Haus­halts­ge­gen­stän­de im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten

Haus­halts­ge­gen­stän­de, die im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen, kön­nen im Haus­halts­ver­fah­ren nicht (mehr) dem ande­ren Ehe­gat­ten zuge­wie­sen wer­den und unter­lie­gen dem Zuge­winn­aus­gleich 1.

Haus­halts­ge­gen­stän­de im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten

Sie unter­fal­len auch dann dem Zuge­winn­aus­gleich, wenn die Haus­rats­ver­tei­lung noch nach der bis zum 31. August 2009 gel­ten­den Haus­rats­VO durch­ge­führt wur­de, sofern nicht aus­nahms­wei­se eine ander­wei­ti­ge Zuwei­sung im Haus­rats­ver­fah­ren vor­ge­nom­men wur­de 2.

Abgren­zung zwi­schen Zuge­winn­aus­gleich und Haus­rats­ver­tei­lung

Für den Zuge­winn­aus­gleich und sei­ne Abgren­zung von den mate­ri­el­len Vor­schrif­ten über die Haus­rats­ver­tei­lung ist das bei Ent­schei­dung in der Revi­si­ons­in­stanz gel­ten­de Recht anzu­wen­den.

Durch das Gesetz zur Ände­rung des Zuge­winn­aus­gleichs- und Vor­mund­schafts­rechts 3 ist zum 1. Sep­tem­ber 2009 die Haus­rats­ver­ord­nung auf­ge­ho­ben und § 1568 b BGB ein­ge­führt wor­den. Das neue – mate­ri­el­le – Recht kommt man­gels einer ent­spre­chen­den Über­gangs­re­ge­lung im vor­lie­gen­den Fall zur Anwen­dung 4.

Nach der Neu­re­ge­lung in § 1568 b BGB besteht ein Anspruch auf Über­las­sung und Über­eig­nung von Haus­halts­ge­gen­stän­den, der sich allein auf die im gemein­sa­men Eigen­tum der Ehe­leu­te ste­hen­den Haus­halts­ge­gen­stän­de rich­ten kann. Die Haus­halts­ge­gen­stän­de im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten blei­ben hin­ge­gen nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers dem güter­recht­li­chen Aus­gleich vor­be­hal­ten 5. Die­se Auf­fas­sung beruht auf der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, ins­be­son­de­re des Senats, nach wel­cher im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen­de Haus­rats­ge­gen­stän­de grund­sätz­lich dem Zuge­winn­aus­gleich unter­lie­gen 6. Die Gegen­stän­de sind dem­nach nicht nur im End­ver­mö­gen, son­dern not­wen­di­ger­wei­se auch im Anfangs­ver­mö­gen zu berück­sich­ti­gen.

Soweit die vor­ge­nann­te Recht­spre­chung – über­ein­stim­mend mit dem Beru­fungs­ge­richt – dahin kri­ti­siert wor­den ist, dass auch im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen­de Gegen­stän­de nicht in den Zuge­winn­aus­gleich fie­len, son­dern von der Haus­rats­ver­tei­lung abschlie­ßend erfasst wür­den 7, ist inso­weit die Abgren­zung zwi­schen Haus­rats­ver­tei­lung und Zuge­winn­aus­gleich jeden­falls nach der neu­en Rechts­la­ge nicht mehr zwei­fel­haft. Denn danach ist eine Über­tra­gung von im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen­den Gegen­stän­den nicht mehr mög­lich 8. Zwar ist auch gemäß § 1568 b BGB ent­spre­chend der frü­he­ren Rechts­la­ge auf Bil­lig­keits­kri­te­ri­en abzu­stel­len, ins­be­son­de­re dar­auf, wel­cher Ehe­gat­te unter Berück­sich­ti­gung des Wohls der im Haus­halt leben­den Kin­der und der Lebens­ver­hält­nis­se der Ehe­gat­ten in stär­ke­rem Maße auf die Nut­zung ange­wie­sen ist 9. Wenn dem­nach im Ein­zel­fall in die Bil­lig­keits­be­trach­tung ein­flie­ßen kann, dass etwa bei einem Ehe­gat­ten bereits Gegen­stän­de vor­han­den sind, die in des­sen Allein­ei­gen­tum ste­hen, hat die­ser Umstand indes­sen unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung und kann nicht dazu füh­ren, dass die Gegen­stän­de im Zuge­winn­aus­gleich außer Ansatz gelas­sen wer­den dürf­ten.

Haus­rat­ver­tei­lung nach altem Recht

Der Bun­des­ge­richts­hof hat aller­dings zuletzt offen gelas­sen, ob die­se Grund­sät­ze auch unein­ge­schränkt gel­ten, wenn die Haus­rats­ver­tei­lung noch nach altem Recht durch­ge­führt wor­den ist 10, wie es im vor­lie­gen­den Fall gesche­hen ist.
Der Bun­des­ge­richts­hof hält aber auch inso­weit an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung fest, dass Haus­rats­ge­gen­stän­de im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten grund­sätz­lich dem Zuge­winn­aus­gleich unter­fal­len.

Die hier­ge­gen ange­führ­ten Grün­de geben zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung kei­nen Anlass. Denn die Haus­rats­ver­tei­lung nach der Haus­rats­VO ent­hielt eben­falls den Grund­satz, dass Gegen­stän­de im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten dem Eigen­tü­mer ver­blie­ben und dem­nach nicht Gegen­stand des Haus­rats­ver­tei­lungs­ver­fah­rens wur­den. Da es sich bei Haus­rats­ge­gen­stän­den – etwa bei Kunst­wer­ken – durch­aus um Gegen­stän­de von beträcht­li­chem Wert han­deln kann 11, wäre es nicht ein­zu­se­hen, dass sol­che Gegen­stän­de weder im Haus­rats­ver­tei­lungs­ver­fah­ren noch im güter­recht­li­chen Aus­gleich Berück­sich­ti­gung fin­den soll­ten. Dass sich das Inter­es­se der Par­tei­en vor­wie­gend auf den Gegen­stand selbst rich­te und häu­fig das Affek­ti­ons­in­ter­es­se im Vor­der­grund ste­he, trifft jeden­falls in die­ser All­ge­mein­heit nicht zu. Das Glei­che gilt für das Argu­ment des Beru­fungs­ge­richts, dass der Wert des gesam­ten Haus­rats – also auch der im Allein­ei­gen­tum ste­hen­den Gegen­stän­de – bei der Haus­rats­ver­tei­lung berück­sich­tigt wür­de.

Schließ­lich kön­nen auch all­ge­mei­ne Erwä­gun­gen der Prak­ti­ka­bi­li­tät hier nicht den Aus­schlag geben, was im Übri­gen auch der – oben auf­ge­zeig­ten – neue­ren gesetz­li­chen Ent­wick­lung ent­spricht.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat aller­dings in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung auf mög­li­che Aus­nah­men hin­ge­wie­sen, die im Ein­zel­fall zur Ver­mei­dung von Wider­sprü­chen zwi­schen bei­den Aus­gleichs­sys­te­men ange­zeigt sein kön­nen. Vom Grund­satz der Berück­sich­ti­gung im Zuge­winn­aus­gleich ist etwa abzu­wei­chen, wenn die Ehe­gat­ten sich über eine Ein­be­zie­hung von Gegen­stän­den in die Haus­rats­ver­tei­lung geei­nigt haben 12. Ent­spre­chen­des muss gel­ten, wenn der Gegen­stand vom Fami­li­en­ge­richt im Rah­men der Haus­rats­ver­tei­lung gemäß § 9 Abs. 1 Haus­rats­VO dem ande­ren Ehe­gat­ten zuge­wie­sen wor­den ist. Dazu genügt es indes­sen nicht, dass nach einer im Rah­men eines Haus­rats­ver­fah­rens ergan­ge­nen Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts oder einer Eini­gung der Par­tei­en bestimm­te Gegen­stän­de an den Allein­ei­gen­tü­mer her­aus­ge­ge­ben wer­den müs­sen. Denn der­ar­ti­ge Rege­lun­gen beru­hen – ohne Rück­sicht auf ihre ver­fah­rens­recht­li­che Behand­lung – in der Sache auf dem Eigen­tums­recht (§ 985 BGB). Sie erfor­dern kei­ne Zuwei­sungs­ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts und wider­spre­chen auch nicht der Berück­sich­ti­gung im Zuge­winn­aus­gleich.

Etwas ande­res kann dem­nach im vor­lie­gen­den Fall nur gel­ten, wenn nach der Haus­rats­VO ein­zel­ne Gegen­stän­de im Allein­ei­gen­tum des einen Ehe­gat­ten dem ande­ren zuge­wie­sen wor­den sind und hier­für etwa eine Ent­schä­di­gung fest­ge­setzt wor­den ist oder ein sons­ti­ger Wert­aus­gleich statt­ge­fun­den hat. Dass in der zwi­schen den Par­tei­en ergan­ge­nen Haus­rats­ent­schei­dung Gegen­stän­de im Allein­ei­gen­tum der Beklag­ten dem Klä­ger oder aber umge­kehrt zuge­wie­sen wor­den sein sol­len, hat das Beru­fungs­ge­richt nicht fest­ge­stellt. Eine Ein­be­zie­hung in die Haus­rats­ver­tei­lung in dem Sin­ne, dass Gegen­stän­de dem Allein­ei­gen­tü­mer vom Besit­zer her­aus­zu­ge­ben sind, reicht – wie aus­ge­führt – nicht aus.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Mai 2011 – XII ZR 33/​09

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 17.11.2010 – XII ZR 170/​09, Fam­RZ 2011, 183[]
  2. im Anschluss an BGH, Urtei­le in BGHZ 89, 137 = Fam­RZ 1984, 144; in BGHZ 113, 325 = Fam­RZ 1991, 1166; sowie vom 24.10.1990 – XII ZR 101/​89, Fam­RZ 1991, 43[]
  3. vom 06.07.2009, BGBl. I S. 1696[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 17.11.2010 – XII ZR 170/​09, Fam­RZ 2011, 183 Rn. 62; vgl. BT-Drucks. 16/​10798 S. 25; OLG Schles­wig, Beschluss vom 24.03.2010 – 15 UF 166/​09, zur Anwen­dung von § 1568 a BGB[]
  5. BT-Drucks. 16/​10798 S. 23[]
  6. BGHZ 89, 137, 144 ff. = Fam­RZ 1984, 144, 146 f.; Senats­ur­tei­le BGHZ 113, 325, 333 = Fam­RZ 1991, 1166, 1168 f.; und vom 24.10.1990 – XII ZR 101/​89, Fam­RZ 1991, 43, 49[]
  7. so etwa Schwab, Hand­buch des Schei­dungs­rechts, 5. Aufl., Rn. 28 m.w.N.[]
  8. BGH, Urteil vom 17.11.2010 – XII ZR 170/​09, Fam­RZ 2011, 183 Rn. 62; Johannsen/​Henrich/​Jaeger Fami­li­en­recht, 5. Aufl. § 1374 Rn. 14; Staudinger/​Weinreich, BGB [2010], § 1568 b Rn. 53; Münch­Komm-BGB/­Koch, 5. Aufl., § 1375 Rn. 7; vgl. auch Schwab Hand­buch des Schei­dungs­rechts, 6. Aufl. Rn. 30[]
  9. vgl. Münch­Komm-BGB/Wel­len­ho­fer, 5. Aufl. § 1568 b Rn. 11[]
  10. BGH, Urteil vom 17.11.2010 – XII ZR 170/​09, Fam­RZ 2011, 183 Rn. 62[]
  11. vgl. BGH, Beschluss vom 14.03.1984 – IVb ARZ 59/​83, Fam­RZ 1984, 575[]
  12. Senats­ur­teil BGHZ 113, 325, 333 f. = Fam­RZ 1991, 1166, 1168 f.[]