ma­nage­ment beim Ver­eins­vor­mund

Begehrt ein Ver­ein, der als Pfle­ger bestellt ist, sei­ne Ent­las­sung und die Bestel­lung sei­nes Mit­ar­bei­ters, um ent­spre­chend den Vor­schrif­ten zum Betreu­ungs­recht eine Ver­gü­tung bean­spru­chen zu kön­nen, ist die­sem Antrag grund­sätz­lich statt­zu­ge­ben, auch wenn der Ver­ein bei sei­ner Bestel­lung nach der sei­ner­zeit gel­ten­den Rechts­la­ge kei­nen Ver­gü­tungs­an­spruch hat­te.

Gebüh­ren­ma­nage­ment beim Ver­eins­vor­mund

Gemäß § 1915 Abs. 1 i.V.m. § 1889 Abs. 2 Satz 1 BGB hat das Fami­li­en­ge­richt das Jugend­amt oder den Ver­ein als Vor­mund (bzw. Pfle­ger i.S.d. § 1909 BGB) auf sei­nen Antrag zu ent­las­sen, wenn eine ande­re als Vor­mund (Pfle­ger) geeig­ne­te Per­son vor­han­den ist und das Wohl des Mün­dels die­ser Maß­nah­me nicht ent­ge­gen­steht. Nach Satz 2 ist ein Ver­ein auf sei­nen Antrag fer­ner zu ent­las­sen, wenn ein wich­ti­ger Grund vor­liegt. Die Ent­schei­dung steht nicht im Ermes­sen des Fami­li­en­ge­richts.

§ 1889 BGB regelt damit die Ent­las­sung des Vor­munds (Pfle­gers) auf­grund sei­nes eige­nen Inter­es­ses. Die Norm ver­leiht dem Vor­mund daher einen eige­nen Anspruch auf Ent­las­sung 1. Von dem Tat­be­stands­merk­mal "wich­ti­ger Grund" im Sin­ne des § 1989 Abs. 2 Satz 2 BGB wer­den dabei auch berech­tig­te wirt­schaft­li­che Inter­es­sen des Ver­eins umfasst 2.

Gemes­sen hier­an lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ent­las­sung des Vor­mund­schafts­ver­eins vor, und zwar sowohl nach § 1889 Abs. 2 Satz 2 BGB wie auch nach des­sen Satz 1. Es liegt ein wich­ti­ger Grund i.S.d. § 1889 Abs. 2 Satz 2 BGB vor. Nach der gel­ten­den Rechts­la­ge kann der zum Pfle­ger bestell­te Vor­mund­schafts­ver­ein kei­ne Ver­gü­tung bean­spru­chen. Das hat der Bun­des­ge­richts­hof in Ände­rung sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung mit Beschluss vom 25. Mai 2011 3 für einen Ver­ein, der gemäß § 1791 a BGB selbst zum Vor­mund bestellt wird, ent­schie­den. Gemäß § 1915 Abs. 1 BGB gilt Ent­spre­chen­des für den zum Pfle­ger bestell­ten Ver­ein.

In die­ser Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof aller­dings zugleich aus­ge­führt, dass der Ver­ein für sei­nen Mit­ar­bei­ter, der zum Vor­mund bestellt wor­den ist, eine Ver­gü­tung bean­spru­chen kann, wobei § 1897 Abs. 2 Satz 1 BGB i.V.m. § 7 VBVG ent­spre­chend her­an­zu­zie­hen ist 4. Auch dies gilt gemäß § 1915 Abs. 1 BGB ent­spre­chend für einen zum Pfle­ger bestell­ten Mit­ar­bei­ter des Ver­eins, wobei § 1915 Abs. 1 Satz 2 BGB zu beach­ten ist.

Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf maß­geb­lich dar­auf abstellt, dass der Vor­mund­schafts­ver­ein im vor­lie­gen­den Fall 5 bei sei­ner Bestel­lung im Jahr 2006 auch schon kei­ne Ver­gü­tung habe bean­spru­chen kön­nen, wes­halb es an einem wich­ti­gen Grund feh­le, kann ihm nicht gefolgt wer­den. Unbe­scha­det der Fra­ge, ob § 1889 Abs. 2 Satz 2 BGB über sei­nen Wort­laut hin­aus über­haupt eine nach­träg­li­che Ände­rung der wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se ver­langt, liegt eine sol­che hier jeden­falls vor. Denn seit dem BGH-Beschluss vom 25. Mai 2011 3 ist erst­mals höchst­rich­ter­lich ent­schie­den, dass § 1897 Abs. 2 Satz 1 BGB i.V.m. § 7 VBVG auf den Ver­eins­vor­mund ent­spre­chend anwend­bar ist. Zwar wur­de eine ana­lo­ge Anwen­dung in der Ver­gan­gen­heit ver­ein­zelt auch von den Instanz­ge­rich­ten für mög­lich gehal­ten 6. Die­se Fra­ge war aber strei­tig, wie dem Vor­la­ge­be­schluss des Baye­ri­schen Obers­ten Lan­des­ge­richts zu ent­neh­men ist 7.

Es braucht des­halb nicht wei­ter erör­tert zu wer­den, ob dane­ben auch die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ent­las­sung nach § 1889 Abs. 2 Satz 1 BGB vor­lie­gen. Danach hat das Fami­li­en­ge­richt den Ver­ein als Vor­mund (Pfle­ger) auf sei­nen Antrag zu ent­las­sen, wenn eine ande­re als Vor­mund (Pfle­ger) geeig­ne­te Per­son vor­han­den ist und das Wohl des Mün­dels die­ser Maß­nah­me nicht ent­ge­gen­steht. Nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts hat die Betei­lig­te zu 2, die nach dem Wunsch des Vor­mund­schafts­ver­eins nun­mehr als Ver­eins­pfle­ge­rin bestellt wer­den soll, bereits seit 2006 die­se Auf­ga­be für den Ver­ein über­nom­men. Von daher wür­de sich für das Kind nichts ändern, wes­halb auch kei­ne Grün­de ersicht­lich sind, die einer Ent­las­sung des Vor­mund­schafts­ver­eins gemäß § 1889 Abs. 2 Satz 1 BGB ent­ge­gen­stün­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. März 2013 – XII ZB 398/​12

  1. Münch­Komm-BGB/­Wa­genitz 6. Aufl. § 1889 Rn. 1[]
  2. vgl. Münch­Komm-BGB/­Wa­genitz 6. Aufl. § 1889 Rn. 7[]
  3. BGH, Beschluss vom 25.05.2011 – XII ZB 625/​10 Fam­RZ 2011, 1394[][]
  4. BGH, Beschluss vom 25.05.2011 – XII ZB 625/​10 Fam­RZ 2011, 1394 Rn. 22 ff.[]
  5. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 05.06.2012 – II-1 WF 18/​12; anders: OLG Düs­sel­dorf Beschlüs­se vom 09.05.2012 – 1 WF 17/​12, Fam­RZ 2013, 54 f. []
  6. vgl. OLG Köln Fam­RZ 2001, 1400[]
  7. BayO­bLG Fam­RZ 2003, 1588[]
  8. vgl. noch BGH, Beschluss vom 14.03.2007 – XII ZB 148/​03, Fam­RZ 2007, 900[]