Gegen­stands­wert bei ste­cken­ge­blie­be­nen Stu­fen­an­trä­gen

Bei ste­cken­ge­blie­be­nen Stu­fen­an­trä­gen rich­tet sich der Gegen­stands­wert min­des­tens nach der Höhe der außer­ge­richt­lich gel­tend gemach­ten For­de­rung. Für nicht ver­bund­fä­hi­ge Ver­fah­ren, die von einem Betei­lig­ten im Ver­bund gel­tend gemacht und bis zur Been­di­gung des Ver­fah­rens nicht abge­trennt wer­den, ist im Ver­bund ein Gegen­stands­wert fest­zu­set­zen.

Gegen­stands­wert bei ste­cken­ge­blie­be­nen Stu­fen­an­trä­gen

Gemäß § 38 FamGKG ist in Fäl­len eines Stu­fen­kla­ge­an­spru­ches für die Wert­be­rech­nung nur einer der ver­bun­de­nen Ansprü­che, und zwar der höchs­te, maß­ge­bend. Dies ist regel­mä­ßig der in der Zah­lungs­stu­fe gel­tend gemach­te Leis­tungs­an­trag. Kommt es zu des­sen Bezif­fe­rung im gericht­li­chen Ver­fah­ren nicht mehr (soge­nann­te ste­cken­ge­blie­be­ne Stu­fen­kla­ge), ist der Wert nach der ursprüng­li­chen Leis­tungs­er­war­tung zu bemes­sen [1]. Abzu­stel­len ist folg­lich auf den zunächst vor­ge­stell­ten Zah­lungs­an­spruch, auch wenn ihn die Antrag­stel­le­rin letzt­end­lich nicht mehr wei­ter­ver­folgt hat, selbst wenn dies dar­auf beru­hen mag, dass es sich um eine über­setzt geäu­ßer­te Begeh­rens­vor­stel­lung gehan­delt hat [2]. In einem sol­chen Fall ist der Wert gemäß § 3 ZPO nach objek­ti­ven Anhalts­punk­ten zu schät­zen. Dabei ist anhand des in das Ver­fah­ren ein­ge­führ­ten Tat­sa­chen­vor­trags der antrag­stel­len­den Par­tei danach zu fra­gen, wel­che Vor­stel­lun­gen sie sich vom Wert des Leis­tungs­an­spruchs gemacht hat (BGH, FamRZ 1993, 1189). Einen siche­ren und ver­wert­ba­ren Anhalts­punkt dafür lie­fert ins­be­son­de­re die Höhe der in Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen außer­ge­richt­lich gel­tend gemach­te For­de­rung [3].

Auch ist nicht auf eine even­tu­el­le Erfolgs­aus­sicht der gericht­li­chen Gel­tend­ma­chung abzu­stel­len. Zwar weist das Fami­li­en­ge­richt bei sei­ner Wert­fest­set­zung zu Recht dar­auf hin, dass im Fal­le ledig­lich teil­wei­ser Bewil­li­gung von Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe und ent­spre­chen­der Anpas­sung des Antrags der Antrag­stel­le­rin mög­li­cher­wei­se nur ein gerin­ge­rer Anspruch rechts­hän­gig gewor­den wäre, aller­dings hat die Antrag­stel­le­rin ihre Kla­ge nicht von der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe abhän­gig gemacht, son­dern ihren Antrag unbe­dingt ein­ge­reicht und ledig­lich „fer­ner“ Bewil­li­gung von Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bean­tragt. Dem­entspre­chend hat das Fami­li­en­ge­richt auch die Kla­ge unver­züg­lich zuge­stellt und Pro­zess­kos­ten­hil­fe unbe­schränkt bewil­ligt und auch bis zur Ver­fah­rens­be­en­di­gung nicht ein­ge­schränkt. Somit ist auch zwei­fels­frei der gesam­te vor­ge­stell­te Anspruch auf Zuge­winn­aus­gleich mit Zustel­lung der Stu­fen­kla­ge rechts­hän­gig gewor­den und der Gegen­stands­wert hier­aus zu ermit­teln.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 17. Novem­ber 2011 – 18 WF 227/​11

  1. OLG Stutt­gart FamRZ 2008, 533; OLG Bran­den­burg FamRZ 2007, 71; Hand­buch des Fach­an­walts Fami­li­en­recht /​Kes­ke, 8. Aufl., 2011, Kap. 17, Rn. 56[]
  2. OLG Cel­le Jur­Bü­ro 2011, 483[]
  3. OLG Stutt­gart FamRZ 2008, 534[]