Illoya­le Ver­mö­gens­min­de­run­gen – und der Zuge­winn­aus­gleich in Alt­fäl­len

§ 1378 Abs. 2 Satz 2 BGB, wonach sich das für die Begren­zung der Aus­gleichs­for­de­rung maß­geb­li­che Ver­mö­gen des Aus­gleichs­pflich­ti­gen in Fäl­len der illoya­len Ver­mö­gens­min­de­rung um den dem End­ver­mö­gen hin­zu­zu­rech­nen­den Betrag erhöht, fin­det kei­ne Anwen­dung, wenn die Ehe vor dem 1.09.2009 rechts­kräf­tig geschie­den wor­den ist 1.

Illoya­le Ver­mö­gens­min­de­run­gen – und der Zuge­winn­aus­gleich in Alt­fäl­len

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat 2, sind die Vor­schrif­ten der §§ 1378 Abs. 2, 1384 BGB in der seit dem 1.09.2009 gel­ten­den Fas­sung nicht anwend­bar, wenn die Ehe vor dem 1.09.2009 rechts­kräf­tig geschie­den wor­den ist. In sol­chen Fäl­len kommt es für den Bestand der Aus­gleichs­for­de­rung also nicht wie nach der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung auf den Ver­mö­gens­sta­tus des Aus­gleichs­pflich­ti­gen zum Zeit­punkt der Rechts­hän­gig­keit des Schei­dungs­an­trags, son­dern wie bis­her auf den Zeit­punkt der Been­di­gung des Güter­stands an.

Der Vor­schrift des Art. 229 § 20 Abs. 2 EGBGB lässt sich nicht ent­neh­men, dass das durch das Gesetz zur Ände­rung des Zuge­winn­aus­gleichs- und Vor­mund­schafts­rechts vom 06.07.2009 3 geän­der­te Zuge­winn­aus­gleichs­recht auch in den Fäl­len zur Anwen­dung gelan­gen soll, in denen die Ehe bei Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung bereits rechts­kräf­tig geschie­den und der Güter­stand been­det ist 4. Wären im Fall der am 1.09.2009 bereits rechts­kräf­ti­gen Schei­dung die §§ 1378 Abs. 2 Satz 1, 1384 BGB nF anzu­wen­den, wür­de ein Aus­gleichs­an­spruch, der bei Rechts­kraft der Schei­dung wegen eines seit der Rechts­hän­gig­keit des Schei­dungs­an­trags ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­ver­falls des Aus­gleichs­pflich­ti­gen nicht bestan­den hat, nach­träg­lich ent­ste­hen. Denn nach § 1378 Abs. 2 BGB aF ist die Höhe der Aus­gleichs­for­de­run­gen durch den Wert des Ver­mö­gens begrenzt, das nach Abzug der Ver­bind­lich­kei­ten bei Been­di­gung des Güter­stands vor­han­den war. Die Nicht­an­wen­dung die­ser Rege­lung, die das neue Recht nicht mehr ent­hält, wür­de einen Ein­griff in den bereits abge­schlos­se­nen Sach­ver­halt dar­stel­len. Das wäre ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­lich und stün­de mit den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen über die zeit­li­che Gel­tung von Geset­zen nicht in Ein­klang 5.

Da die Höhe der Aus­gleichs­for­de­rung gemäß § 1378 Abs. 2 BGB aF durch den Wert des Ver­mö­gens begrenzt ist, das nach Abzug der Ver­bind­lich­kei­ten bei Been­di­gung des Güter­stands vor­han­den ist, bestand mit­hin im hier ent­schie­de­nen Fall kei­ne Aus­gleichs­for­de­rung gegen den Ehe­mann mehr. Ein nach­träg­li­ches Ent­ste­hen die­ses Anspruchs auf Grund der Ände­rung des Geset­zes schei­det nach der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung aus. Danach kommt es für das Bestehen der For­de­rung auch nicht etwa dar­auf an, wann das Zuge­winn­aus­gleichs­ver­fah­ren (erst­mals) rechts­hän­gig gewor­den ist 6.

Der Auf­fas­sung, wonach – hypo­the­tisch – davon aus­zu­ge­hen sei, dass die Rechts­kraft der Schei­dung nicht vor der Geset­zes­än­de­rung am 1.09.2009 ein­ge­tre­ten sei, weil das Zuge­winn­aus­gleichs­ver­fah­ren als Fol­ge­sa­che nicht vom Schei­dungs­ver­bund hät­te abge­trennt wer­den dür­fen mit der Fol­ge, dass bei rich­ti­ger Sach­be­hand­lung die Rechts­kraft erst nach dem besag­ten Stich­tag ein­ge­tre­ten wäre, geht fehl. Für die Anwend­bar­keit des maß­geb­li­chen Rechts ist auf den tat­säch­li­chen Ein­tritt der Rechts­kraft der Schei­dung abzu­stel­len.

Eben­so wenig trifft die Auf­fas­sung zu, wonach das Beru­fungs­ge­richt die Anwend­bar­keit des § 1378 Abs. 2 Satz 2 BGB nF ver­kannt habe. Bei der Fra­ge, ob altes oder neu­es Recht anzu­wen­den ist, kann nicht zwi­schen der Anwend­bar­keit des § 1384 BGB nF einer­seits und des § 1378 Abs. 2 BGB nF ande­rer­seits dif­fe­ren­ziert wer­den.

Gemäß § 1378 Abs. 2 Satz 2 BGB erhöht sich das für den Bestand der Aus­gleichs­for­de­rung maß­geb­li­che Ver­mö­gen des Aus­gleichs­pflich­ti­gen in Fäl­len illoya­ler Ver­mö­gens­min­de­rung um den dem End­ver­mö­gen hin­zu­zu­rech­nen­den Betrag.

§ 1378 Abs. 2 Satz 2 BGB ist erst mit der Geset­zes­än­de­rung zum 1.09.2009 in das Bür­ger­li­che Gesetz­buch ein­ge­fügt wor­den. Die­se Ergän­zung war not­wen­dig gewor­den, um die Ände­rung des § 1384 BGB zum Schut­ze des Aus­gleichs­be­rech­tig­ten nicht "leer lau­fen" zu las­sen. Denn wäre die Zurech­nung einer illoya­len Ver­mö­gens­min­de­rung im Sin­ne von § 1375 Abs. 2 Satz 1 BGB nur für die Berech­nung des End­ver­mö­gens mög­lich, wäre zwar der ent­zo­ge­ne Ver­mö­gens­be­trag dem End­ver­mö­gen, nicht aber dem die Höhe der Aus­gleichs­for­de­rung begren­zen­den – Ver­mö­gen nach § 1378 Abs. 2 BGB hin­zu­zu­rech­nen. Dies hät­te zur Fol­ge, dass sich der Aus­gleichs­schuld­ner im Rah­men des § 1378 Abs. 2 BGB auch auf den illoy­al her­bei­ge­führ­ten Ver­mö­gens­ver­fall zu Las­ten des Aus­gleichs­gläu­bi­gers beru­fen könn­te. Mit der Ergän­zung in § 1378 Abs. 2 Satz 2 BGB nF woll­te der Gesetz­ge­ber schließ­lich die bis­he­ri­ge, von ihm als unbe­frie­di­gend qua­li­fi­zier­te Rechts­la­ge ändern, wonach die Begren­zung der Aus­gleichs­for­de­rung auf das tat­säch­lich vor­han­de­ne Ver­mö­gen dem aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten kei­nen Schutz vor Mani­pu­la­tio­nen gebo­ten hat 7.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­nem Urteil vom 16.07.2014 8 indes bereits ent­schie­den, dass auch § 1378 Abs. 2 BGB in der ab 1.09.2009 gel­ten­den Fas­sung dann nicht anwend­bar ist, wenn die Ehe zu die­sem Zeit­punkt bereits rechts­kräf­tig geschie­den war. Auch inso­weit wür­de ein Aus­gleichs­an­spruch, der bei Rechts­kraft der Schei­dung wegen eines seit der Rechts­hän­gig­keit des Schei­dungs­an­trags ein- getre­te­nen illoya­len Ver­mö­gens­ver­lus­tes des Aus­gleichs­pflich­ti­gen nicht bestan­den hat, nach­träg­lich ent­ste­hen 9.

Der sonach anzu­wen­den­de § 1378 Abs. 2 BGB aF bleibt von etwai­gen illoya­len Ver­mö­gens­ver­min­de­run­gen unbe­rührt.

Gemäß § 1375 Abs. 2 BGB aF (jetzt § 1375 Abs. 2 Satz 1 BGB) wird dem End­ver­mö­gen eines Ehe­gat­ten der Betrag hin­zu­ge­rech­net, um den die­ses Ver­mö­gen illoy­al iSd Tat­be­stän­de der Nr. 13 ver­min­dert ist. § 1378 Abs. 2 BGB aF sah eine Anwen­dung des § 1375 Abs. 2 BGB nicht vor, so dass die Ver­mö­gens­zu­rech­nung nur bei der Berech­nung der Zuge­winn­aus­gleichs­for­de­rung zum Tra­gen kam, nicht aber bei der Fest­stel­lung des die Höhe der Aus­gleichs­for­de­rung gemäß § 1378 Abs. 2 BGB aF begren­zen­den Ver­mö­gens.

Mit der Begren­zung der Aus­gleichs­for­de­rung der Höhe nach gemäß § 1378 Abs. 2 BGB aF soll­te zu Guns­ten der Gläu­bi­ger des aus­gleichs­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten gewähr­leis­tet wer­den, dass eine des­sen Ver­bind­lich­kei­ten decken­de Ver­mö­gens­mas­se bei ihm ver­bleibt und nicht durch Tei­lung mit dem ande­ren Ehe­gat­ten ver­min­dert wird. Des­halb hat­te der Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Grund gese­hen, den für die Begren­zung maß­geb­li­chen Zeit­punkt (Been­di­gung des Güter­stands) durch eine direk­te oder ana­lo­ge Anwen­dung des § 1384 BGB aF auf den Zeit­punkt der Rechts­hän­gig­keit des Schei­dungs­an­trags vor­zu­ver­le­gen 10.

Sei­ner­zeit hat es der Bun­des­ge­richts­hof aller­dings offen gelas­sen, ob Aus­nah­men in den Fäl­len gel­ten, in denen ein Ehe­gat­te über Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de ver­fügt hat, um den ande­ren zu benach­tei­li­gen und sei­ne Aus­gleichs­pflicht durch Mani­pu­la­tio­nen zu min­dern 11. Nach über­wie­gen­der Auf­fas­sung, die der Bun­des­ge­richts­hof für zutref­fend erach­tet, ist das für die Begren­zung der Aus­gleichs­for­de­rung gemäß § 1378 Abs. 2 BGB aF maß­geb­li­che Ver­mö­gen des Aus­gleichs­pflich­ti­gen in Fäl­len illoya­ler Ver­mö­gens­min­de­rung nicht im Sin­ne von § 1375 Abs. 2 BGB um den dem End­ver­mö­gen hin­zu­zu­rech­nen­den Betrag zu erhö­hen 12. Dass auch der Gesetz­ge­ber davon aus­ge­gan­gen ist, nach frü­he­rem Recht hät­ten illoya­le Ver­mö­gens­ver­min­de­run­gen kei­nen Ein­fluss auf die Fest­stel­lung des Ver­mö­gens gemäß § 1378 Abs. 2 BGB aF, ergibt sich aus der bereits erwähn­ten Geset­zes­be­grün­dung. Danach hat er die­sen Zustand als unbe­frie­di­gend ange­se­hen und des­halb mit Wir­kung zum 1.09.2009 dem § 1378 Abs. 2 BGB den Satz 2 ange­fügt 7.

Im Übri­gen hat der Gesetz­ge­ber mit § 1390 BGB aF für sol­che, nicht von § 1378 Abs. 2 BGB aF erfass­ten Miss­brauchs­fäl­le unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen einen Aus­gleich ermög­licht 13. Da- nach war der von der Ver­mö­gens­ver­fü­gung Begüns­tig­te ver­pflich­tet, das Erlang­te nach den Vor­schrif­ten über die Her­aus­ga­be einer unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung an den Ehe­gat­ten zum Zwe­cke der Befrie­di­gung wegen der aus­ge­fal­le­nen Aus­gleichs­for­de­rung her­aus­zu­ge­ben, soweit einem Ehe­gat­ten gemäß § 1378 Abs. 2 BGB eine Aus­gleichs­for­de­rung nicht zustand, weil der ande­re Ehe­gat­te in der Absicht, ihn zu benach­tei­li­gen, unent­gelt­li­che Zuwen­dun­gen an einen Drit­ten gemacht hat. Zwar hat der Gesetz­ge­ber § 1390 BGB mit der Geset­zes­än­de­rung zum 1.09.2009 nicht ersatz­los gestri­chen. Sein Schutz­zweck beschränkt sich nun­mehr aber auf die Kom­pen­sa­ti­on des Aus- fall- bzw. Insol­venz­ri­si­kos 14.

Aus die­sen Grün­den kann im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall dahin­ste­hen, ob sich die vom Ehe­mann nach Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit des Zuge­winn­aus­gleichs­an­tra­ges vor­ge­nom­me­nen unent­gelt­li­chen Über­tra­gun­gen sei­ner bei­den Immo­bi­li­en auf sei­ne Söh­ne aus ers­ter Ehe als illoya­le Ver­mö­gens­min­de­run­gen im Sin­ne des § 1375 Abs. 2 BGB dar­stel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Okto­ber 2014 – XII ZR 194/​13

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 16.07.2014 – XII ZR 108/​12 , Fam­RZ 2014, 1610[]
  2. BGH, Urteil vom 16.07.2014 – XII ZR 108/​12 Fam­RZ 2014, 1610 mit Anm. Koch Fam­RZ 2014, 1613 und Anm. Kogel FF 2014, 418[]
  3. BGBl. I S. 1696[]
  4. BGH, Urteil vom 16.07.2014 – XII ZR 108/​12 , Fam­RZ 2014, 1610 Rn.19[]
  5. BGH, Urteil vom 16.07.2014 – XII ZR 108/​12 , Fam­RZ 2014, 1610 Rn.20 mwN[]
  6. vgl. zum frü­he­ren Mei­nungs­stand BGH, Urteil vom 16.07.2014 – XII ZR 108/​12 , Fam­RZ 2014, 1610 Rn. 15 ff.[]
  7. BT-Drs. 16/​10798 S. 17[][]
  8. BGH, Urteil vom 16.07.2014 – XII ZR 108/​12 , Fam­RZ 2014, 1610 Rn. 18[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 16.07.2014 XII ZR 108/​12 , Fam­RZ 2014, 1610 Rn.20 ff.[]
  10. BGH, Beschluss vom 18.05.1988 – IVb ZR 6/​88 , Fam­RZ 1988, 925[]
  11. BGH, Beschluss vom 18.05.1988 – IVb ZR 6/​88 , Fam­RZ 1988, 925, 926[]
  12. OLG Köln Urteil vom 24.04.1998 – 25 U 10/​97 30; AnwK-BGB/Groß § 1378 Rn. 2; Palandt/​Brudermüller BGB 67. Aufl. § 1378 Rn. 8, letz­te­re mwN zum Mei­nungs­stand[]
  13. AnwK-BGB/Groß § 1390 Rn. 1[]
  14. Palandt/​Brudermüller BGB 73. Aufl. § 1390 Rn. 1; Münch­Komm-BGB/­Koch 6. Aufl. § 1390 Rn. 1[]