Män­gel in der Betreu­er­be­stel­lung – und die Fest­set­zung der Betreu­er­ver­gü­tung

For­mell-recht­li­che oder mate­ri­ell-recht­li­che Män­gel bei der Bestel­lung des Betreu­ers blei­ben eben­so wie die nach­träg­li­che Auf­he­bung der Bestel­lung ohne Ein­fluss auf den Ver­gü­tungs­an­spruch des Betreu­ers. Ob die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Betreu­er­be­stel­lung vor­ge­le­gen haben, ist für die Wirk­sam­keit der Bestel­lung und damit für den Ver­gü­tungs­an­spruch des Betreu­ers ohne Belang und im Fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht zu prü­fen.

Män­gel in der Betreu­er­be­stel­lung – und die Fest­set­zung der Betreu­er­ver­gü­tung

Die Bewil­li­gung einer Ver­gü­tung für den Betreu­er setzt – neben der (hier aller­dings gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 VBVG nicht erfor­der­li­chen) Fest­stel­lung nach § 1836 Abs. 1 Satz 2 BGB – ledig­lich des­sen wirk­sa­me Bestel­lung vor­aus 1, die – von den Fäl­len des § 287 Abs. 2 FamFG abge­se­hen – gemäß § 287 Abs. 1 FamFG mit der Bekannt­ga­be des Beschlus­ses an den Betreu­er erfolgt 2. Hier­an ändert auch eine gegen die Betreu­ung ein­ge­leg­te Beschwer­de nichts. Denn sie hat in Betreu­ungs­sa­chen – wie schon nach frü­he­rem Recht gemäß § 24 Abs. 1 FGG – kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung 3.

Auf­grund wirk­sa­mer Bestel­lung ist der Betreu­er berech­tigt und ver­pflich­tet, die Inter­es­sen des Betrof­fe­nen wahr­zu­neh­men 4 und in dem ihm zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben­be­reich tätig zu wer­den. Grund­la­ge für den Ver­gü­tungs­an­spruch des Betreu­ers ist – im durch § 5 VBVG pau­scha­lier­ten Umfang – allein die­ses Tätig­wer­den. Die­se Grund­la­ge wird weder durch for­mell­recht­li­che oder mate­ri­ell­recht­li­che Män­gel bei der Bestel­lung des Betreu­ers noch durch die nach­träg­li­che Auf­he­bung der Bestel­lung wegen sol­cher Män­gel besei­tigt 5. Wie das Beschwer­de­ge­richt zutref­fend erkannt hat, wird die Ver­gü­tungs­fest­set­zung daher nicht durch die feh­ler­haf­te Anord­nung einer Betreu­ung gehin­dert. Ob die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Betreu­er­be­stel­lung vor­ge­le­gen haben, ist für den Ver­gü­tungs­an­spruch des Betreu­ers mit­hin ohne Belang und aus die­sem Grund im Fest­set­zungs­ver­fah­ren auch nicht zu prü­fen.

Im vor­lie­gen­den Fall begeg­ne­te die Annah­me, die Betreue­rin sei vor­lie­gend wirk­sam bestellt wor­den, kei­nen recht­li­chen Beden­ken und wur­de auch nicht in Zwei­fel gezo­gen. Die Angrif­fe der Betreu­ten zie­len inso­weit allein dar­auf ab, dass das Amts­ge­richt bei der Anord­nung der Betreu­ung zu Unrecht das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 1896 BGB bejaht habe. Damit aber kann die Betrof­fe­ne im Fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht gehört wer­den.

Die Betreu­te dringt auch nicht mit ihrem Ein­wand durch, die Betreu­ung habe frü­her auf­ge­ho­ben wer­den müs­sen, so dass die bean­trag­te Ver­gü­tung (jeden­falls teil­wei­se) nicht ange­fal­len wäre. Nach §§ 4, 5 VBVG ist der Zeit­raum zwi­schen der wirk­sa­men Betreu­er­be­stel­lung und der Auf­he­bung der Betreu­ung zu ver­gü­ten. Die Betreu­ung endet – außer im Fall des Todes des Betrof­fe­nen – erst mit einer gericht­li­chen Ent­schei­dung 6, hier der Auf­he­bung der Betreu­ung durch die Abhil­fe­ent­schei­dung des Amts­ge­richts. Im Ver­fah­ren über die Fest­set­zung der Ver­gü­tung ist nicht zu prü­fen, ob die Auf­he­bung frü­her hät­te erfol­gen müs­sen 7.

Viel­mehr ist hin­zu­neh­men, dass zwi­schen dem Ende der Not­wen­dig­keit der Betreu­ung und der Auf­he­bung der Betreu­ung eine gewis­se noch mit dem pau­scha­len Stun­den­satz nach § 5 VBVG zu ver­gü­ten­de Zeit­span­ne liegt, die auf gerichts- oder behör­den­in­ter­ne Abläu­fe und die Prü­fung, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­he­bung der Betreu­ung tat­säch­lich vor­lie­gen, zurück­zu­füh­ren ist 8. Dass im vor­lie­gen­den Fall die Auf­he­bung der Betreu­ung im Rah­men des Beschwer­de­ver­fah­rens und – anders als in der BGH-Ent­schei­dung vom 07.08.2013 – nicht im Rah­men einer Über­prü­fung nach §§ 1908 d BGB, 294 FamFG erfolg­te, führt zu kei­ner ande­ren Bewer­tung. Denn im Beschwer­de­ver­fah­ren wird die Not­wen­dig­keit der Betreu­ung zum Zeit­punkt der Beschwer­de­ent­schei­dung (und nicht zum Zeit­punkt der ursprüng­li­chen Betreu­er­be­stel­lung) geprüft und eine even­tu­el­le Auf­he­bung der Betreu­ung eben­falls nicht rück­wir­kend vor­ge­nom­men.

Die von der Rechts­be­schwer­de ange­führ­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gehen ins Lee­re. Dass die in §§ 4, 5 VBVG getrof­fe­ne Ver­gü­tungs­re­ge­lung gegen ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­ga­ben ver­stößt, ist weder ersicht­lich noch von der Rechts­be­schwer­de auf­ge­zeigt. Soweit die Rechts­be­schwer­de auch in die­sem Zusam­men­hang dar­auf abstellt, dass nach ihrer Auf­fas­sung die Betreu­ung nicht habe ange­ord­net wer­den dür­fen oder doch jeden­falls frü­her hät­te auf­ge­ho­ben wer­den müs­sen, ist dar­aus weder gene­rell noch im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall etwas für eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Betreu­er­ver­gü­tung abzu­lei­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. August 2014 – XII ZB 479/​12

  1. all­ge­mei­ne Mei­nung, vgl. etwa BayO­bLG Fam­RZ 1997, 701, 702 mwN; Beck­OK BGB/​Bettin [Stand: 1.05.2014] § 1836 Rn. 8; HK-BUR/Bau­er [Stand: Febru­ar 2010] § 1836 BGB Rn. 59; Erman/​Saar BGB 14. Aufl. § 1836 Rn. 4a; Knit­tel Betreu­ungs­recht [Stand: 1.12 2011] § 1836 BGB Rn. 2; Münch-KommBG­B/­Wa­genitz 6. Aufl. § 1836 Rn. 3; Staudinger/​Bienwald BGB [2014] § 1836 Rn. 21; vgl. auch OLG Düs­sel­dorf Fam­RZ 2011, 141, 142 und BayO­bLG Fam­RZ 1999, 1603 für den Nach­lass­pfle­ger sowie BayO­bLG Fam­RZ 1998, 1053, 1054 für den Ver­fah­rens­pfle­ger; Keidel/​Engelhardt FamFG 18. Aufl. § 168 Rn. 14; Prütting/​Helms/​Hammer FamFG 3. Aufl. § 168 Rn. 21[]
  2. Keidel/​Budde FamFG 18. Aufl. § 287 Rn. 4 und § 289 Rn. 1[]
  3. vgl. Bork/​Jacoby/​Schwab/​Müther FamFG 2. Aufl. § 17; Jurgeleit/​Stauch Betreu­ungs­recht 3. Aufl. § 303 FamFG Rn. 75; Kei­del/­Mey­er-Holz FamFG 18. Aufl. § 58 Rn. 8; Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich/Un­ger FamFG 4. Aufl. § 64 Rn. 22; Prütting/​Helms/​Abramenko FamFG 3. Aufl. Rn.20[]
  4. BayO­bLG Fam­RZ 1997, 701, 702[]
  5. OLG Mün­chen Fam­RZ 2008, 2216, 2218; BayO­bLG Fam­RZ 1997, 701, 702[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13 , Fam­RZ 2013, 1883 Rn. 9 zu § 1908 d BGB[]
  7. BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13 , Fam­RZ 2013, 1883 Rn. 7 mwN[]
  8. BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13 , Fam­RZ 2013, 1883 Rn. 9[]