Höchst­be­trags­re­ge­lung im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Die Höchst­be­trags­re­ge­lung im öffent­lich-recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich gilt auch nach dem 01.09.2009 für Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ent­schei­dun­gen, die nach dem bis 31.08.2009 gel­ten­den Recht zu beur­tei­len sind.

Höchst­be­trags­re­ge­lung im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Die Limi­tie­rung des öffent­lich-recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleichs durch den Höchst­be­trag ist in Alt­fäl­len wei­ter­hin beacht­lich. Der in § 76 Abs. 2 S. 3 SGB VI defi­nier­te Höchst­be­trag, auf den der für Alt­fäl­le wei­ter­hin gel­ten­de § 1587b Abs. 5 BGB Bezug nimmt, ist zwar durch Art. 4 Nr. 3a VAStrRefG ersatz­los weg­ge­fal­len. Die­se Bestim­mung ist nach Art. 23 VAStrRefG zum 01.09.2009 in Kraft getre­ten, ohne dass das VAStrRefG hier­zu eine dem § 48 VersAus­glG bzgl. des mate­ri­el­len und ver­fah­rens­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleichs­rechts ver­gleich­ba­re Über­gangs­re­ge­lung getrof­fen hät­te.

Über den Wort­laut der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung hin­aus kann aber bei Gesamt­be­trach­tung der Reform des Ver­sor­gungs­aus­gleichs kein Zwei­fel dar­an bestehen, dass die dem neu­en Ver­sor­gungs­aus­gleichs­recht frem­de Höchst­be­trags­kon­trol­le – eine dem § 1587b Abs. 5 BGB ver­gleich­ba­re Rege­lung fin­det sich dort nicht – , mit der der Weg­fall des § 76 Abs. 2 S. 3 SGB VI ein­her­geht, nur für die nach neu­em Recht zu ent­schei­den­den Fäl­le zum Tra­gen kommt, und nicht Fäl­le wie den vor­lie­gen­den betrifft, die gemäß § 48 Abs. 1 VersAus­glG noch der alten mate­ri­el­len und ver­fah­rens­recht­li­chen Rechts­la­ge unter­lie­gen.

Eine Strei­chung der Höchst­be­trags­re­ge­lung war bereits im Ent­wurf eines Ren­ten­re­form­ge­set­zes 1992 vor­ge­se­hen. Begrün­det wur­de die­se Absicht damals wie heu­te mit der Mög­lich­keit, dadurch den nach wie vor unbe­frie­di­gen­den schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­zu­schrän­ken, der in der Pra­xis viel­fach nicht bean­tragt wird 1.

Die jet­zi­ge Reform des Ver­sor­gungs­aus­gleichs beinhal­tet eine völ­li­ge Neu­ko­di­fi­ka­ti­on des Ver­sor­gungs­aus­gleichs mit einer inhalt­lich grund­le­gen­den Sach­re­form. Das Ver­sor­gungs­aus­gleichs­recht, wel­ches bis­lang im BGB (§§ 1587 ff. BGB), im Gesetz zur Rege­lung von Här­ten im Ver­sor­gungs­aus­gleich (VAHRG), im Gesetz über wei­te­re Maß­nah­men auf dem Gebiet des Ver­sor­gungs­aus­gleichs (VAwMG) und im Ver­sor­gungs­aus­gleichs­über­lei­tungs­ge­setz (VAÜG) gere­gelt war, soll­te in einem ver­gleichs­wei­se ein­fa­chen, klar geglie­der­ten Gesetz neu gere­gelt wer­den. Dem ent­spre­chend wur­den das VAHRG, das VAwMG und das VAÜG mit Inkraft­tre­ten des VAStrRefG zum 01.09.2009 außer Kraft gesetzt. Die­je­ni­gen Bestim­mun­gen, die im Ren­ten­ver­si­che­rungs­recht (z. B. § 76 SGB VI) oder im Beam­ten­ver­sor­gungs­recht (§§ 22, 55, 57, 58 und 86 BeamtVG) den sys­tem­im­ma­nen­ten Voll­zug des Aus­gleichs regeln, wur­den zwar eben­falls geän­dert, blie­ben aber im jewei­li­gen Sach­zu­sam­men­hang 2.

Mit §§ 48 ff. VersAus­glG wur­den hin­sicht­lich der Anwend­bar­keit des neu­en bzw. alten Rech­tes Über­gangs­re­ge­lun­gen geschaf­fen. Die­se bezie­hen sich zwar ledig­lich auf die in Art. 1 VAStrRefG erfolg­ten Ände­run­gen des Ver­sor­gungs­aus­gleichs­rechts und gera­de nicht auf die in den wei­te­ren Arti­keln des VAStrRefG ent­hal­te­nen Rechts­än­de­run­gen. Dar­aus sind indes­sen kei­ne Fol­ge­run­gen für eine vom Gesetz­ge­ber bewusst ander­wei­ti­ge Rege­lung im Hin­blick auf § 76 Abs. 2 S. 3 SGB VI zu zie­hen. Viel­mehr ist davon aus­zu­ge­hen, dass es sich hier um ein redak­tio­nel­les Ver­se­hen han­delt. Denn die Über­gangs­vor­schrif­ten sind von fol­gen­den Erwä­gun­gen getra­gen:

Das neue Recht soll­te mög­lichst weit­ge­hend und mög­lichst schnell zur Anwen­dung kom­men. Die Gel­tung zwei­er Rechts­ord­nun­gen neben­ein­an­der über einen län­ge­ren Zeit­raum soll­te ver­mie­den wer­den 3.

Eine dem Art. 111 des FGG-Reform­ge­set­zes ent­spre­chen­de Rege­lung soll­te geschaf­fen wer­den. Gene­rell soll­te das neue Recht für alle Ver­sor­gungs­aus­gleichs­sa­chen i.S.d. § 217 FamFG gel­ten, die nach Inkraft­tre­ten des VersAus­glG bei Gericht ein­ge­lei­tet wor­den sind 4.

Aus die­sen Hin­wei­sen des Gesetz­ge­bers zur Reform des Ver­sor­gungs­aus­gleichs ist zu ent­neh­men, dass gera­de kei­ne Misch­for­men geschaf­fen wer­den soll­ten, wie dies die Beschwer­de­füh­re­rin annimmt, näm­lich bei dem hier zu ent­schei­den­den Fall die Anwen­dung von mate­ri­ell und ver­fah­rens­recht­lich altem Recht, jedoch im Hin­blick auf die Höchst­be­trags­re­ge­lung des § 76 Abs. 2 S. 3 SGB VI neu­es Recht wegen Feh­lens einer ent­spre­chen­den Über­gangs­re­ge­lung.

Eine Ver­bes­se­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ver­fah­rens für vor dem 01.09.2009 ein­ge­lei­te­te Ver­fah­ren im Sin­ne einer ver­ein­fach­ten Durch­füh­rung auf­grund des Ein­mal­aus­gleichs ohne Berück­sich­ti­gung der Höchst­be­trags­re­ge­lung war durch das VAStrRefG nach alle­dem nicht vor­ge­se­hen. § 1587b Abs. 5 BGB, der auf § 76 Abs. 2 S. 3 SGB VI (a.F.) ver­weist, bleibt für Alt­fäl­le unver­än­dert anwend­bar.

Die Fra­ge ist auch im Hin­blick auf § 22 Abs. 2 BeamtVG nicht anders zu beur­tei­len. Denn nach die­ser Vor­schrift erhal­ten geschie­de­ne Ehe­frau­en eines ver­stor­be­nen Beam­ten oder Ruhe­stands­be­am­ten, die im Fal­le des Fort­be­stehens der Ehe wit­wen­geld­be­rech­tigt gewe­sen wären, unter bestimm­ten wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen einen Unter­halts­be­trag auch über den 31.08.2009 hin­aus, soweit auf den Ver­sor­gungs­aus­gleich das bis 31.08.2009 gel­ten­de Recht anzu­wen­den ist.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 23. April 2010 – 17 UF 38/​10
[Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ge­richts­hof ist ein­ge­legt – XII ZB 195/​10]

  1. Ruland, NZS 2008, 225[]
  2. Ruland a.a.O.[]
  3. BT-Drs. 16/​10144 zu Teil 3, S. 85[]
  4. BT-Drs. 16/​10144 zu § 48 VersAus­glG, S. 86[]