Gericht­lich gebil­lig­te Umgangs­ver­ein­ba­run­gen – und die erfor­der­li­che Belehrung

Aus gericht­lich gebil­lig­ten Ver­glei­chen im Sin­ne des § 156 Abs. 2 FamFG fin­det gemäß § 86 Abs. 1 Nr. 2 FamFG die Voll­stre­ckung statt. Der Voll­stre­ckung hat aber der Warn­hin­weis nach § 89 Abs. 2 FamFG vorauszugehen.

Gericht­lich gebil­lig­te Umgangs­ver­ein­ba­run­gen – und die erfor­der­li­che Belehrung

Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren erfüllt die Beleh­rung im Bil­li­gungs­be­schluss vom 06.11.2019 betref­fend die Ver­ein­ba­rung zu den Feri­en­um­gän­gen die gemäß § 89 Abs. 2 FamFG erfor­der­li­chen Anfor­de­run­gen, die sich aus deren Warn­funk­ti­on erge­ben, nicht. In dem Beschluss vom 06.11.2019 wur­den die Betei­lig­ten nur dar­auf hin­ge­wie­sen, dass „für den Fall der Nicht­ein­hal­tung die­ser Ver­ein­ba­rung Ord­nungs­mit­tel ver­hängt wer­den kön­nen.“ Es man­gelt damit an der Anga­be der Ord­nungs­mit­tel und der Ober­gren­zen des zu ver­hän­gen­den Ord­nungs­gel­des und der anzu­ord­nen­den Ord­nungs­haft [1].

Das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg sieht einen sol­chen Warn­hin­weis aber auch im Fal­le einer gericht­lich geneh­mig­ten Ver­ein­ba­rung als not­wen­dig an. Zwar spricht der Wort­laut des § 89 Abs. 2 FamFG nur von „anord­nen­den Beschlüs­sen“ und nicht von gericht­lich bestä­tig­ten Ver­glei­chen, wor­aus teil­wei­se geschlos­sen wird, dass ein Hin­weis auf die Fol­gen der Zuwi­der­hand­lung bei einem gericht­lich bestä­tig­ten Ver­gleich nicht erfor­der­lich sei [2], doch stellt die Bil­li­gung der Umgangs­re­ge­lung durch das Gericht gemäß § 156 Abs. 2 S. 2 FamFG selbst eine gericht­li­che End­ent­schei­dung dar [3]. Bei gericht­lich gebil­lig­ten Ver­glei­chen über den Umgang ist der Hin­weis auf die Fol­gen der Zuwi­der­hand­lung des­halb in der Regel in den Beschluss über die gericht­li­che Bil­li­gung auf­zu­neh­men [4]. Dies gilt auch dann, wenn, wie hier vor­lie­gend, bei einer frü­he­ren gericht­lich gebil­lig­ten Ver­ein­ba­rung bereits ein ord­nungs­ge­mä­ßer Hin­weis auf mög­li­che Ord­nungs­mit­tel erfolg­te und der Betref­fen­de bereits hier­über hät­te gewarnt sein kön­nen Der Ord­nungs­geld­be­schluss vom 03.06.2020 war daher aus die­sem Grund auf­zu­he­ben, soweit ein Ver­stoß gegen die Umgangs­re­ge­lung vom 06.11.2019 zu den Feri­en­um­gän­gen – hier ver­wei­ger­ter Umgang in den Oster­fe­ri­en – sank­tio­niert wurde.

Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg, Beschluss vom 15. Sep­tem­ber 2020 – 10 WF 622/​20

  1. vgl. OLG Olden­burg, FamRZ 2014, 145 m. w. N.[]
  2. vgl. Vogel, FPR 2011, 526, 527[]
  3. vgl. Lorenz in Zöl­ler, ZPO, 33. Auf­la­ge, § 156 FamFG Rn. 3 m. Hin­wei­sen zum Streit­stand[]
  4. Zim­mer­mann in Münch­Komm-FamFG, 2. Auf­la­ge, § 89 FamFG Rn. 8; Giers in Kei­del, FamFG, 18. Auf­la­ge, § 89 FamFG, Rn. 12; Ham­mer in Prütting/​Helms, FamFG, 3. Aufl., § 89 FamFG, Rn. 10[]

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