Kin­des­un­ter­halt trotz frem­der Samen­spen­de

Auch eine Ver­ein­ba­rung, mit der ein nicht ver­hei­ra­te­ter Mann sein Ein­ver­ständ­nis zu einer hete­ro­lo­gen Inse­mi­na­ti­on erteilt, ent­hält, ins­be­son­de­re wenn er die dafür erfor­der­li­che Samen­spen­de eines Drit­ten beschafft, regel­mä­ßig zugleich einen von fami­li­en­recht­li­chen Beson­der­hei­ten gepräg­ten berech­ti­gen­den Ver­trag zuguns­ten des aus der hete­ro­lo­gen Inse­mi­na­ti­on her­vor­ge­hen­den Kin­des, mit wel­chem sich der Mann ver­pflich­tet, für den Unter­halt die­ses Kin­des wie ein leib­li­cher Vater zu sor­gen.

Kin­des­un­ter­halt trotz frem­der Samen­spen­de

Bei der mit Ein­wil­li­gung eines Ehe­man­nes vor­ge­nom­me­nen hete­ro­lo­gen Inse­mi­na­ti­on han­delt es sich aus sei­ner Sicht um die Über­nah­me der Eltern­schaft (der Schein­va­ter­schaft) durch Wil­lens­akt. Inso­fern ist aus der Sicht des Ehe­man­nes das Ein­ver­ständ­nis mit der hete­ro­lo­gen Inse­mi­na­ti­on einer Adop­ti­on ähn­lich. Anders als bei der Adop­ti­on han­delt es sich aller­dings nicht um die Über­nah­me der Eltern­schaft für ein bereits gezeug­tes oder gebo­re­nes Kind, durch den Wil­lens­akt soll viel­mehr die Ent­ste­hung des Kin­des erst ermög­licht wer­den. Wenn der Ehe­mann auf die­se Wei­se zu der Geburt eines Kin­des durch sei­ne Ehe­frau bei­trägt, dann gibt er damit zu erken­nen, dass er für das Kind wie ein ehe­li­cher Vater sor­gen will. Das Ver­hal­ten kann aus der Sicht sei­ner Ehe­frau nur dahin inter­pre­tiert wer­den, dass er eine Unter­halts­pflicht unab­hän­gig davon über­neh­men woll­te, ob die gesetz­li­che Unter­halts­pflicht, deren Vor­aus­set­zun­gen an sich nicht gege­ben waren, bestehen wür­de. Daher ent­hält eine Ver­ein­ba­rung zwi­schen Ehe­leu­ten, mit wel­cher der Ehe­mann sein Ein­ver­ständ­nis zu einer hete­ro­lo­gen Inse­mi­na­ti­on erteilt, regel­mä­ßig zugleich einen von fami­li­en­recht­li­chen Beson­der­hei­ten gepräg­ten berech­ti­gen­den Ver­trag zu Guns­ten des aus der hete­ro­lo­gen Inse­mi­na­ti­on her­vor­ge­hen­den Kin­des, aus dem sich für den Ehe­mann dem Kind gegen­über die Pflicht ergibt, für des­sen Unter­halt wie ein ehe­li­cher Vater zu sor­gen 1.

Dies gilt in glei­cher Wei­se für einen nicht ver­hei­ra­te­ten Mann, der eine Ein­wil­li­gung zur hete­ro­lo­gen Inse­mi­na­ti­on erteilt, spä­ter jedoch die Vater­schaft des Kin­des nicht aner­kennt 2. § 1600 Abs. 5 BGB bie­tet dafür ein Argu­ment, weil der Gesetz­ge­ber die Bedeu­tung der Ein­wil­li­gungs­er­klä­rung auf­ge­wer­tet hat und dies mit dem Wohl des Kin­des begrün­det. Dem ent­spricht die Annah­me eines Ver­tra­ges zu Guns­ten des Kin­des 3. Die Zustim­mung hat den Sinn, die Unter­halts­pflicht von der bio­lo­gi­schen wie recht­li­chen Abstam­mung abzu­kop­peln. Wei­ter ist ent­schei­dend, dass der Wunsch­va­ter zwar nicht durch einen natür­li­chen Zeu­gungs­akt, wohl aber durch sei­ne Ein­wil­li­gung in die Ver­wen­dung von Spen­der­sa­men die (Mit-)Verantwortung für die Zeu­gung des Kin­des über­nom­men hat, wor­an er sich fest­hal­ten las­sen muss 4.

Die blo­ße Kennt­nis, dass das Kind im Wege der künst­li­chen Inse­mi­na­ti­on gezeugt wur­de, wür­de die Her­lei­tung eines ver­trag­li­chen Unter­halts­an­spruchs nicht recht­fer­ti­gen. Viel­mehr bedarf es der Abga­be einer Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung 5, die hier vor­liegt, zumal der mit der Mut­ter des Kin­des liier­te, wenn auch nicht in häus­li­cher Gemein­schaft leben­de Mann nicht nur mit den Inse­mi­na­ti­ons­ver­su­chen ein­ver­stan­den war, son­dern auch die Samen­spen­den und gera­de auch die zum Erfolg füh­ren­de drit­te Samen­spen­de besorg­te und zur Ver­fü­gung stell­te und am 23.07.2007 außer­dem schrift­lich erklär­te, "für alle Fol­gen einer even­tu­ell ein­tre­ten­den Schwan­ger­schaft auf­kom­men" zu wol­len.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 4. Sep­tem­ber 2014 – 13 U 30/​14

  1. BGHZ 129, 297 ff. und BGH Fam­RZ 1995, 865[]
  2. Bru­der­mül­ler in Palandt, BGB, 73. Aufl., § 1600 Rn. 14 m.w.N.[]
  3. Roth, DNotZ 2003, 805, 818 f.[]
  4. Wel­len­ho­fer, Fam­RZ 2013, 825, 827 f.[]
  5. OLG Karls­ru­he Fam­RZ 2014, 313, 314[]