Kei­ne Betreu­ung trotz Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Ist der Amts­rich­ter trotz eines gegen­läu­fi­gen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens auf­grund des per­sön­li­chen Ein­drucks des Betrof­fe­nen zu der Über­zeu­gung gelangt, dass die­ser einen frei­en Wil­len i.S. des § 1896 Abs. 1 a BGB bil­den kön­ne, und hat er des­halb die Ein­rich­tung einer Betreu­ung abge­lehnt, darf das Beschwer­de­ge­richt die Betreu­ung grund­sätz­lich nicht ohne Anhö­rung des Betrof­fe­nen anord­nen.

Kei­ne Betreu­ung trotz Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Ein Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt darf nur dann ange­ord­net wer­den, wenn hin­rei­chend kon­kre­te Anhalts­punk­te für eine Gefahr im Sin­ne des § 1903 Abs. 1 Satz 1 BGB bestehen. Ob dies der Fall ist, hat das Betreu­ungs­ge­richt im Rah­men sei­ner Amts­er­mitt­lungs­pflicht fest­zu­stel­len.

Bei der Aus­wahl des Betreu­ers sind gemäß § 1897 Abs. 4 BGB auch die Wün­sche eines Geschäfts­un­fä­hi­gen zu berück­sich­ti­gen, sofern die­ser sei­nen Wil­len oder Wunsch kund­tut, eine bestimm­te Per­son sol­le sein Betreu­er wer­den. Dabei kommt es maß­geb­lich auf die Wün­sche des Betrof­fe­nen im Zeit­punkt der Betreu­er­be­stel­lung an; das gilt auch für Vor­schlä­ge, bestimm­te Per­so­nen nicht zu bestel­len 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Juli 2011 – XII ZB 118/​11

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 16.03.2011 – XII ZB 601/​10, Fam­RZ 2011, 880 Rn. 21[]
  2. Richt­li­nie 91/​439/​EWG[]