Kin­des­un­ter­halt – und die bestehen­den Pfän­dun­gen

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gilt – außer­halb der gestei­ger­ten Unter­halts­pflicht nach § 1603 Abs. 2 BGB – der all­ge­mei­ne Grund­satz, dass Ansprü­chen Unter­halts­be­rech­tig­ter kein all­ge­mei­ner Vor­rang vor ande­ren Ver­bind­lich­kei­ten des Unter­halts­pflich­ti­gen zukommt.

Kin­des­un­ter­halt – und die bestehen­den Pfän­dun­gen

Ande­rer­seits dür­fen die­se Ver­bind­lich­kei­ten auch nicht ohne Rück­sicht auf die Unter­halts­in­ter­es­sen getilgt wer­den. Viel­mehr bedarf es eines Aus­gleichs der Belan­ge von Unter­halts­gläu­bi­ger, Unter­halts­schuld­ner und Dritt­gläu­bi­ger.

Ob eine Ver­bind­lich­keit im Ein­zel­fall zu berück­sich­ti­gen ist, kann danach nur im Rah­men einer umfas­sen­den Inter­es­sen­ab­wä­gung nach bil­li­gem Ermes­sen ent­schie­den wer­den. Inso­weit sind nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ins­be­son­de­re

  • der Zweck der Ver­bind­lich­kei­ten,
  • der Zeit­punkt und die Art ihrer Ent­ste­hung,
  • die Dring­lich­keit der bei­der­sei­ti­gen Bedürf­nis­se,
  • die Kennt­nis des Unter­halts­schuld­ners von Grund und Höhe der Unter­halts­schuld und
  • sei­ne Mög­lich­kei­ten von Bedeu­tung, die Leis­tungs­fä­hig­keit ganz oder teil­wei­se wie­der­her­zu­stel­len1.

Sofern hier­nach eine Abzieh­bar­keit der gepfän­de­ten Beträ­ge zu erfol­gen hat, ist sodann zu prü­fen, ob der ange­mes­se­ne Selbst­be­halt der Mut­ter als Unter­halts­schuld­ne­rin gewahrt wäre und ver­nei­nen­den­falls in wel­chem Umfang die gestei­ger­te Unter­halts­pflicht durch eine Unter­halts­pflicht des Vaters als wei­te­rer unter­halts­pflich­ti­ger Ver­wand­ter nach § 1603 Abs. 2 Satz 3 BGB ent­fällt. Hier­bei wäre neben den – von der unter­halts­pflich­ti­gen Mut­ter dar­zu­le­gen­den – Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen des Vaters aller­dings auch des­sen Betreu­ungs­leis­tung zu berück­sich­ti­gen2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Novem­ber 2016 – XII ZB 227/​15

  1. BGH, Beschluss vom 10.07.2013 – XII ZB 297/​12Fam­RZ 2013, 1558 Rn.19 mwN []
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.07.2013 – XII ZB 297/​12Fam­RZ 2013, 1558 Rn. 26 []