Höchst­be­trag im Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die spä­te­re Abän­de­rung

Dass ein Teil eines Ver­sor­gungs­an­rechts im Aus­gangs­ver­fah­ren wegen Über­schrei­tens des Höchst­be­trags nach § 1587 b Abs. 5 BGB nicht öffent­lich­recht­lich aus­ge­gli­chen wer­den konn­te, kann kei­ne die Abän­de­rung des öffent­lich­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleichs bei der Schei­dung begrün­den­de Wert­än­de­rung im Sin­ne von § 51 Abs. 1 VersAus­glG dar­stel­len.

Höchst­be­trag im Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die spä­te­re Abän­de­rung

Gemäß § 51 Abs. 1 VersAus­glG ändert das Gericht eine Ent­schei­dung über einen öffent­lich­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich, die nach dem bis zum 31.08.2009 gel­ten­den Recht erlas­sen wor­den ist, bei einer wesent­li­chen Wert­än­de­rung auf Antrag ab, indem es die in den Aus­gleich ein­be­zo­ge­nen Anrech­te nach den §§ 9 bis 19 VersAus­glG teilt.

Selbst bei Feh­ler­haf­tig­keit der Aus­gangs­ent­schei­dung wäre hin­ge­gen eine Abän­de­rung nach § 51 VersAus­glG noch nicht eröff­net. Denn mit der Rege­lung des § 51 VersAus­glG hat sich der Gesetz­ge­ber dafür ent­schie­den, die bis­her in wei­tem Umfang bestehen­den Abän­de­rungs­mög­lich­kei­ten nach § 10 a VAHRG ein­zu­schrän­ken. Nach § 10 a Abs. 1 Nr. 1 VAHRG war eine Abän­de­rung for­mell und mate­ri­ell rechts­kräf­ti­ger Ent­schei­dun­gen zur Ver­wirk­li­chung des mate­ri­ell rich­ti­gen Aus­gleich­s­er­geb­nis­ses nicht nur bei nach­träg­li­chen und unvor­her­seh­ba­ren Ver­än­de­run­gen der Anrech­te mög­lich. Viel­mehr genüg­te auch das Vor­lie­gen blo­ßer Feh­ler der Aus­gangs­ent­schei­dung wie Rechen- und Metho­den­feh­ler, unge­nü­gen­de Berech­nungs­grund­la­gen, eine feh­ler­haf­te Bestim­mung der Ehe­zeit oder unrich­ti­ge Aus­künf­te der Ver­sor­gungs­trä­ger für eine Durch­bre­chung der Rechts­kraft 1.

Bei der Anwen­dung des § 51 VersAus­glG ist dem­nach zu beach­ten, dass nur nach­träg­lich ein­ge­tre­te­ne Wert­än­de­run­gen, nicht aber Feh­ler der Aus­gangs­ent­schei­dung eine Abän­de­rung der Ursprungs­ent­schei­dung eröff­nen kön­nen. Die nach­träg­lich ein­ge­tre­te­ne Wert­än­de­rung muss für sich genom­men die Wesent­lich­keits­gren­ze nach § 51 Abs. 2 VersAus­glG i.V.m. § 225 Abs. 2 und 3 FamFG über­schrei­ten 2.

Liegt hin­ge­gen eine wesent­li­che Wert­än­de­rung vor und ist eine Abän­de­rung nach § 51 VersAus­glG somit eröff­net, ist eine erneu­te Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich nach §§ 9 bis 19 VersAus­glG unter Berück­sich­ti­gung sämt­li­cher in den Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­be­zo­ge­ner Anrech­te zu erlas­sen (§ 51 Abs. 1 VersAus­glG). Nur unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen und in die­sem Umfang fin­det eine "Total­re­vi­si­on" statt, die hin­sicht­lich der ein­be­zo­ge­nen Anrech­te – als begrenz­te Rechts­kraft­durch­bre­chung – dann auch eine Feh­ler­kor­rek­tur ein­schließt 3.

Ein Abän­de­rungs­grund kann sich auch nicht dar­aus erge­ben, dass die Begrün­dung gesetz­li­cher Ren­ten­an­wart­schaf­ten bei der Aus­gangs­ent­schei­dung auf den Höchst­be­trag nach § 1587 b Abs. 5 BGB begrenzt war und die­ser über­schrit­ten wur­de.

Dass es sich hier­bei nicht um eine Wert­än­de­rung im Sin­ne von § 51 Abs. 1 VersAus­glG han­deln kann, hat der Bun­des­ge­richts­hof der Sache nach bereits sei­ner – nach Erlass des ange­foch­te­nen Beschlus­ses ergan­ge­nen – Ent­schei­dung vom 22.10.2014 4 zugrun­de gelegt. Denn der zu beur­tei­len­de Wert der Anwart­schaft war (und ist) nicht davon abhän­gig, in wel­chem Umfang ein öffent­lich­recht­li­cher Ver­sor­gungs­aus­gleich vor­ge­se­hen war und in wel­chem Umfang der Aus­gleich dem schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich vor­be­hal­ten blieb. Die­se Fra­gen betref­fen die Aus­gleichs­form, nicht aber den Wert des jewei­li­gen Anrechts. Dem­entspre­chend konn­te sich der Wert auch nicht dadurch ändern, dass nach dem seit 1.09.2009 gel­ten­den Recht ein Höchst­be­trag für den Aus­gleich von Anrech­ten auf Beam­ten­ver­sor­gung oder ver­gleich­ba­rer Anrech­te nicht mehr vor­ge­se­hen ist.

Die von ihm ange­führ­ten Geset­zes­ma­te­ria­li­en tra­gen die gegen­läu­fi­ge Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts nicht. Im betref­fen­den Bericht des Rechts­aus­schus­ses ist aus­ge­führt, dass es unbil­lig wäre, die Ehe­leu­te in Fäl­len des über­schrit­te­nen Höchst­be­trags nach § 1587 b Abs. 5 BGB auf den Aus­gleich nach der Schei­dung zu ver­wei­sen 5. Damit soll­te indes­sen ledig­lich begrün­det wer­den, dass sol­che Anrech­te – anders als Anrech­te auf betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung nach einem Teil­aus­gleich gemäß § 3 b Abs. 1 Nr. 1 VAHRG – in jedem Fall voll­stän­dig im öffent­lich­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­ge­gli­chen wer­den soll­ten und dass inso­weit § 51 Abs. 4 VersAus­glG kei­ne Anwen­dung fin­den soll­te. Die ange­führ­ten Erwä­gun­gen befas­sen sich somit nur mit der Fra­ge, in wel­cher Form ein nach § 1587 b Abs. 5 BGB nur teil­wei­se aus­ge­gli­che­nes Anrecht nun­mehr im Rah­men von § 51 VersAus­glG aus­zu­glei­chen ist 6. Die Vor­aus­set­zung der Wert­än­de­rung nach § 51 Abs. 1 VersAus­glG ist mit­hin davon nicht berührt. Damit lie­fe die gesetz­ge­be­ri­sche Inten­ti­on auch nicht leer.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Janu­ar 2016 – XII ZB 213/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss BGHZ 198, 91 = Fam­RZ 2013, 1548 Rn. 18 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 22.10.2014 – XII ZB 323/​13 , Fam­RZ 2015, 125 Rn. 15[]
  3. BGH, Beschlüs­se BGHZ 198, 91 = Fam­RZ 2013, 1548 Rn. 16; vom 22.10.2014 – XII ZB 323/​13 , Fam­RZ 2015, 125 Rn. 15 f.; und vom 24.06.2015 – XII ZB 495/​12 , Fam­RZ 2015, 1688 Rn. 25 ff.[]
  4. BGH, Beschluss vom 22.10.2014 – XII ZB 323/​13, Fam­RZ 2015, 125[]
  5. BT-Drs. 16/​11903 S. 58[]
  6. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 22.10.2014 – XII ZB 323/​13 , Fam­RZ 2015, 125; und vom 24.06.2015 – XII ZB 495/​12 , Fam­RZ 2015, 1688[]