Geneh­mi­gung einer Unter­brin­gung eines Betreu­ten ent­ge­gen dem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Nach § 1906 Abs. 2 Satz 1 BGB bedarf die Unter­brin­gung eines Betreu­ten durch den Betreu­er, die mit Frei­heits­ent­zie­hung ver­bun­den ist, grund­sätz­lich der Geneh­mi­gung durch das Betreu­ungs­ge­richt. Die Geneh­mi­gung kann nur erteilt oder auf­recht­erhal­ten wer­den, wenn und solan­ge die Unter­brin­gung nach § 1906 Abs. 1 BGB zuläs­sig ist.

Geneh­mi­gung einer Unter­brin­gung eines Betreu­ten ent­ge­gen dem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Nach § 1906 Abs. 1 Nr. 1 BGB ist die Unter­brin­gung unter ande­rem zuläs­sig, solan­ge sie zum Wohl des Betreu­ten erfor­der­lich ist, weil auf­grund einer psy­chi­schen Erkran­kung oder geis­ti­gen oder see­li­schen Behin­de­rung des Betreu­ten die Gefahr besteht, dass er sich selbst tötet oder erheb­li­chen gesund­heit­li­chen Scha­den zufügt. Auch eine Unter­brin­gung zur Ver­hin­de­rung einer Selbst­schä­di­gung setzt vor­aus, dass der Betreu­te auf Grund sei­ner psy­chi­schen Krank­heit oder sei­ner geis­ti­gen oder see­li­schen Behin­de­rung sei­nen Wil­len nicht frei bestim­men kann 1. Die­ses Erfor­der­nis lässt sich dem Gesetz zwar nicht unmit­tel­bar ent­neh­men, ergibt sich aber aus der Erwä­gung, dass der Staat von Ver­fas­sungs wegen nicht das Recht hat, sei­ne erwach­se­nen und zur frei­en Wil­lens­be­stim­mung fähi­gen Bür­ger zu erzie­hen, zu bes­sern oder dar­an zu hin­dern, sich selbst gesund­heit­lich zu schä­di­gen 2.

Das Gericht ist zwar nicht gehin­dert, eine vom Ergeb­nis des Gut­ach­tens abwei­chen­de Bewer­tung auch zur Fra­ge der frei­en Wil­lens­be­stim­mung vor­zu­neh­men, wenn sich aus dem Gut­ach­ten genü­gend Anknüp­fungs­tat­sa­chen für eine abwei­chen­de Bewer­tung erge­ben 3. Will der Tatrich­ter aller­dings einem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nicht fol­gen, muss er eine von dem ein­ge­hol­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten abwei­chen­de Beur­tei­lung in sei­ner Ent­schei­dung sach­kun­dig und aus­führ­lich begrün­den 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Febru­ar 2014 – XII ZB 614/​13

  1. BGH, Beschlüs­se vom 13.01.2010 XII ZB 248/​09 Fam­RZ 2010, 365 Rn. 13; und vom 17.08.2011 XII ZB 241/​11 Fam­RZ 2011, 1725 Rn. 12[]
  2. BayO­bLG Fam­RZ 1993, 600; OLG Mün­chen Fam­RZ 2005, 1196, 1197 mwN[]
  3. vgl. OLG Mün­chen FGPrax 2007, 267, 268[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 14.11.2012 XII ZB 344/​12 Fam­RZ 2013, 284 Rn. 10; und vom 14.12 2011 XII ZB 171/​11 Fam­RZ 2012, 441 Rn. 12; Prütting/​Helms/​Roth FamFG 3. Aufl. § 321 Rn. 6; Keidel/​Budde FamFG 18. Aufl. § 280 Rn. 28; Münch­Komm-FamFG/­Schmidt-Rec­la 2. Aufl. § 280 Rn. 7[]