Geneh­mi­gung einer Zwangs­be­hand­lung – und die Ver­ant­wort­lich­keit eines Arztes

Ent­hält die Beschluss­for­mel bei der Geneh­mi­gung einer Ein­wil­li­gung in eine ärzt­li­che Zwangs­maß­nah­me oder bei deren Anord­nung kei­ne Anga­ben zur Durch­füh­rung und Doku­men­ta­ti­on die­ser Maß­nah­me in der Ver­ant­wor­tung eines Arz­tes, ist die Anord­nung ins­ge­samt geset­zes­wid­rig und wird der unter­ge­brach­te Betrof­fe­ne in sei­nen Rech­ten ver­letzt [1].

Geneh­mi­gung einer Zwangs­be­hand­lung – und die Ver­ant­wort­lich­keit eines Arztes

Gemäß § 323 Abs. 2 FamFG muss die Beschluss­for­mel bei der Geneh­mi­gung einer Ein­wil­li­gung in eine ärzt­li­che Zwangs­maß­nah­me oder bei deren Anord­nung Anga­ben dar­über ent­hal­ten, dass die Zwangs­maß­nah­me unter der Ver­ant­wor­tung eines Arz­tes durch­zu­füh­ren und zu doku­men­tie­ren ist. Hier­bei han­delt es sich nicht ledig­lich um einen klar­stel­len­den Aus­spruch. Viel­mehr wird durch den Beschluss­te­nor die Recht­mä­ßig­keit der ärzt­li­chen Zwangs­maß­nah­me unab­hän­gig von aus dem zivil­recht­li­chen Behand­lungs­ver­trag fol­gen­den Pflich­ten dar­an geknüpft, dass die­se Vor­ga­ben erfüllt sind [2].

Das nach § 62 Abs. 1 FamFG erfor­der­li­che berech­tig­te Inter­es­se der Betrof­fe­nen dar­an, die Rechts­wid­rig­keit der – hier durch Zeit­ab­lauf erle­dig­ten Geneh­mi­gung der Ein­wil­li­gung in die ärzt­li­che Zwangs­maß­nah­me und der unter­brin­gungs­ähn­li­chen Maß­nah­men fest­stel­len zu las­sen, liegt regel­mä­ßig vor. Die gericht­li­che Geneh­mi­gung der Ein­wil­li­gung in eine Zwangs­be­hand­lung bedeu­tet stets einen schwer­wie­gen­den Grund­rechts­ein­griff im Sin­ne des § 62 Abs. 2 Nr. 1 FamFG [3]. Nichts ande­res gilt für die hier ange­ord­ne­te Fixie­rung als frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­me nach § 1906 Abs. 4 BGB.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Sep­tem­ber 2020 – XII ZB 57/​20

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 14.01.2015 – XII ZB 470/​14 , FamRZ 2015, 573[]
  2. BGH, Beschluss vom 14.01.2015 – XII ZB 470/​14 , FamRZ 2015, 573 Rn. 7 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 13.05.2020 – XII ZB 541/​19 , FamRZ 2020, 1305 Rn.20 mwN[]

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