Kos­ten­ent­schei­dung für Fol­ge­sa­chen im Beschwer­de­ver­fah­ren

§ 150 FamFG gilt auch dann für Fol­ge­sa­chen im Beschwer­de­ver­fah­ren, wenn die Schei­dungs­sa­che nicht ange­grif­fen ist 1.

Kos­ten­ent­schei­dung für Fol­ge­sa­chen im Beschwer­de­ver­fah­ren

Dies ergibt sich für das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he aus dem Wort­laut und den Rege­lun­gen in deren Abs.05.

Zwar ent­hält § 84 FamFG eine Rege­lung für erfolg­lo­se Rechts­mit­tel, nach der in einem sol­chen Fall das Gericht die Kos­ten dem Rechts­mit­tel­füh­rer auf­er­le­gen soll 2. Dabei wird viel­fach ver­tre­ten, § 84 FamFG gehe der Rege­lung des § 150 FamFG vor 3, glei­ches soll für das Ver­hält­nis von § 97 ZPO gegen­über § 150 FamFG gel­ten 4. Aller­dings wer­den teil­wei­se ein­zel­ne Absät­ze des § 150 FamFG davon aus­ge­nom­men 5.

Eine nähe­re Begrün­dung für die Annah­me die­ses (teil­wei­sen) Vor­rangs fin­det sich nicht. Mög­li­cher­wei­se wer­den hier die Grund­sät­ze der alten Rechts­la­ge mit dem Vor­rang des § 97 Abs. 1 ZPO gegen­über § 93a ZPO a.F. 6 fort­ge­schrie­ben. Nach altem Recht war die Gel­tung des § 97 Abs. 1 ZPO aber in § 97 Abs. 3 ZPO a.F. aus­drück­lich auch für Fol­ge­sa­chen einer Schei­dungs­sa­che ange­ord­net. Auf eine sol­che Rege­lung hat der Gesetz­ge­ber sowohl in § 84 FamFG wie auch nun­mehr in § 97 ZPO ver­zich­tet. Viel­mehr geht er aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung davon aus, dass die Spe­zi­al­re­ge­lung des § 150 FamFG den all­ge­mei­nen Bestim­mun­gen vor­geht 7. Abge­se­hen von der sys­te­ma­ti­schen Stel­lung der jewei­li­gen Nor­men (§ 84 FamFG im All­ge­mei­nen Teil, § 150 FamFG im Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen) ist es auch sach­ge­recht, die inhalt­li­che Spe­zia­li­tät des Ver­fah­rens in Ehe­sa­chen, die die­sem beson­de­ren Ver­fah­ren Rech­nung trägt, der rein for­ma­len Spe­zia­li­tät der Erfolg­lo­sig­keit des Rechts­mit­tels vor­ge­hen zu las­sen. Im Übri­gen erlaubt die Bil­lig­keits­ab­wä­gung nach § 150 Abs. 4 FamFG auch die Berück­sich­ti­gung ande­rer Grund­sät­ze, etwa des § 84 FamFG oder des § 97 ZPO 8.

Dane­ben wird teil­wei­se ver­tre­ten, die Vor­schrift des § 150 FamFG gel­te nicht für das Rechts­mit­tel eines Dritt­be­tei­lig­ten (wie vor­lie­gend), da die­ser in die­ser Kon­stel­la­ti­on bei­den Ehe­gat­ten als Geg­ner gegen­über­ste­he 9. Eine sol­che Ein­schrän­kung der Gel­tung ist dem Gesetz aber nicht zu ent­neh­men. Ange­sichts der nach § 150 Abs. 4 FamFG mög­li­chen Bil­lig­keits­ent­schei­dung besteht dafür auch kein Bedürf­nis.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 19. Janu­ar 2015 – 5 UF 167/​14

  1. vgl. Keidel/​Weber, FamFG, 18. Auf­la­ge 2014, § 150 Rn. 14[]
  2. für Fami­li­en­streit­sa­chen besteht sogar inso­weit eine zwin­gen­de Rege­lung in § 113 Abs. 1 S. 1 FamFG mit § 97 Abs. 1 ZPO[]
  3. vgl. etwa Zöller/​Lorenz, ZPO, 30. Auf­la­ge 2014, § 150 FamFG Rn. 10; Prütting/​Helms/​Hammer, FamFG, 3. Auf­la­ge 2014, § 150 Rn. 21; Johannsen/​Henrich/​Markwardt, a.a.O., § 150 FamFG Rn. 2 und 13; wohl auch Keidel/​Weber, a.a.O., § 150 Rn. 12[]
  4. Zöller/​Lorenz, a.a.O.; Keidel/​Weber, a.a.O., Rn. 14; Prütting/​Helms/​Hammer, a.a.O; Johannsen/​Henrich/​Markwardt, a.a.O.; unklar Musielak/​Borth, Fami­li­en­ge­richt­li­ches Ver­fah­ren, 4. Auf­la­ge 2013, § 150 FamFG Rn. 11[]
  5. so aus­drück­lich für Abs. 3 Johannsen/​Henrich/​Markwardt, a.a.O.; für Abs. 4 Keidel/​Weber, a.a.O., Rn. 12[]
  6. vgl. dazu BGH Fam­RZ 1983, 683; AnwBl.1984, 502; Stein/​Jonas/​Bork, ZPO, 22. Auf­la­ge 2004, § 93a Rn. 6 m.w.N.[]
  7. so aus­drück­lich sogar gegen­über dem wei­ter hin­ten gere­gel­ten § 243 FamFG, BT-Drs. 16/​6308, S. 233[]
  8. eben­so wie hier MünchKomm/​Henjes, a.a.O., § 150 Rn. 2 und 26[]
  9. Johannsen/​Henrich/​Markwardt, a.a.O., Rn. 15[]